Contra Direktzugang: "Neue Freiheiten mit Budgetverantwortung verbunden"

„Es wäre nichts gewonnen, wenn Budgetierung und Wirtschaftlichkeitsprüfung einfach nur 1:1 auf uns abgewälzt werden würde", sagt Manuela Faust, Logopädin und Mitgesellschafterin der Praxis "Logopädie am Herrngarten".

Mit der Einführung des Direktzugangs und der Blankoverordnung könnte die Schwierigkeit, dass ärztliche Verordnungen oft nicht korrekt ausgestellt werden und angepasst werden müssen, beseitigt werden. Statt mit Ärzten und deren Mitarbeitern über notwendige Änderungen zu diskutieren, wäre diese Zeit sinnvoller in die Versorgung der Patienten investiert. Deren Diagnostik und Therapie führe ich als Logopädin bereits heute eigenverantwortlich durch. Wer sich jedoch ohne Weiteres über die gewonnenen Freiheiten freut, sollte auf keinen Fall außer Acht lassen, dass mit diesen auch eine Budgetverantwortung verbunden sein wird, die aus verschiedenen Gründen hochproblematisch ist:

Erstens arbeiteten viele Praxen in den vergangenen Jahren am Rande der Wirtschaftlichkeit. Wenn mit der Budgetverantwortung noch mehr Bürokratie verbunden wäre, könnte sich manch eine Praxis das nicht leisten, auch wenn die Tarife kürzlich deutlich erhöht wurden. Vor allem jedoch müsste gewährleistet sein, dass Praxen nicht regresspflichtig werden, wenn die Budgets nicht eingehalten werden. Denn das Risiko einer persönlichen wirtschaftlichen Haftung wird niemand von uns eingehen können. Zweitens ist zu bedenken, dass die Budgets derzeit von der GKV und der KBV ausgehandelt werden. Von zwei mächtigen Lobby-Organisationen, denen auf Seiten der Heilmittelerbringer das entsprechende Pendant fehlt. Leider sind wir (noch) nicht so stark organisiert. Aber wer wollte dann unsere Rechte vertreten und diese Budgets in unserem Sinne, aber auch im Sinne unserer Patienten aushandeln? Drittens möchte ich davor warnen, dass die Budgetierung und die damit verbundene Wirtschaftlichkeitsprüfung einfach nur 1:1 auf die therapeutischen Praxen abgewälzt werden. Dadurch wäre nichts gewonnen. Ich möchte keinen Eltern erklären müssen, dass ich leider die sinnvolle und dringend notwendige Therapie ihres Kindes nicht durchführen kann, weil mein Budget am Ende des Quartals aufgebraucht ist.

Fazit: Sollten Blankoverordnung und Direktzugang mit einem finanziellen Risiko verbunden sein, werden in Zukunft sicherlich keine zusätzlichen Fachkräfte freie Praxen eröffnen, und die Versorgung der Patienten wird sich auch aus diesem Grund nicht verbessern. Hier muss weiterverhandelt werden!


Was Michael Schlewack, Ergotherapeut und Herausgeber des Magazins ergopraxis, zu diesem Thema sagt? Seine Argumente lesen Sie hier.

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