COVID-19: Welche Finanzhilfen gibt es für Heilmittelerbringer?

Bundesrat und Bundestag haben das COVID-19-Gesetz verabschiedet. Erfahren Sie hier, was das für Heilmittelerbringer bedeutet und welche Hilfen Sie aktuell in Anspruch nehmen können.

Ohne Schutzschirm droht vielen Heilmittelpraxen die Schließung. Laut Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) liegen die Umsatzrückgänge bereits bei bis zu 90 Prozent: Termine werden abgesagt und verunsicherte Patienten kommen nicht mehr in die Praxen. Während der Großteil der Akteure im Gesundheitswesen vom eilig auf den Weg gebrachten COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz profitiert, werden Heilmittelerbringer nur an zwei Stellen im aktuellen Gesetzentwurf erwähnt: Die laufenden Verhandlungen über die Heilmittelverträge werden ausgesetzt und der neue Rahmenvertrag tritt nicht zum 1. Juli, sondern frühestens zum 1. Oktober 2020 in Kraft. Und die Blankoverordnung kommt zudem nicht wie erwartet zum 1. November 2020, sondern frühestens zum 1. März 2021. 

Hier finden Sie den aktuellen Gesetzentwurf zum Ausgleich COVID-19 bedingter finanzieller Belastungen der Krankenhäuser und weiterer Gesundheitseinrichtungen (COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz).
 


Zentrale Bedeutung von Therapeuten in der Bewältigung der Corona-Krise


„Die Therapeuten trifft der Gesetzentwurf gleich doppelt: Nicht nur, dass die hart erkämpften Verhandlungen um eine angemessene Vergütung und bessere Arbeitsbedingungen verschoben wurden. Therapeuten werden auch mit ihren wirtschaftlichen Sorgen sowie in der Beschaffung von Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln allein gelassen“, so Christine Donner, Geschäftsführerin des Bundesverbands für Ergotherapeuten in Deutschland e.V. Der SHV weist in einer aktuellen Pressemitteilung auf die erwartbaren Folgen des fehlenden Rettungsschirms hin: Wenn Heilmittelpraxen vor dem Aus stünden, drohe eine massive therapeutische Unterversorgung. Besonders betroffen seien Schmerzpatienten, Patienten mit neurologischen Erkrankungen, nach Operationen oder nach Krebsdiagnosen. Während medizinisch notwendige Behandlungen auch weiterhin durchgeführt werden sollen, sieht Christine Donner bei den Therapeuten großes Potenzial für die gesamtgesellschaftliche Bewältigung der Corona-Krise: „In Notsituationen ist eine stärkere Selbstorganisation sinnvoll: Therapeuten erleben den tagesaktuellen Zustand ihrer Patienten und können Ärzte entlasten, indem sie selber, ähnlich wie das nun Krankenschwestern zugesprochen wird, Entscheidungen über den Behandlungsbedarf in dieser Krisensituation treffen.“ Zudem würden Therapeuten zur psychischen Entlastung der Patienten gerade im geriatrischen Bereich beitragen. Zentral sei dabei aber die unbürokratische und schnelle Zusicherung von angemessenen Ausgleichszahlungen. 
 

Therapeuten erleben den tagesaktuellen Zustand ihrer Patienten und können Ärzte entlasten, indem sie selber, ähnlich wie das nun Krankenschwestern zugesprochen wird, Entscheidungen über den Behandlungsbedarf in dieser Krisensituation treffen.
Christine Donner, Geschäftsführerin des Bundesverbands für Ergotherapeuten in Deutschland e.V.
Möglichkeiten der Selbsthilfe für Therapeuten

Bereits beschlossen sind konkrete Finanzhilfen zur Liquiditätssicherung von Bund und Ländern in der Corona-Krise. Sie dienen der Überbrückung akuter finanzieller Engpässe. Demnach können Praxen mit bis zu zehn Mitarbeitern ab April bis zu 15.000 € Soforthilfen für die kommenden drei Monate beantragen, die nicht zurückgezahlt werden müssen.  

Hier finden Sie das vom Bund verabschiedete Eckpunktepapier „Corona-Soforthilfe für Kleinstunternehmen und Soloselbständige“. Zusätzlich können Praxisinhaber Landeshilfen beantragen. Die Links zu den Regelungen auf Länderebene finden Sie hier:
Baden-Württemberg, Bayern,Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, HessenMecklenburg-Vorpommern,Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt,Schleswig-Holstein,Thüringen

Weitere Möglichkeiten, die finanziellen Ausfälle zu kompensieren, bestehen für Therapeuten in der Einreichung von Betriebsurlaub oder auch Kurzarbeit. Christine Donner blickt optimistisch nach vorn: „Ich gehe fest davon aus, dass es einen kurzfristigen Nachtrag zum COVID-19-Gesetz geben wird, in dem die Therapeuten Berücksichtigung finden. Daran arbeiten die Verbände derzeit auf allen verfügbaren Kanälen. Gepaart mit der Unterstützung der Therapeuten an der Basis, die zugleich öffentlich ihre Not äußern, muss die Politik handeln“.
 


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