Das WAT-Gutachten: „Die Versorgung in der Fläche ist gefährdet“

Vier Fragen an Prof. Dr. Günter Neubauer, Inhaber des Instituts für Gesundheitsökonomik, zum aktuellen WAT-Gutachten.

Was erschwert den wirtschaftlichen Betrieb von Therapiepraxen?
Die Vergütung bildet die Kosten der Praxen nicht real ab. Der Aufwand für die Bürokratie, etwa für die Überprüfung von Rezepten, treibt die Kosten in die Höhe. Inhaber arbeiten im Schnitt deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche. Sie können sich aber nicht durch die Einstellung von Verwaltungsangestellten entlasten, denn die Vergütung ist nicht marktgerecht. Es ist schwer, Mitarbeiter zu finden.

Gibt es Unterschiede in der Wirtschaftlichkeit je nach Größe der Praxis?
Große Praxen sind wirtschaftlicher. Der Inhaber kann sich mehr um die Verwaltung kümmern. Sie sind flexibler, auch was die Teilzeitbeschäftigung von Mitarbeitern angeht. Der wirtschaftliche Druck wird dazu führen, dass Praxen mit einem, zwei oder drei therapeutischen Mitarbeitern aufgeben. Dadurch ist die Versorgung in der Fläche gefährdet.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Wirtschaftlichkeit von Praxen?
In der Corona-Krise zeigt sich der Vorteil einer flächendeckenden Versorgung. Die vielen kleinen Praxen – auch auf dem Land – bieten den Patienten kurze Wege. Gleichzeitig ist die Zahl der Patienten zurückgegangen. Das erhöht den wirtschaftlichen Druck weiterhin.

Müssen sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen?
Ja, unbedingt. Verwaltungstätigkeiten sollten eigenständig vergütet werden. Die Zeit für die Vor- und Nachbereitung der Therapien sollte von den Pauschalen entkoppelt werden. Das würde auch die Transparenz erhöhen.


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