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Dürfen Therapeuten Patienten Akteneinsicht verweigern?

Patienten dürfen ihre Akte prinzipiell ohne Angabe von Gründen einsehen. Verweigern darf der Therapeut die Einsicht nur mit Begründung – wenn erhebliche therapeutische oder Rechte Dritter entgegenstehen.

Grundsätzlich darf der Patient seine Akte einsehen

Der Patient kann die Einsicht in seine Akte ohne Angaben von Gründen verlangen. Natürlich sollte der Therapeut nachfragen, weshalb die Einsicht begehrt wird, um etwa von einem Behandlerwechsel zu erfahren oder um sich Feedback bei Unzufriedenheit holen zu können. Die Einsichtnahme darf aber nicht an diese Informationen geknüpft werden. Die Ankündigung des Patienten, den Therapeuten wegen eines vermeintlichen Behandlungsfehlers in Anspruch nehmen zu wollen, begründet kein Verweigerungsrecht.

Gründe, die einer Einsichtnahme entgegenstehen

Dieses besteht aber ausnahmsweise, wenn erhebliche therapeutische Gründe oder sonstige erhebliche Rechte Dritter entgegenstehen. Erhebliche therapeutische Gründe stehen nur entgegen, wenn massive physischen oder psychischen Gefahren bestehen. Die Rechtsprechung sieht eine hinreichende psychische Gefahr erst bei einem drohenden Suizid als gegeben an. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass der Patient selbst wissen müsse, ob er Gesundheitsgefahren durch Einsicht in seine Patientenakte riskiere.

Erhebliche Rechte Dritter sind in der Patientenakte befindliche Äußerungen anderer Personen, etwa wenn Familienangehörige in die Behandlung einbezogen wurden. Das Allgemeine Persönlichkeitsrecht des Behandlers kann nur selten einer Einsichtnahme entgegenstehen, abfällige Bemerkungen in der Patientenakte reichen hierfür nicht aus. Der Therapeut muss begründen, warum er dem Patienten die Einsicht verweigert.  

Passagen schwärzen oder Begleitung durch Angehörige kann helfen

Anstelle einer vollständigen Verweigerung der Einsicht muss der Therapeut stets prüfen, ob eine Schwärzung einzelner Passagen ausreichen würde oder ob der Patient bei einer drohenden Gefährdung durch einen Arzt oder Angehörigen begleitet werden könnte. Lesen Sie dazu auch den Beitrag: Dürfen Angehörige Einsicht in die Patientenakte nehmen?

Manipulation der Patientenakte oder Zweitakte sind keine Option

Eine nachträgliche „Korrektur“ der Patientenakte oder das Anlegen einer Zweitakte gefährdet die Glaubwürdigkeit des Therapeuten insgesamt und führt bei Haftpflichtfällen oder Abrechnungsprüfungen zu großen rechtlichen Nachteilen für den Therapeuten.


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