DVG: Einbindung in die Telematikinfrastruktur für Physiotherapeuten

Der Bundestag hat das Digitale Versorgung-Gesetz beschlossen und ermöglicht Physiotherapeuten so die Anbindung an die Telematikinfrastruktur. Uwe Eisner (PHYSIO-DEUTSCHLAND) erläutert, welche Änderungen erwartet werden.

Das Digitale Versorgung-Gesetz ermöglicht die Einbindung der Physiotherapeuten in die Telematikinfrastruktur sowie deren Finanzierung. Diese Anbindung erfolgt in einem ersten Schritt freiwillig. Die Kosten werden für alle teilnehmenden Praxen ab dem 1. Juli 2021 erstattet. Uwe Eisner war vor seiner Zeit als Physiotherapeut Informatiker. Er ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Verbandes für Physiotherapie (ZVK) e.V.. Als Experte für Digitalisierung ist er im Vorstand des Verbandes zentraler Ansprechpartner zu allen Fragen rund um das Thema Telematikinfrastruktur.

Was wird sich für Physiotherapeuten im Zuge des DVG konkret im Praxisalltag ändern?

Uwe Eisner: Den unmittelbaren Alltag der Therapeuten beeinflusst der Beschluss des DVG zunächst noch nicht. Das Gesetz ermöglicht es uns Physiotherapeuten, an die Telematikinfrastruktur angebunden zu werden. Dafür müssen zunächst aber noch bestimmte technische und teils auch rechtliche Voraussetzungen geschaffen werden. 

Um welche Voraussetzungen handelt es sich dabei?

Uwe Eisner: Die Konzeption der Telematikinfrastruktur übernimmt die gematik. Dabei ermöglicht ein verschlüsseltes Netz den verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen, digital miteinander zu kommunizieren. Der Anschluss an dieses Netz setzt für Physiotherapeuten zwei Punkte voraus: Zum einen müssen sie sich mit dem elektronischen Heilberufsausweis und den Institutskarten legitimieren können. Da die Anerkennung als Physiotherapeut derzeit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt wird, ist noch nicht abschließend geklärt, wer die Heilberufsausweise und Institutskarten an die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ausgeben wird. Eine Möglichkeit wäre es, hierfür eine zentrale Stelle zu schaffen. Zum anderen müssen rechtliche Fragen geklärt werden: Auf welche Daten darf der Physiotherapeut zukünftig zugreifen? Darf er z.B. auch auf den Medikamentenplan und die Notfalldaten zugreifen. Beides sind für die Therapeuten wichtige Informationen. Ich sehe keinen Grund, wieso der Physiotherapeut keinen Zugriff auf diese Daten bekommen sollte. 

Was macht es so langwierig, hier Antworten und einheitliche Regelungen zu erarbeiten?

Uwe Eisner: Es sind sehr viele Akteure beteiligt, die unterschiedliche Interessen einbringen: Da sind wir Physiotherapeuten, da ist der Gesetzgeber, der GKV-Spitzenverband, die Ärztevertreter oder auch die verschiedenen Dienstleister im Gesundheitswesen. Zudem stehen wir noch ganz am Anfang, wobei seit dem Beschluss des DVG im November bereits einige sehr konstruktive Gespräche stattfanden. Nicht zu vergessen sind außerdem die zahlreichen weiteren Themen, wie TSVG, Bundesrahmenvertrag, Blankoverordnung, Preisverhandlungen oder Leistungsbeschreibungen, an denen die Beteiligten aktuell ebenfalls mit Hochdruck arbeiten. 

Welche Vorteile bietet das DVG den Therapeuten?

Uwe Eisner: Das DVG kann die Kommunikation zwischen Ärzten und Therapeuten, aber auch mit den Krankenkassen verbessern. Es ist zum Beispiel denkbar, dass der Therapeut auf die ärztlichen Patientenakten zugreifen und so z.B. Röntgenbilder des Patienten anschauen könnte. Die Digitalisierung könnte auch das Abrechnungsmanagement reformieren. So könnten Therapeuten sofort Informationen darüber erhalten, ob eine Verordnung von den Krankenkassen, so wie sie vom Arzt ausgestellt wurde, auch vergütet wird. Dadurch ließen sich Absetzungen komplett verhindern. Das würde die Bürokratie abbauen und Kommunikationswege beschleunigen. Hier ergeben sich viele Gestaltungsspielräume, für die sich PHYSIO-DEUTSCHLAND einsetzt.   

Wo gibt es noch Herausforderungen? 

Uwe Eisner: Die große Herausforderung ist es, die neuen Rahmenbedingungen mit Leben zu füllen. Wir müssen beispielsweise für Therapeuten einheitliche Kriterien zur Erlangung eines elektronischen Heilberufsausweises schaffen, wie es sie für Ärzte und Apotheker bereits seit langem gibt. Außerdem muss die Anbindung an die Telematikinfrastruktur zunächst in Modellregionen erprobt werden. Auch die zahlreichen beteiligten Akteure müssen unter einen Hut gebracht werden. Dabei bleibt es unser vorrangiges Ziel, bürokratische Hürden für die Therapeuten abzubauen. 

Was sind die nächsten Schritte?

Uwe Eisner: Die Verbände in der Physiotherapie werden ihre Ideen zeitnah zusammenfassen. Danach werden dann Gespräche mit der gematik und mit dem Bundesministerium für Gesundheit geführt, um Möglichkeiten der konkreten Umsetzung zu besprechen. 

 

Uwe Eisner (PHYSIO-DEUTSCHLAND)

 
Weitere Informationen zum DVG finden Sie hier.

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