Fortbildung fördern

Praxisinhaber sollten Mitarbeiter bei ihren Fortbildungen unterstützen. Im eigenen Interesse.

Seit 2007 gilt für alle niedergelassenen Heilmittelerbringer mit eigener (Kassen-)Zulassung sowie für die fachliche Leitung der zugelassenen Einrichtung oder Zweigstelle eine Fortbildungsverpflichtung. Ziel dieser mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz in Kraft getretenen Fortbildungspflicht (Fobi-Pflicht) ist, die Qualität der Heilmittelerbringung zu sichern und zu fördern. Die einzelnen Mitarbeiter der Praxen haben diese gesetzliche Verpflichtung nicht. Das heißt jedoch keineswegs, dass sie sich nicht fortbilden sollten – und in aller Regel tun sie es auch.

„Therapeuten sind von großem Bildungsinteresse geprägt; das gehört einfach dazu, wenn man diesen Beruf ergreift“, weiß Ansgar Winkelmann, von Beruf Arzt, Physiotherapeut und Geschäftsführer des Ergotherapeutischen Fortbildungszentrums (EFZ) in Bergen. Schließlich entwickelten sich der Beruf und das damit benötigte Wissen ständig und zunehmend schneller weiter. Der Zeitraum, in dem sich das Wissen verdoppele, werde dabei immer kürzer. 1950 waren es 50 Jahre, 1980 sieben Jahre, 2010 knapp vier Jahre und Experten schätzen, dass sich das medizinische Wissen inzwischen innerhalb von nur 73 Tagen verdoppelt. Wie soll man da noch als Therapeut auf dem Laufenden bleiben?

Viele Praxisinhaber haben längst erkannt, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, die Mitarbeiter bei ihren Fortbildungen zu unterstützen – wenigstens, indem sie die Mitarbeiter für diese Zeit freistellen, oft aber auch, indem sie die Kosten teilweise oder ganz übernehmen. „Manchmal kommt es vor, dass sogar die Reisekosten und das Hotel übernommen werden“, berichtet Winkelmann. Schließlich würden ja gerade bei Zertifikatsweiterbildungen wie Manueller Therapie, Lymphdrainage oder Gerätegestützter Krankengymnastik vor allem die Praxisinhaber von der Höherqualifizierung ihres Mitarbeiters profitieren – denn erst dann kann die entsprechende Position auch mit der Kasse abgerechnet werden.

Manchmal kommt es vor, dass sogar die Reisekosten und das Hotel übernommen werden“
Ansgar Winkelmann, Geschäftsführer des Ergotherapeutischen Fortbildungszentrums (EFZ) in Bergen
Wissen aus der Fortbildung mit den Kollegen teilen

Ohnehin ist der Nutzen der jeweiligen Fortbildung für die Praxis das entscheidende Kriterium bei der Frage, ob und wie sie vom Praxisinhaber bezahlt werden sollte. So handhabt es Mathias Gans in seiner eigenen Ergotherapiepraxis in Karlsruhe-Durlach. Er empfiehlt es aber auch anderen Inhabern, denn Gans führt auch ein kleines, auf Therapiepraxen spezialisiertes Beratungsunternehmen. Zwar könne man aus Gründen der Mitarbeiterbindung gerade in Zeiten des Fachkräftemangels auch mal eine Weiterbildung fördern, von der die Praxis selbst nichts hat. „Besser ist es aber natürlich, dass man eine Win-win-Situation auf beiden Seiten hat und auch die Praxis davon profitiert.“

Manch ein Inhaber kann diesen Nutzen für die Praxis zudem erhöhen, indem die frisch fortgebildeten Mitarbeiter ihr Wissen in einer internen Fortbildung an den Rest des Teams weitergeben. „Auch der Mitarbeiter fühlt sich dadurch wahr- und ernst genommen, denn nichts ist frustrierender als das Gefühl, sich umsonst fortgebildet zu haben“, weiß Mathias Gans. Aber was ist, wenn der Mitarbeiter die Fortbildungsunterstützungseines Chefs dankend in Anspruch nimmt und dann die neue Qualifizierung zum Anlass nimmt, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen? „Die Gefahr besteht natürlich,“ weiß Ansgar Winkelmann vom Fortbildungszentrum EFZ. Selbst Verträge, die den Mitarbeiter verpflichten, für eine bestimmte Zeit nach der Fortbildung das Unternehmen nicht zu verlassen oder im Zweifelsfall die Fortbildungskosten zurückzubezahlen, schützen nur bedingt. Eine Fortbildung nicht zu unterstützen sei jedoch trotzdem keine Alternative, denn schließlich wäre der Mitarbeiter dann erst recht ganz schnell weg. Winkelmann: „Viele Mitarbeiter fordern es meiner Ansicht nach auch völlig zu Recht regelrecht ein, dass sie mit den Kosten für die Fortbildung nicht alleingelassen werden.“


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