Fortbildungsdschungel in der Logopädie

Präsenz, InHouse oder doch besser online? Wie Sie die richtigen Angebote für Ihr Team finden.

Das Hotel ist gebucht, die Patienten verplant, aber kurz vor dem Termin vermeldet der Anbieter Ihrer Fortbildung es tue ihm leid, doch aufgrund der geringen Teilnehmerzahl könne das geplante Seminar leider nicht stattfinden. Ist Ihnen oder Ihren Mitarbeitern das auch schon mal passiert? Naja, wer wird da gleich den Kopf in den Sand stecken. Der Tag ist schließlich jetzt freigeplant und „So ein Glück!“, es gibt auch eine passende Onlinefortbildung. Viel günstiger ist sie übrigens auch. Aber halt, gibt es dafür überhaupt Fortbildungspunkte? Praxisinhaber wissen, wie undurchsichtig der Fortbildungsdschungel mitunter sein kann. Wie Sie unnötige Verluste durch Seminarausfälle vermeiden und welches Fortbildungsangebot denn nun eigentlich für Ihr Team das Beste ist, erfahren Sie hier. 

 

1. Der etablierte Klassiker: Das Präsenzseminar

Die Vorteile eines Präsenzseminars liegen klar auf der Hand. Durch den externen Veranstaltungsort lernen die meisten fokussierter, da mögliche Ablenker auf ein Minimum reduziert werden. Es besteht die Möglichkeit, sich mit anderen Therapeuten auszutauschen, neudeutsch zu Netzwerken und Rückfragen an den Dozenten zu stellen. Praktische Übungen lassen sich oft anschaulicher darstellen und die Selbsterfahrung ist ein nicht zu unterschätzendes Lernmittel. Die Kosten liegen dabei in der Logopädie im Schnitt bei dreihundert Euro für zwei Fortbildungstage (zumeist Freitag und Samstag), allerdings ohne Anfahrt, Hotel und Verpflegung. Fortbildungspunkte sind dafür aber die Regel. 

Für wen? Präsenzseminare bringen Fortbildungspunkte. Darauf können gerade Praxisinhaber und logopädische Leitungen nicht verzichten. Außerdem sind Präsenzseminare hervorragend für praktische Therapieansätze mit viel Selbsterfahrung geeignet und für Menschen, die einfach gerne mit anderen lernen, sich live austauschen und im Allgemeinen nicht so technikaffin sind. 

Was aber, wenn dieses Seminar nun kurz vor dem Termin abgesagt wird? Dann bleibt der Teilnehmer oft nicht nur auf den Hotelkosten sitzen, sondern generiert auch wirtschaftliche Verluste, da der Freitag selten terminlich komplett zurück geplant werden kann. Ärgerlich, oder? Um also nicht mit einer Präsenzfortbildung baden zu gehen, achten Sie darauf, dass der Anbieter die Durchführung der Veranstaltung unabhängig von der Teilnehmerzahl garantiert. Sollten Sie eine bestimmte Fortbildung benötigen, die dies nicht kann, buchen Sie Hotels über Businessportale, bei denen eine Stornierung noch bis zum selben Tag möglich ist. Viele Hotels, gerade in Großstädten, bieten diesen Service mittlerweile auch unabhängig von solchen Portalen an. 


2. Logopädie 4.0: Die Onlinefortbildung

Neben einer Fülle von Anbietern für Präsenzseminare und freier Dozenten aller Art, erobern seit wenigen Jahren auch die Onlineanbieter den logopädischen Fortbildungsmarkt. Ihr großer Vorteil dabei? Die unglaubliche Flexibilität. Plötzlich ist es möglich jederzeit und überall eine Fortbildung zu absolvieren, diese zu unterbrechen oder sogar gemeinsam als Team zu machen. Dabei laufen sie in den meisten Fällen deutlich günstiger auf, als ihre analogen Pendants ohne sich dabei inhaltlich verstecken zu müssen. Die Themenpalette ist derzeit noch nicht so breit gefächert wie im Präsenzsektor, was sich aber in den kommenden Jahren erheblich ändern wird. Gerade für hochkarätige und viel gebuchte Dozenten ergibt sich hier sogar ein enormer Vorteil: Einmal aufgenommen, sind die Seminare eine fortlaufende Einnahmequelle. Einzige Ausnahme dabei: Liveseminare oder auch Webinare. Fortbildungspunkte gibt es derzeit für Logopäden jedoch (noch) keine.

Für wen? Onlinefortbildungen eignen sich für alle, die sehr viel privat und beruflich koordinieren müssen z.B. Familie oder Hobby und Job. Auch wer gerne selbst sein Lerntempo bestimmt und effektiver für sich allein lernen kann, ist mit einer Onlinefortbildung definitiv besser aufgestellt, sofern er nicht auf die Fortbildungspunkte angewiesen ist. Wobei ein Onlineseminar an sich nicht zwangsläufig bedeutet allein zu lernen, aber dazu später mehr. Kurz: Wer die Punkte nicht braucht und sich möglichst flexibel und günstig Wissen aneignen möchte, ist hier in jedem Fall richtig. 


3. Teambildung: InHouse Seminare

Warum nicht mal einen Dozenten nur für das eigene Team ordern? Das ist gut für das Betriebsklima, vermittelt allen einen gleichen Wissensstand und fördert den Austausch unter den Kollegen. Alternativ können auch gemeinsame Onlineseminare in der Praxis gemacht werden, allerdings sollte hierbei wenigstens ein Mitarbeiter als Moderator agieren. 

Für wen? Dieses Fortbildungskonzept macht selbstverständlich erst ab einer gewissen Mitarbeiterzahl wirklich Sinn, um wirtschaftlich tragbar zu sein. Darüber hinaus sollten entweder sehr populäre Themen bearbeitet werden, mit denen jeder der Logopäden in Berührung kommt oder aber Schwerpunkte hinsichtlich der Praxisausrichtung gesetzt werden (z.B. reine neurologische Praxis). In einer „normalen“ Logopädiepraxis macht es eher wenig Sinn, gleich ALLE Therapeuten zu einem sehr speziellen Therapiebereich zu schulen, da hier individuelle Schwerpunkte das Praxisportfolio erst abrunden. Sie haben eine große Praxis mit gleich mehreren Standorten? Dann sind auch spezifischere Themenbereiche gut als InHouse Seminar durchführbar, da Mitarbeiter von verschiedenen Standorten gemeinsam neues Wissen mit in die jeweiligen Praxen nehmen können. 
 

Ein Fazit

Ein ausgewogener Mix aus Präsenzseminaren und Onlinefortbildungen ist also die wirtschaftlich gesündeste Form der Wissenserweiterung in der logopädischen Praxis. Einflussgrößen sind hierbei die Mitarbeiterzahl, der Praxisschwerpunkt und die Anzahl der Standorte. Fortbildungspunkte gibt es bislang nur für die Präsenzseminare, während Onlinefortbildung besonders durch Preis & Flexibilität punkten. Für größere Praxen können dagegen auch so genannte InHouse Seminare eine lohnenswerte Alternative sein. Bei Präsenzseminaren sollten Sie im Allgemeinen darauf achten einen Anbieter zu wählen, der das Zustandekommen der Veranstaltung auch bei geringer Teilnehmerzahl garantiert.

 

 

Sie haben Fragen?

Ann-Kathrin Schäfer ist Lehrlogopädin für Stimme, Sprecherziehung und Dysgrammatismus. Zudem ist Sie Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialwesen. So verfügt Sie über fachliches und wirtschaftliches Wissen, welches Sie auf ihrem Blog www.logowiwi.de mit Praxisinhabern, Existenzgründern, Lehrlogopäden und Schülern aus der Branche teilt.


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