Fremdsprachliche Therapieangebote besser vermarkten

Therapeuten mit Sprachkenntnissen auf Muttersprachniveau sind gefragter denn je. Erfahren Sie, wie Sie mehr aus diesem Alleinstellungsmerkmal für Ihre Praxis herausholen und diese Therapieangebote besser platzieren.

Elif ist seit dreizehn Jahren Logopädin. Sie arbeitet als Angestellte einer reinen Logopädiepraxis in einer Ruhrgebietsmetropole. Fortbildungen hat sie viele, arbeitet am liebsten mit Kindern und ist auch ansonsten ein sehr kreativer Mensch. In den letzten fünf Jahren hat sich ihre Arbeit jedoch stark verändert. Ihr Arbeitgeber und sie haben sich dazu entschieden ganz bewusst Therapie auch auf türkisch anzubieten.

„Anfangs hatten wir gemischte Gefühle und wussten noch nicht wie Patienten das Angebot annehmen würden. Wir hatten Angst. Wir wollten keinen Stempel, denn muttersprachliche Therapie ist auch unter Therapeuten und Ärzten immer wieder ein Streitthema.“ Trotzdem wagen sie den Schritt und werden belohnt.

 
 
Sie haben Fragen?

Ann-Kathrin Schäfer ist Lehrlogopädin für Stimme, Sprecherziehung und Dysgrammatismus. Zudem ist Sie Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialwesen. So verfügt Sie über fachliches und wirtschaftliches Wissen, welches Sie auf ihrem Blog www.logowiwi.de mit Praxisinhabern, Existenzgründern, Lehrlogopäden und Schülern aus der Branche teilt.

Gerade bei neurologischen Patienten mit Migrationshintergrund ist die neu und manchmal erst spät erlernte deutsche Sprache schnell verschwunden. Es entstehen große Hürden für die logopädische Therapie. Aber auch bei Kindern mit einer schweren Sprachentwicklungsstörung kann ein zunächst muttersprachlicher Ansatz das Mittel der Wahl sein. Doch wie finden Patient und Praxis eigentlich am besten zusammen?


Das richtige Konzept

Gerade vor dem Hintergrund eines funktionierenden und umfassenden Qualitätsmanagements ist es wichtig, sich im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, welches Therapieangebot sich durch die Mehrsprachigkeit genau ergibt. Das hängt natürlich auch vor allem von den individuellen Schwerpunkten des jeweiligen Therapeuten ab, zum Beispiel ob dieser eher in der Kinder- oder Erwachsenenarbeit verankert ist. Aber auch Urlaubs- und Vertretungszeiten müssen bedacht werden.

Wenn Elif nicht da ist, kann niemand ihre Patienten übernehmen. „Es wäre schön, eine zweite Muttersprachlerin hier in der Praxis zu haben.“, sagt sie. Urlaub macht sie aber trotzdem. „Meistens leite ich Angehörige oder Pflegepersonal im Vorfeld an und dann klappt das schon.“

 
Die eigene Internetpräsenz

Ist Ihre Internetseite schon multikulturell? Wenn Sie Ihre Zielgruppe kennen, dann sollte Ihr Internetauftritt auch genau auf diese Patienten ausgelegt sein. Dabei reicht es jedoch nicht immer aus, nur die Sprache der Webseite anzupassen und diese beispielsweise einfach komplett auf Türkisch anzubieten. Beachten Sie unbedingt das angepasste Therapieangebot und, was noch viel wichtiger ist, einen respektvollen Umgang mit anderen Kulturen. Für ihre Suchmaschinenoptimierung (SEO) bedeutet das übrigens auch eine andere Verschlagwortung. Suchen Sie sich hier also gegebenenfalls professionelle Unterstützung.


Bewusst informieren

Sie können ein noch so tolles Konzept ausgearbeitet haben, aber wenn die Menschen davon nicht erfahren, dann wird es niemandem nutzen. Daher sollten neben Ihrer Webseite auch klassische Informationsträger wie Flyer und Broschüren zum Einsatz kommen. Ähnlich wie bei der Internetpräsenz gilt es darauf zu achten, hier nicht eine reine Übersetzung des „normalen“ Praxisflyers vorzunehmen. Unerlässlich ist zudem das persönliche Gespräch mit Multiplikatoren. Ansprechpartner sind in erster Linie natürlich die entsprechenden Ärzte, aber auch Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und für Ihr Angebot kulturell bedeutende Organisationen und Vereine. Es mag überraschen, aber kommen Sie auch mit anderen Therapeuten, insbesondere Logopäden, aus der Umgebung ins Gespräch. Sie sind in der Lage Patienten, die eine entsprechende Behandlung benötigen, weiterzuleiten - beispielsweise einen Dysphagiepatienten, der kein Deutsch spricht. Konkurrenzdenken ist hier fehl am Platze. Das Patientenwohl und die bestmögliche Behandlung haben oberste Priorität.

„Manchmal bekommen wir sogar Patienten von anderen Praxen geschickt.“, erzählt auch Elif. Ein Miteinander, das nicht immer ganz selbstverständlich ist in der breit gestreuten Therapeutenlandschaft. „Das Konkurrenzdenken ist oft noch viel zu groß.“

 
Nacharbeiten und ausrichten

Ein solches Therapieangebot ist vor allem dann erfolgreich, wenn es die Menschen erreicht, die es dringend benötigen. Das bedeutet, dass die Kommunikationswege immer wieder überprüft und gegebenenfalls angepasst werden müssen. Halten Sie nach, wie die Patienten zu Ihnen gelangt sind. Fragen Sie möglicherweise, wo sich die Patienten noch mehr Unterstützung wünschen würden oder welche Verbesserungen hinsichtlich der Auffindbarkeit Ihres Angebots denkbar wären. Hinterfragen Sie immer wieder die Inhalte Ihrer Außenauftritte und vergleichen Sie diese mit ähnlichen Angeboten (Benchmarking).

„Ich glaube, dass wir uns mit dieser Form der Therapie noch viel mehr auseinandersetzen müssen, weil hier in den nächsten Jahren noch ein ganz großer Bedarf entstehen wird.“ Elif ist überzeugt, dass die Nachfrage hier langfristig noch steigen wird.

Und dann ist eigentlich nur noch eines wirklich wichtig: Eine gute Mitarbeiterbindung. Denn Muttersprachler als angestellte Logopäden sind wahre Schätze. Ein Abwandern zu einer anderen Praxis bedeutet dann auch stets das Erlöschen eines ganzen Therapieangebots in Ihrem Praxisportfolio. Eine innovative Idee für alle Mitarbeiter? Unterstützen Sie doch als Praxisinhaber ergänzend zur nächsten Fortbildung mal einen Fremdsprachkurs. Es wird sich lohnen.

 

 


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