Geregelte Übergabe

Die Übernahme einer Bestandspraxis ist für immer mehr Therapeuten eine Option. Johannes Gönnenwein, Geschäftsführer von www.praxisnachfolge.de, erklärt, warum.

Eine bestehende Praxis zu kaufen ist bei Ärzten sehr üblich. In den Heilmittelberufen werden dagegen Praxen eher ganz neu gegründet. Woran liegt das?
Das hat zum einen damit zu tun, dass es bei Heilmittelerbringern die Niederlassungsfreiheit gibt. Das heißt, es ist für sie relativ einfach, an einem beliebigen Standort eine Praxis zu eröffnen und dafür eine Kassenzulassung zu bekommen. Anders ist das bei den Ärzten. Da ist die Zulassung an den Sitz einer bestehenden Praxis gekoppelt, sodass es kaum möglich ist eine neue Praxis zu eröffnen und dafür eine Genehmigung von der KV zu bekommen.

Und zum anderen?
Dass es hierzulande keine Tradition der Praxisübernahme gibt, hat auch etwas damit zu tun, dass für einen Therapeuten die Gründung einer eigenen Praxis nicht nur wirtschaftliche Gründe hat. Das hat auch ganz viel mit Selbstverwirklichung und Identifikation zu tun. Es geht also darum, die eigenen Patienten nach eigenen Konzepten und Vorstellungen behandeln zu wollen. Dazu gehört dann auch, die Praxis genau so einzurichten und zu gestalten, wie man sich das vorstellt – und sich eben nicht in irgendein gemachtes Nest zu setzen, das nicht hundertprozentig den eigenen Vorstellungen entspricht.

Trotzdem werben Sie in Ihren Seminaren dafür, auch diesen Weg in Betracht zu ziehen. Was spricht aus Ihrer Sicht dafür?
So ein gemachtes Nest bietet natürlich erhebliche Vorteile. So kann der Nachfolger in den laufenden Betrieb einsteigen und ab dem ersten Tag das machen, was er kann – nämlich behandeln. Bei einer Neugründung sitzt der Therapeut erst einmal in einer leeren Praxis und muss sich darüber Gedanken machen, wie er seine Praxis organisiert und verwaltet, wie er Patienten in seine Praxis lockt, wann und welche Mitarbeiter er neu einstellt und vieles mehr. Alles Dinge, die oft nicht unbedingt zur Kernkompetenz eines Therapeuten gehören.

Dafür muss er sich aber nicht in eine Praxis einkaufen – was ja ganz schön teuer sein kann.
Das ist richtig. Aber auch die Neueinrichtung einer Praxis gibt es nicht zum Nulltarif. Zumal man nicht die Vorteile eines „running systems“ unterschätzen sollte. Von der Arbeit der übernommenen Mitarbeiter, über das bestehende IT-System bis hin zu Fragen von Verwaltung und Abrechnung. All das neu aufzubauen ist auch nicht gerade günstig. Der entscheidende Vorteil ist für mich jedoch, dass so ein Kauf deutlich kalkulierbarer ist. Das heißt, man kann anhand der Zahlen seines Vorgängers sehr gut ermitteln, mit welchen Einnahmen und Ausgaben man selbst zu rechnen hat und wann sich das Investment wieder amortisieren wird. Bei einer Neugründung ist die Zukunft weitgehend eine Blackbox und das Risiko entsprechend höher. Immer mehr Therapeuten, die sich selbständig machen möchten, erkennen inzwischen, dass es nicht darum geht, jemanden die alte Behandlungsliege abzukaufen, sondern dass man ein Stück Kalkulierbarkeit und Sicherheit erwirbt.

Das heißt, es ändert sich gerade etwas?
Ja, das ist zu beobachten. Das liegt natürlich auch daran, dass jetzt einfach mehr Praxen zur Übernahme zu Verfügung stehen. Denn in viele Praxen, die in den 80er und 90er Jahren gegründet wurden, sind die Inhaber nun in einem Alter, in dem sie langsam an ein Aufhören denken. Das ist übrigens kein sehr leichter Prozess! Denn für einen Praxisinhaber ist ja der Verkauf seiner Praxis ein sehr wichtiger und emotionaler Vorgang. Da geht es auch um Geld – schließlich ist das ja auch Teil der Altersvorsorge –, aber eben um sehr viel mehr. Denn man hat die Praxis mit viel Arbeit und Herzblut über viele Jahre aufgebaut und man gibt sie nicht einfach so ab, nur, weil man 60 Jahre alt wird. Für viele Praxisinhaber ist es zum Beispiel wichtig, den Übergang zu gestalten und erst einmal kürzer zu treten und vielleicht die Verantwortung abzugeben, bevor man sich dann irgendwann ganz zur Ruhe setzt. Und dann stellt sich natürlich auch die Frage, wie man an einen Käufer kommt – sofern nicht ein Mitarbeiter Interesse hat, die Praxis zu übernehmen, es also zu einer internen Nachfolgeregelung kommen kann.

Ein gemachtes Nest bietet natürlich erhebliche Vorteile. So kann der Nachfolger in den laufenden Betrieb einsteigen und ab dem ersten Tag das machen, was er kann – nämlich behandeln.
Johannes Gönnenwein, Geschäftsführer von www.praxisnachfolge.de

Ist es denn ansonsten so schwierig, einen Käufer zu finden?
Da es die Kultur der Praxisübernahme bei den Heilmittelerbringern wenig gab, fehlte bislang auch ein entsprechendes Angebot – sowohl für Therapeuten, die ihre Praxis verkaufen wollen, als auch für diejenigen, die eine Praxis kaufen wollen. Das Problem: Viele Inhaber scheuen mit Recht davor zurück, einfach eine Anzeige mit der Verkaufsabsicht aufzugeben. Denn man will ja weder die Patienten noch die Mitarbeiter vorzeitig beunruhigen. Die suchen sich dann nämlich ganz schnell eine neue Praxis, bevor man selbst einen Käufer gefunden hat. Das ist der Grund, warum unser neues Portal praxisnachfolge.de teilanonymisiert ist. Das heißt, bevor der Kaufinteressent die genaue Adresse bekommt, muss er erst einmal eine Verschwiegenheitserklärung ausfüllen.

Und ein Teil des Verkaufspreises geht dann an Sie als Portalbetreiber?
Nein, wir makeln grundsätzlich nicht. Was wir anbieten, ist den Prozess der Praxisübergabe beratend zu begleiten. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Modelle. Wir bieten zum Beispiel – und das wäre in anderen Branchen wahrscheinlich undenkbar – so etwas wie eine Verkaufsmediation an. Dabei beraten wir nicht eine Partei, sondern Verkäufer und Käufer gemeinsam. Da setzt man sich dann also zusammen und überlegt quasi am runden Tisch, was ein fairer Preis wäre und wie man den Übergang regeln könnte. Das ist aber dann der zweite Schritt. Für unser Portal www.praxisnachfolge.de ist uns vor allem wichtig Käufer und Verkäufer zueinander zu bringen. Denn ein Verkauf ist die Würdigung der zurückliegenden Aufbauleistung und zugleich die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des neuen Inhabers.


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Johannes Gönnenwein 
Manhagener Allee 13 22926 Ahrensburg 
info@praxisnachfolge.de 
04102/ 806 656 -0

www.praxisnachfolge.de


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