Gut auffindbar: Meine Praxis im www

Eine professionell gestaltete Website, die bei der Google-Suche weit oben steht, bringt mehr als Zugriffszahlen. Warum digitales Marketing auf die Reputation einer Praxis einzahlt.

Die Praxis-Website besitzt heute den Status des früheren Telefonbucheintrags. Dort finden Patienten klassische Informationen wie Anschrift und Telefonnummer der Praxis, Öffnungszeiten, Namen und Fotos des Teams. Die Website ist aber auch das digitale Aushängeschild und in dem Sinn reputationsund imagebildend. Mit dem richtigen digitalen Marketing finden Patienten, die nach einem speziellen Behandlungsschwerpunkt „googeln“, die eigene Praxis auf den vorderen Rängen der Suchmaschine. Gleiches gilt für Fachkräfte, die nach neuen Herausforderungen suchen. Eine der ersten Informationsquellen über den potentiellen neuen Arbeitgeber ist dessen Website. Aber was zeichnet eine gute Praxiswebsite aus? „Was die meisten Praxen aber leider übersehen, ist, dass es heutzutage nicht nur auf die Inhalte, sondern auch auf die Verpackung ankommt“, erklärt Lehrlogopädin Ann-Kathrin Schäfer. Auf ihrem Blog Logowiwi veröffentlicht sie regelmäßig wirtschaftliches Basiswissen für logopädische Praxen. Mindestens ebenso wichtig wie die grundlegenden Informationen seien eine übersichtliche Startseite mit einer intuitiven Menüführung und eine ansprechende Optik mit authentischen, professionellen Bildern, so die Expertin. Damit sei schon einmal ein wichtiger Schritt in Richtung erfolgreiches Digitalmarketing getan.

Allerdings folgt gleich der nächste. Denn eine Website einer therapeutischen Praxis kann noch so großartig sein – wenn sie von den Internetnutzern nicht gefunden wird, verfehlt sie ihr Ziel. Die Lösung lautet SEO, „search engine optimization“. Unter einer solchen Suchmaschinenoptimierung fasst man Maßnahmen zusammen, die die Website in der Rangliste der unbezahlten Suchergebnisse von Suchmaschinen weiter oben platzieren. Auch wenn sich Google und Co. diesbezüglich nicht in die Karten schauen lassen, sind einige Kniffe bekannt, um bessere Platzierungen zu erreichen. Neben Nutzerfreundlichkeit, wozu ein griffiger Domainname, möglichst schnelle Ladezeiten oder auch eine optimierte Darstellung für mobile Geräte zählen, lässt sich die Aufmerksamkeit der Suchmaschinen vor allem durch Inhalt auf sich lenken. „Letztlich will Google guten Content“, bringt es Michaela Albrecht auf den Punkt. Mit ihrer Agentur Wörterfall bietet die Juristin kreatives Web- und Printdesign, auch für Heilberufe. Guter Inhalt bedeutet, dass der Text auf der Website eine möglichst umfassende Antwort auf Suchbegriffe gibt.

SEO-Basiswissen

Die erste Überlegung beim SEO ist also: Wonach würden die Leute suchen, um meine Praxis zu finden? Also die Patienten mit Beschwerden, auf die sich die Praxis spezialisiert hat, oder potenzielle Mitarbeiter, die in Zeiten des Fachkräftemangels in vielen Therapeutenpraxen dringend gesucht werden. Bloggerin Ann-Kathrin Schäfer ermutigt andere Praxisbetreiber auch dazu, sich zu vernetzen: „Als Praxisinhaber sollte man versuchen, Backlinks (Anm. d. Red.: Rückverlinkungen) zu erhalten. Eine Logopädiepraxis beispielsweise kann eine Kinderarztpraxis oder auch den Betreiber eines Elternblogs dazu bewegen, mit einem Link auf sich zu verweisen. Das führt dazu, dass man in den Suchergebnissen weiter nach oben rutscht. Aus demselben Grund sollte man übrigens auch soziale Netzwerke nutzen.“ Nicht zuletzt, weil sich die jüngere Generation zunehmend über Facebook, Instagram oder Twitter informiert. Posten um des Postens willen sei aber der falsche Weg, meint Lars Hermes, Geschäftsführer der logopädischen Praxen Theralingua: „Wenn Sie spannende Inhalte haben, posten Sie diese auf jeden Fall. Haben Sie keine spannenden oder einzigartigen Inhalte, dann lassen Sie es lieber sein!“

Man muss keine Zehntausende von Euros investieren, um professionelles Suchmaschinenmarketing zu betreiben.
Ann-Kathrin Schäfer, Logopädin und Bloggerin
Auf Nummer sicher

Für technisch weniger affine Praxisinhaber kann es sinnvoll sein, zum Start eines Online- Auftritts einen SEO-Profi zu engagieren. Im Betrieb der Website lassen sich bereits bestehende Seiten relativ einfach aktualisieren. Auch Ute Merz vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V. empfiehlt, sich selbst zumindest einmal grundlegend mit den technischen Hintergründen von Websites auseinanauseinanderzusetzen: „Viele Praxisinhaber wissen nämlich nicht, dass moderne Redaktionssysteme wie WordPress viel Arbeit abnehmen und ziemlich selbsterklärend sind.“ Logowiwi-Bloggerin Ann-Kathrin Schäfer sieht das ähnlich: „Vieles kann man sich anlesen. Man muss keine Zehntausende von Euros investieren, um professionelles Suchmaschinenmarketing zu betreiben.“ Übrigens gilt das auch für das Erstellen der Website, so der Theralingua-Geschäftsführer Lars Hermes: „Mit WordPress eine Website zu gestalten ist kein Hexenwerk.“

In jedem Fall sollten Seitenbetreiber die rechtlichen Vorschriften einhalten, um keine Abmahnung zu riskieren. Neben dem Beachten von Bildrechten, einem korrekt formulierten Impressum und einer entsprechenden Datenschutzerklärung müssen Therapeuten das Heilmittelwerbegesetz im Blick haben. Denn nicht alle Werbeaussagen, die aus SEO-Gründen vielleicht sinnvoll wären, sind auch erlaubt – etwa irreführende Versprechungen über die Wirksamkeit einer Therapie. Zudem verbietet das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb das Werben mit Verunsicherung. Die Grenzen dessen, was erlaubt ist und was nicht, sind für Laien nicht immer auf Anhieb zu erkennen. Michaela Albrecht wie Verbandssprecherin Ute Merz raten daher: „Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte die Abmahnsicherheit der Inhalte von einem Rechtsanwalt überprüfen lassen.“

Sechs Tipps für erfolgreiches digitales Praxismarketing.

1. Die Suchmaschinenoptimierung (SEO) nicht übertreiben

Lesbarkeit geht vor. Eine Überfüllung mit Keywords bestrafen Suchmaschinen mit einer schlechteren Platzierung. 

2. Auf einzigartige Inhalte achten

Kopieren von Inhalten anderer Online-Auftritte führt dazu, dass Suchmaschinen die Website schlechter listen.

3. Rechtssprechung zu Facebook im Auge behalten

Noch herrscht Rechtsunsicherheit in Sachen Datenschutz bei Facebook-Fanpages. Eine eigene Datenschutzerklärung auf dem Profil kann Ärger ersparen.

4. Rechtliche Neuerungen kontinuierlich überprüfen

Ein regelmäßiger Rechts-Check vom Anwalt schafft Sicherheit vor Abmahnungen, denn die Rechtslage im Online-Recht verändert sich permanent.

5. Bei Abmahnung einen Profi ins Boot holen

Im Fall einer Abmahnung wenden Sie sich möglichst umgehend an einen Rechtsanwalt oder Ihren Berufsverband, die Ihnen weiterhelfen können.

6. Versichern Sie sich für den Fall der Fälle

Lassen Sie Schadensfälle durch und auf Ihrer Website in Ihre Rechtsschutzversicherung aufnehmen.


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