Gut besucht und - gut geführt

Auch wenn sich Therapeuten weniger über leere Wartezimmer beklagen, heißt das noch nicht, dass ihre Praxis floriert. Eine professionelle Beratung zur Praxisführung kann regelrecht goldwert sein und wird sogar gefördert.

Wenn Isabelle Stephan-Meyer vor rund zehn Jahren auf einer Tagung nicht auf Uwe Schiessel gestoßen wäre, hätte sie heute vermutlich keine eigene Praxis mehr. „Er hat mir regelrecht die Augen geöffnet, was man betriebswirtschaftlich alles verändern kann“, berichtet die Logopädin aus Neuwied von ihrer Begegnung mit dem Unternehmensberater aus dem Schwarzwald. Dabei habe ihre Logopädiepraxis auch schon damals einigermaßen floriert. Trotzdem sei am Ende des Monats viel zu wenig im eigenen Geldbeutel hängengeblieben, so dass sich die Selbstständigkeit mit all der Verantwortung und dem Risiko unter dem Strich kaum gelohnt habe.
Wahrscheinlich hätte Stephan-Meyer trotzdem davor zurückgeschreckt, sich von einem Unternehmensberater helfen zu lassen. Schließlich wollte sie ja Geld einsparen und nicht zusätzliches ausgeben. Doch dann erwähnte Schiessel, dass Bund und EU die Beratung bezuschussen würden, so dass sich jeder seine Hilfe leisten könne. Damit wurde das Angebot für die Therapeutin dann doch interessant.

Wenn man es richtig anstellt, geht der Förderantrag auf Beratung eigentlich immer durch.
Uwe Schiessel, Unternehmensberater

Das Programm trägt den Namen „Förderung unternehmerischen Know-hows“, und für dessen Umsetzung ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zuständig. Ursprünglich nur für den Einzelhandel entwickelt, soll es jetzt kleinen und mittleren Unternehmen eine Beratung ermöglichen. Ärzte und Psychotherapeuten sind hinsichtlich dieser umsatzsteigernden Beratungen von der Förderung ausgeschlossen, Praxisinhaber nichtmedizinischer Heilberufe dürfen sie jedoch seit einigen Jahren in Anspruch nehmen. „Wir fördern fast alles, was der Leistungssteigerung der Praxis dient“, erläutert die zuständige Sachgebietsleiterin Kristina Fröhlich. Das umfasst alle Beratungen in wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung.

Die Bezuschussung ist regional unterschiedlich. 80 Prozent der Beratungskosten werden etwa in den neuen Bundesländern mit Ausnahme der Stadt Leipzig gefördert. Alle anderen Bundesländer inklusive Leipzig übernehmen die Hälfte der Kosten. Eine weitere Ausnahme ist die Region Lüneburg, in der 60 Prozent übernommen werden. Abhängig davon, ob man ein junges Unternehmen ist oder ab dem dritten Jahr nach Gründung als Bestandsunternehmen gilt, bekommt man einen Zuschuss von 1500 Euro bis 3200 Euro. Einen Sonderfall bilden „Unternehmen in Schwierigkeiten“. Diese bekommen unabhängig vom Standort 90 Prozent der Kosten erstattet, bis zu einer maximalen Förderung in Höhe von 2700 Euro.
Die Förderung kann unter bestimmten Voraussetzungen sogar ein zweites Mal in Anspruch genommen werden. Dann muss es sich jedoch um eine „spezielle Beratung“ handeln. Von ihr profitieren insbesondere Praxisinhaber mit Migrationshintergrund oder Behinderung. Alle anderen können sich diese zweite Beratung nur bei bestimmten Themen bezuschussen lassen, wenn sie zum Beispiel der Fachkräftegewinnung und -sicherung oder der altersgerechten Gestaltung der Arbeit dient.

Berater müssen beim BAFA registriert sein

„Wenn man es richtig anstellt, geht der Förderantrag auf Beratung eigentlich immer durch“, sagt Unternehmensberater Schiessel. Das bestätigt auch Kristina Fröhlich vom BAFA: „Die Ablehnungsquote liegt bei unter zehn Prozent.“ Dennoch ist es sinnvoll, sich auf der Website des Amtes (www.bafa.de/unb) mit den Förderbedingungen auseinanderzusetzen, bevor man eine Beratung beauftragt. So wird zum Beispiel nur die Arbeit von Beratern gefördert, die beim BAFA registriert sind. Der Antrag muss zudem gestellt werden, bevor die Beratung beginnt. „Meistens kennen sich aber die Berater selbst ziemlich gut aus und helfen bei der Antragstellung“, weiß Kristina Fröhlich.

So war es auch im Fall von Isabelle Stephan-Meyer. Bereits zweimal hat sie ihre Beratungen inzwischen fördern lassen, alles organisiert und weitgehend abgewickelt durch Uwe Schiessel. Aus ihren damals zwei Mitarbeitern ist inzwischen ein achtköpfiges Team geworden. Dank einer optimierten Organisation und betriebswirtschaftlicher Nachhilfe hat sie nun das gute Gefühl, dass sich eine eigene Praxis tatsächlich wieder rentiert. Auf die Unterstützung durch Berater Schiessel will sie indes nicht mehr verzichten, selbst wenn sie dafür nun keine Zuschüsse mehr bekommen kann. Aber: „Das kann ich mir nun ja auch leisten.“


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