Guter Schutz für alle Fälle

Sie werden selten gebraucht, dann aber richtig – die Versicherungen. Fehler bei Auswahl und Abschluss lassen sich durch gute Recherche vermeiden.

Was tun, wenn ein Wasserrohrbruch die Praxis unbenutzbar macht? Wie vorgehen, wenn die Praxisinhaberin selbst im Krankenhaus liegt? Wer hilft, wenn ein „Kunstfehler“ passiert ist? „Das zahlt die Versicherung“, denken viele. Doch welche Police ist in welchem Notfall zuständig?
Für die Existenzgründer unter den Praxisinhabern ist eines wichtig: Es gibt eine Versicherung, ohne die gar nichts geht: die Berufshaftpflichtversicherung. Ihr Abschluss ist Voraussetzung für die Berufszulassung, und wer vom Start weg mit Angestellten loslegt, kann diese gleich mitversichern. Doch wozu dient die Berufshaftpflicht? Wenn Patienten Schadensersatz fordern, etwa wegen eines Behandlungsfehlers, greift diese Versicherung und übernimmt Schmerzensgelder und Behandlungskosten für den Geschädigten. Eingeschlossen sollten auch Sach- und Vermögensschäden sein. In den meisten Fällen gibt es spezielle Versicherungsangebote für medizinische Berufe.

Weitere Pflichtversicherungen

Weitere Versicherungen sind ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben. Dazu zählen die Krankenversicherung, die Pflegeversicherung und die Rentenversicherung. Liegt eine Befreiung von der Rentenversicherung vor, ist die private Vorsorge besonders wichtig, um Altersarmut zu vermeiden. Bei der Krankenversicherung kann zwischen gesetzlicher und privater Absicherung gewählt werden. Doch wer einmal privat versichert ist, hat es schwer, später wieder in die GKV einzutreten. Und die Beiträge der privaten Versicherer, die beim Einstieg günstig erscheinen mögen, werden laufend angepasst. Hier muss individuell verglichen werden, was im Einzelfall anzuraten ist.
Doch damit nicht genug. Praxisinhaber sollten weitere Versicherungen abschließen, um im Notfall nicht ohne Schutz dazustehen. An erster Stelle ist hier die Berufsunfähigkeitsversicherung zu nennen. Sie springt ein, wenn der Versicherte aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann. Aber was passiert bei einer Krankheit, die nicht direkt zur Berufsunfähigkeit führt, aber so lange dauert, dass der Versicherte Einnahmeausfälle hat? Ein Praxisinhaber mit Angestellten kann den Betrieb weiterlaufen lassen.

Krankentagegeld für Soloselbstständige

Doch was macht ein Soloselbstständiger, der mehrere Wochen oder Monate nicht arbeiten kann, die Kosten für die Praxis aber weiterlaufen? Zur Absicherung des Erkrankten dient die Krankentagegeldversicherung. Diese können gesetzlich Versicherte zusätzlich abschließen, entweder bei der eigenen Krankenkasse oder auch einem anderen Anbieter. Für Freiberufler gibt es eigene Angebote. Die Krankentagegeldversicherung zahlt nach einer bestimmten Zeitspanne – die eigens festgelegt wird – eine gewisse Summe pro Krankheitstag.
Eine Absicherung früh einsetzen zu lassen, ist teuer und weniger sinnvoll, denn ein paar Ausfalltage wegen einer Erkältung sollte jeder Selbstständige aus eigenen Mitteln überbrücken können. Doch wenn diese nach einigen Wochen Ausfall aufgebraucht sind, ist die Krankentagegeldversicherung wichtig. Diese trägt jedoch nicht die laufenden Kosten einer Praxis wie Miete und Nebenkosten, sondern dient nur dem Ausgleich des Einkommensverlustes.

Gehört zur Kür: Praxisausfallversicherung

Im Unterschied dazu würde eine Praxisausfallversicherung die Kosten der Praxis absichern. Dies ist insbesondere für Soloselbstständige zu empfehlen, denn wenn hier der „Chef“ und einzige Mitarbeiter ausfällt, gibt es überhaupt keine Einnahmen. In Praxen mit Angestellten kann der Betrieb weiterlaufen, auch wenn der Inhaber erkrankt. Daher ist die Praxisausfallversicherung hier nachrangig. Eine gute Praxisausfallversicherung schließt in Form einer Betriebsunterbrechungsversicherung Elementarschäden ein, etwa Feuer, Wasserschäden, Vandalismus oder Einbruch.
Von der Krankentagegeldversicherung zu unterscheiden sind Krankenhauszusatzversicherungen, die lediglich für Leistungen im Krankenhaus gelten, also etwa die Zusatzkosten für ein Einbettzimmer oder eine Chefarztbehandlung abdecken.
Aus Meinungsverschiedenheiten können kostspielige Rechtsstreitigkeiten werden. Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, darf sich im Falle einer Abmahnung oder Anklage entspannt zurücklehnen. Doch Achtung: Wenn es um Mietrecht geht, Ärger mit den Angestellten, dem Finanzamt oder Privatpatienten, wird das von einer normalen Rechtsschutzversicherung nicht abgedeckt. Hier hilft ein Praxisvertragsrechtsschutz.

Fazit: Versicherungsstatus immer wieder prüfen

Wer eine Praxis gründet oder übernimmt, sollte zunächst einmal ein paar Monate beobachten, wie sich die Selbstständigkeit entwickelt. Erst wenn ein gewisser Überblick besteht über die Einnahmen und Ausgaben, sollte man entscheiden, welche Versicherung in welchem Umfang notwendig und bezahlbar ist.
Es lohnt sich auch, alle paar Jahre die bestehenden Versicherungen zu durchforsten. Sind die Deckungssummen den aktuellen Preisen noch angemessen? Bieten andere Versicherungen günstigere Konditionen? Wer kündigen möchte, schaut im Vertrag nach der Kündigungsfrist. Wenn dort steht „drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahrs“, dann entspricht dieses nicht immer dem Kalenderjahr. Ein Versicherungsjahr kann auch mit Abschluss der Versicherung beginnen.
Vor einer Kündigung lohnt sich oft der Anruf beim bisherigen Versicherer. Vielleicht bietet dieser günstigere Konditionen an, wenn er von der Kündigungsabsicht erfährt. Die Übersicht über Versicherungen zu behalten, ist nicht so einfach. Eine Beratung durch einen unabhängigen Versicherungsmakler ist hilfreich.


 

„Geiz ist nicht geil“

Markus Sobau von MEDIsecur, ein auf Heilmittelpraxen spezialisierter Versicherungsmakler, beantwortet im Interview die Frage, welche Versicherungen für Heilmittelerbringer richtig und wichtig sind.

Das ganze Interview mit Ihm lesen Sie hier.


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