„Irgendwann ist jeder Akku leer“

Praxisinhaber sollten bei sich, aber auch bei ihren Mitarbeitern auf Erholungszeiten achten – sagt Dr. German Quernheim, Pflegewissenschaftler und Burn-out-Coach.

Gerade Praxisinhaber arbeiten zwar oft sehr viel, machen das aber auch gerne und mit Freude. Kann trotzdem ein Burn-out drohen?
Das ist wie bei der alleinerziehenden Mutter, die eine enorme Leistung bringt, ohne darunter zusammenzubrechen. Denn sie weiß, für wen sie das macht – für ihre Kinder – und zieht daraus Sinn und Glück. Praxisinhaber arbeiten für ihren Betrieb, ihre Mitarbeiter und ihre Patienten und wachsen mit diesem Antrieb manchmal ebenso über sich hinaus. Allerdings geht das nur für eine bestimmte Zeit. Irgendwann ist jeder Akku leer.

Und dann muss man ihn wieder aufladen?
Genau. Aber das Problem ist, dass wir für unsere Lebensenergie keine Akkuanzeige haben wie bei einem Handy. Und ein Handy schaltet sich zudem auch einfach ab, bevor es tiefenentladen ist. Diese Funktionen hat der Mensch leider nicht, er muss selbst darauf achten, nicht „auszubrennen“. Für einen Praxisinhaber bedeutet das, dass er zwar ruhig mal kurzzeitig Gas geben kann, in der Aufbauzeit zum Beispiel oder wenn einmal ein Mitarbeiter ausfällt. Aber irgendwann sollte er seine Praxis so organisiert haben, dass er genügend Auszeiten hat, in denen er sich erholen kann und wieder zu einer gesunden Work-Life-Balance zurückfindet.

Angestellte Therapeuten sollten darauf wahrscheinlich genauso achten?
Ja, aber nicht nur die. Auch die Praxisinhaber stehen hier in der Pflicht, ihre Mitarbeiter im Blick zu haben und vielleicht auch vor sich selbst zu schützen. Und das nicht nur aus Menschenliebe! Denn was nutzt mir ein Mitarbeiter, der immer 120 Prozent gibt, aber irgendwann für mehrere Monate ausfällt oder gar den Beruf wechselt – was Studien zufolge etwa ein Drittel der Burn-out-Patienten macht. Dann doch lieber ein Mitarbeiter, der nur 100 oder vielleicht auch nur 90 Prozent gibt, mir dafür aber langfristig erhalten bleibt.

Was empfehlen Sie, um ein Burn-out frühzeitig abzuwenden?
Das Wichtigste ist, dass man auf seinen Körper hört und psychosomatische Symptome ernst nimmt. Wenn im Cockpit eines Flugzeugs eine Warnleuchte angeht, muss der Pilot schließlich auch darauf reagieren und nicht nur die Leuchte ausmachen. Genauso darf jemand körperliche Warnleuchten nicht nur symptomatisch mit Medikamenten bekämpfen, sondern muss die dahinterliegenden Ursachen angehen.


Mehr zum Thema Burn-out im Praxisalltag lesen Sie hier.


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