"Jeder hat seine eigene Kultur"

Die Ergotherapeutin Angelika Roschka arbeitet als Coach für interkulturelle Kompetenzen. Ein Universalrezept für den Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen gibt es für sie nicht.

Wie verhalte ich mich bei einem Patienten mit Migrationshintergrund kultursensibel?
Es geht zumindest nicht darum, den einen Menschen sensibler zu behandeln als den anderen. Kultursensibilität umfasst alle Menschen, denn jeder hat seine eigene Kultur. Das hat auch nicht ausschließlich mit Ländergrenzen zu tun. Kulturunterschiede gibt es zum Beispiel auch zwischen Ost- und Westdeutschland oder zwischen dem Land und der Stadt.

Aber es können eben auch Probleme entstehen aufgrund der Unterschiedlichkeit von Kulturen. Wie sollte man damit umgehen?
Anstatt den Begriff Probleme zu nutzen, der im wahrsten Wortsinne problemorientiert ist, spreche ich lieber von Herausforderungen. Zum Beispiel beim unterschiedlichen Umgang mit Zeit und Terminen. Aber dann gilt es eben, Wege zu finden, eigene Perspektiven und Bedarfe transparent zu machen und für sich auszuloten, wo Flexibilität und Spielraum existieren und wo definitiv die Grenze besteht, die man auch freundlich kommunizieren sollte. Hilfreich ist es manchmal, durchs Gespräch in Erfahrung zu bringen, wie diese Personen im eigenen Kulturkreis agieren.

Apropos Gespräche: Fehlende Deutschkenntnisse beim Gegenüber sind vermutlich auch ein häufiges Problem in der Praxis.
Aber auch das muss nicht zum Problem werden. Grundlegend ist immer das Wissen darum, dass Sprache verstanden wird und nicht Verständnisschwierigkeiten Missverständnisse verursachen. Dann gilt es im Idealfall, Dolmetscherdienste in Anspruch zu nehmen oder Begleitpersonen zur Übersetzung hinzuzuziehen. Auch kann das Arbeiten mit Bildmaterial oder Bilderwörterbüchern in manchen Situationen hilfreich sein.

Was würden Sie Therapeuten raten, wie sie mit dem Thema interkulturelle Kompetenz in der Praxis umgehen sollen?
Es gibt da leider kein universelles Rezept, das ich hier anbieten könnte. Das macht es auch so schwierig, das Thema überhaupt proaktiv anzugehen. Mein Vorgehen ist da eher, sich als ersten Schritt allgemein mit diesen Phänomenen auseinanderzusetzen und sich dabei eigener kultureller Wurzeln, Einstellungen und Werte – und damit verbundener Vorurteile – bewusst zu werden. Und dann sollte man versuchen, aus einer bewusst reflexiven Perspektive heraus kultursensible Entscheidungen im therapeutischen Prozess zu treffen.


Mehr zum Thema interkulturelle Kompetenz im Praxisalltag lesen Sie hier.


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