Mit Humor den Praxisalltag meistern

Humor ist ein wichtiges und häufig unterschätztes Kommunikationsinstrument. Richtig und bewusst eingesetzt kann er viel Gutes bewirken. Wir verraten Ihnen einige Tipps und Tricks für Ihren Praxisalltag.

Lachen ist gesund, sagt der Volksmund. Sie kennen das bestimmt: Nach einem Abend mit Freunden – oder jetzt in Corona-Zeiten, vielleicht nach einem (Video-)Telefonat – bei dem viel gelacht wurde, fühlt man sich gut. Außerdem stärkt das die Freundschaftsbande. Humor kann Menschen zusammenschweißen. Das stimmt allerdings nicht immer. Wer kennt nicht das betretene Schweigen nach einem Witz, der nach hinten losgegangen ist? Oder erinnert sich vielleicht daran, in der Schule laut ausgelacht worden zu sein?

Humor ist also ein wichtiges Werkzeug, aber man sollte sich bewusst sein, wie man es einsetzt und was man damit bewirken möchte. In diesem Beitrag schauen wir uns drei Bereiche an, in denen Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden Humor nutzen können: im Umgang mit Patienten, im Praxisteam und für sich selbst.

Zunächst wollen wir uns den unterschiedlichen Arten von Humor widmen. Die Humorwissenschaft spricht von verschiedenen Humorstilen. Dabei wird der Humor wie folgt eingeteilt: Humor kann sich auf uns selbst oder auf andere beziehen. Und er kann auf- oder abwerten. Einen Humor, der andere aufwertet, nennen wir ‚Sozialen Humor‘.

Aus dem Alltag heraus entwickeln

Der Soziale Humor ist ungefährlich. Er geht nicht auf Kosten anderer und tut – platt gesagt – niemandem weh. Im Gegenteil: Sozialer Humor ist wertschätzend und aufwertend. Ganz konkret können Sie dabei etwas aus Ihrer Umgebung nutzen, um Humor aus dem Alltag heraus zu entwickeln:

  • Eine Ergotherapeutin nimmt sich ein Klebeband: "Bei der Ergotherapie ist es wie mit diesem Klebeband. Bei jeder Sitzung bleibt ein wenig kleben (sie reißt ein Stück ab). Ich gebe Ihnen von meinem Wissen ab, Sie nehmen es mit heim und achten darauf, dass es an Ihnen haften bleibt. Stück für Stück meistern Sie so wieder Ihren Alltag."
     
  • Ein Physiotherapeut hält ein Trinkglas: "Bei der Physiotherapie ist es wie mit diesem Glas Wasser. Es kommt auf die Perspektive an, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Zum Glück ist Sprudelwasser im Glas, ich gebe mir Mühe, dass unsere Übungen prickeln und lebendig sind. Gemeinsam passen wir auf, dass das Glas nicht runterfällt und zerbricht, sondern auf sicheren Füßen steht."
     
  • Die Logopädin sagt: "Ihre Stimme ist wie ein Ball. Am Schluss unserer gemeinsamen Arbeit ist es eine runde Sache. Wir müssen den Ball noch etwas besser aufpumpen, damit man gut mit ihm spielen kann. Unsere Übungen sind die Luftpumpe. Zuviel auf einmal bringt nichts, dann ist der Ball zu prall oder platzt. Deswegen braucht es auch keinen Übereifer. Wir versuchen, die Fallstricke im Alltag zu finden, quasi die Nägel und Scherben, die herumliegen, und diese zu umgehen. Sodass Ihre Stimme 'heil' bleibt."
Halte dir jeden Tag dreißig Minuten für deine Sorgen frei, und in dieser Zeit mache ein Nickerchen.
Abraham Lincoln
Übertriebene Komplimente fürs Team

Wenn Sie im Team sozialen Humor nutzen wollen, dann sind übertriebene Komplimente eine gute Möglichkeit:

    "Wenn du morgens reinkommst, geht die Sonne auf!"

    "Danke, dass Sie sich vorhin der schlecht gelaunten Mutter angenommen haben. Bewundernswert, wie Sie
     das gemacht haben. Der Dalai Lama wäre nicht entspannter gewesen!"

Wichtig hierbei: Sie müssen es ehrlich meinen. Das kommt in Ihrem Tonfall und Ihrer Körperhaltung zum Ausdruck. Sonst fühlt sich Ihr Gegenüber möglicherweise veralbert.

Im Team kann man auch für gute Stimmung sorgen, indem man ein Humortagebuch führt. Natürlich gibt es nicht immer was zu lachen. Aber oft genug eben schon. Notieren Sie lustige Vorfälle, Situationskomik und schlagfertige Antworten aus dem Praxisalltag in einem Humortagebuch, das alle im Team nutzen und lesen können. Wenn man darin blättert, erinnert man sich an lustige Begebenheit und kann seine Humor-Akkus damit neu laden.

Auch im Umgang mit Patienten kann man die oben angesprochenen humorvollen Komplimente nutzen:

    "Wenn alle so gut mitmachen würden wie Sie, wäre mein Job ein Kinderspiel!"

    "Für Sie muss ich mir neue Zungenbrecher einfallen lassen – bei Ihrer Lerngeschwindigkeit."

    "Jetzt muss ich aber aufpassen, bald ziehen sie mich beim Halma-Spielen über den Tisch…"

Humorvoll übertriebene Komplimente bessern sofort die Stimmung auf. Denken Sie daran: Das funktioniert nur, wenn Sie es ehrlich meinen.

Bei Konflikten humorvoll spiegeln

Natürlich gibt es im Umgang mit Patienten und Patienteneltern auch immer mal wieder Konflikte. Für brenzlige Situationen kann man die Technik des humorvollen Spiegelns nutzen. Spiegeln ist eine Kommunikationstechnik des Psychotherapeuten Carl Rogers. Dabei wiederholt man in eigenen Worten, was der andere gesagt hat (oder vermutlich denkt oder fühlt):

 

    Mutter eines Patienten: "Jetzt sitze ich hier schon 30 Minuten und warte! Mit einem Kleinkind ist das eine
    Zumutung!"
    Sie spiegeln: "Sie sind sauer, weil wir Sie und Ihr Kind so lange haben warten lassen."

Eine Spiegelung allein ist schon wirksam, weil man dem Gegenüber signalisiert, dass man versteht, was er oder sie fühlt.

Wir empfehlen dann noch, bei der Spiegelung zu übertreiben und sie humorvoll zu überspitzen, etwa:

    Beim Waschen mit einer Patientin, die sich beschwert, dass das Wasser viel zu warm ist, weil sie sich gern kalt
    wäscht, sagt der Ergotherapeut: "Ich seh' schon, Frau Schmidt, beim nächsten Mal bring ich ein paar Eiswürfel
    für Sie mit."

Auch hier sind wieder der Tonfall und die Körpersprache wichtig. Sie müssen signalisieren: Ich bin Ihnen wohlgesonnen, ich schätze Sie. Hier einige weitere Beispiele:

    Patient: "Das geht mir alles zu langsam! Mein Rücken tut immer noch weh!"
    Physiotherapeut: "Sie haben das Gefühl, das ist eine Sisyphusarbeit? … Ich verspreche Ihnen: Sie werden mit
    einem starken Rücken belohnt."
______

    Patientin: "Diese Übung bringt doch nichts!"
    Ergotherapeutin: "Gut, dass Sie das so sehen. Dann können wir ja nur positiv überrascht werden."
______

    Patient: "Dieser doofe S-Fehler!"
    Logopäde: "Ich verstehe, das nervt Sie grad. Mit meiner Hilfe werden Sie ihn früher los sein, als sie denken."
______

    Patient: "Das ist alles viel zu anstrengend!"
    Physiotherapeut: "Ich könnte Ihnen eine Chaiselongue verschreiben…"

Die Technik des humorvollen Spiegelns sollten Sie zuerst einmal im vertrauten Umfeld anwenden, also zu Hause oder mit guten Freunden, bevor Sie sie in Ihrer Praxis anwenden. Denn dafür braucht es ein bisschen Übung.

Auch nicht einfach: mit sich selbst zurecht kommen

Natürlich haben Sie in Ihrem Arbeitsalltag nicht nur mit Ihrem Praxisteam und mit Patienten und deren Angehörigen zu tun, sondern auch – oder vor allem – mit sich selbst. Das ist nicht immer ganz einfach, das wusste schon Johann Wolfgang von Goethe: „Ein bisschen schwer ist’s, sich mit sich selbst zu vertragen und doch im Grunde das Einzige, worauf’s ankommt."

Wie steht es um Ihren eigenen Humor? Wann kommt er zum Vorschein? Steht er Ihnen immer zur Seite oder verschwindet er gelegentlich und geht in den Keller, um sich dort zu betrinken?
Nehmen Sie sich mal einen Moment Zeit und überlegen, was Ihnen humorvoll gut tut. Welche Comics, Comedians, Internet-Seiten, welche Freunde oder Kolleginnen bringen Sie zum Lachen? Gönnen Sie sich mehr davon! Pflegen Sie Ihren Humor. Denn der Humormuskel muss trainiert werden. Sonst erschlafft er mit der Zeit. Allerdings darf er auch nicht überstrapaziert werden, sonst besteht die Gefahr der Übersäuerung. Auch beim Humor gilt: Die Dosis bestimmt den Erfolg.

Sie erinnern sich an die Humorstile? Selbstabwertender Humor kann gelegentlich ganz nützlich sein, zum Beispiel wenn man auch mal über sich selbst lachen kann – oder wenn wir sogar anderen erlauben, über uns zu lachen. Das kann manchmal befreiend wirken. Aber zu viel selbstabwertender Humor kann auch schaden.
Deswegen empfehlen wir auch hier, den selbstaufwertenden Humor zu trainieren. Das beginnt schon beim morgendlichen Blick in den Spiegel. Entweder Sie sagen: "Ich kenn dich nicht, aber ich wasch dich trotzdem." Oder Sie schmunzeln Ihr Spiegelbild an: "Na, noch etwas verknittert heute Morgen? Dann gibt es ja im Laufe des Tages jede Menge Entfaltungsmöglichkeiten!"

Nehmen Sie Ihren Humor genauer unter die Lupe! Schauen Sie, was er bewirken kann. Und beginnen Sie, ihn bewusst einzusetzen – im Praxisteam, im Umgang mit Patienten und nicht zuletzt mit sich selbst. Wir versprechen: Es lohnt sich!

Tipps & Tricks für die Praxis und für zu Hause

Führen Sie Humortagebuch

Das können Sie in der Praxis oder privat zu Hause erledigen. Schreiben Sie jeden Tag humorvolle Begebenheiten, lustige Kommentare, witzige Reaktionen oder Situationskomik auf. Später können Sie sich daran erfreuen und so Ihre Humor-Akkus wieder aufladen – für Zeiten der Humorknappheit.

Freuen sich über guten Einfälle, auch wenn sie zu spät kamen

Sie kennen das bestimmt: Sie werden unfair angegriffen und Ihnen fällt in diesem Moment partout keine passende Antwort ein. Die kommt Ihnen erst Stunden später in den Sinn. Normalerweise ärgern wir uns dann über diese Verzögerung. Unser Vorschlag: Freuen Sie sich doch! Immerhin ist Ihrem Gehirn etwas eingefallen. Wir nennen das verzögerte Schlagfertigkeit. Machen Sie dazu folgende Übung: Wenn Sie dieses Ärgernis, bei dem Ihnen keine spontane Antwort eingefallen ist, das nächste Mal erzählen, dann erzählen Sie es mit der schlagfertigen Antwort, die Ihnen später eingefallen ist – und zwar so, als wäre sie Ihnen rechtzeitig und ganz spontan eingefallen. Anschließend können Sie schmunzelnd hinzufügen: "Es wäre schön, wenn es so gewesen wäre!" Das ist tausendmal besser, als das Ärgernis immer wieder zu erzählen und sich jedes Mal aufs Neue zu ärgern.

Erzählen nach Feierabend von den schönen Erlebnissen

Wenn Sie abends gefragt werden "Wie war dein Tag?", versuchen Sie einmal ganz bewusst, von etwas Positivem zu erzählen und nicht von den negativen Erfahrungen und Erlebnissen. Mit etwas Übung erinnern Sie sich dann auch leichter an die schönen oder humorvollen Momente eines Tages – und nicht nur an die Ärgernisse.

Wir wünschen Ihnen bei Ihrer Humorarbeit viel Erfolg!
Ihre Katrin Hansmeier und Kareen Seidler


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