Neue Preise - neue Löhne? Eine (faire) Kalkulation

Wie ermittle ich die Löhne meiner Mitarbeiter und wie hoch sollten diese ausfallen? Diese Fragen stellen sich viele Praxisinhaber. Unternehmensberater Mathias Gans erklärt anschaulich, wie Sie Löhne kalkulieren.

Die meisten Praxisinhaber wünschen sich eine überschaubare und einfache Orientierung für die Lohnkalkulation. Dies ist gerade in Zeiten der Personalknappheit verständlich und richtig. Die Höhe des Lohns ist bei der Gewinnung, wie auch beim Halten von Mitarbeitern eine sehr relevante Größe. Auch wenn man aus der Motivationspsychologie weiß, dass Lohn(erhöhungen) immer nur zu einer kurzfristigen Steigerung der Motivation führen, so steht dem doch die Erkenntnis gegenüber, dass ein zu gering empfundener Lohn demotiviert ist. Eine Kündigung droht, bzw. sich der potentielle Mitarbeiter einen anderen Arbeitgeber sucht.

Kleiner Exkurs

Trotz der Wichtigkeit des Themas Lohn(höhe) vergessen Sie bitte nicht, dass noch weitere wichtige Faktoren die Motivation der Mitarbeiter beeinflussen. Beispiele sind: 

  • das Arbeitsklima
  • die Arbeitsplatzausstattung
  • die Arbeitsbelastung
  • die Möglichkeiten zur Mitgestaltung
  • die Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung
  • die Wertschätzung durch den Inhaber
  • die Menge an Urlaubstagen
  • die Unterstützung von Fortbildungen (in Zeit & Geld)
 
    Wie kann nun eine einfache, aber auch wirtschaftliche Lohnkalkulation aussehen?

    Als Orientierung kann hierfür der zu erwartende Jahresumsatz der angestellten Therapeuten genommen werden.

    Von diesem kalkulierten Umsatz gilt es nun zu definieren, wie hoch der Betrag sein soll, den der Mitarbeiter vom erzielten Umsatz als Lohn erhält. Auf der Grundlage der Vergütungserhöhungen in 2019, kann für 2020 mit einer Auszahlung von 45 – 55 Prozent des Jahresumsatzes kalkuliert werden. 
    Die folgende Tabelle zeigt die möglichen Löhne bei den jeweiligen kalkulierten Jahresumsätzen:
     

    Jahresumsatz (Vollzeitstelle 40h)95.000,00 €85.000,00 €75.000,00 €
    Monatsgehalt bei 45%2.920,08 €2.612,70 €2.305,33 €
    Monatsgehalt bei 50%3.244,54 €2.903,01 €2.561,48 €
    Monatsgehalt bei 55%3.568,99 €3.193,31 €2.817,62 €

    (Dargestellt ist hier das monatliche Arbeitnehmerbruttogehalt. Berücksichtig wurden die zusätzliche Lohnnebenkosten des Arbeitgebers in Höhe von ca. 22 Prozent)

     


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    Der in der Tabelle angenommene Jahresumsatz von 75.000 - 95.000 Euro entspricht einer realistischen Umsatzerwartung. Was nicht bedeutet, dass er auch höher sein kann. Sollte er geringer sein, wäre eine betriebswirtschaftliche Analyse sinnvoll, die gegebenenfalls auch Optimierungsoptionen aufzeigt. Grundlage für die Lohnhöhe ist somit der für 2020 erwartete Umsatz. Im Sinne der betriebswirtschaftlichen Vorsicht gilt es, den Umsatz der Vergangenheit (von 2019) zu kontrollieren. Zudem muss der Umsatz in 2020 mindestens quartalsmäßig pro Therapeut*in kontrolliert werden.

    Wichtige Voraussetzung für diese Berechnung: Die Umsatzauswertung muss therapeutenbezogen vorliegen – entweder mit Hilfe eines Praxisverwaltungsprogramms oder des eigenen Abrechnungszentrums. Ist beides nicht möglich, kann der durchschnittliche Jahresumsatz aller Therapeuten ermittelt werden, indem der Jahresumsatz der Praxis durch die Gesamtmenge der durchschnittlichen Vollzeitstellen dividiert wird. Zur Sicherheit sollten Sie sich hierfür fachliche Unterstützung suchen, die nicht sehr umfangreich sein muss.

     
    Was sind nun mögliche Orientierungspunkte für die konkrete Gehaltshöhe innerhalb des vorgeschlagenen Korridors von 44 - 55 Prozent des eigenen Umsatzes?

    Folgende Punkte müssen Sie beachten:

    • Arbeitet die Praxis mit Rezeptionsfachkräften, die viele Verwaltungstätigkeiten (Rezeptkontrolle, -korrektur, Terminierung, Verlegungen) übernehmen? Dies sind für die Praxis zusätzliche Personalkosten und führt aus betriebswirtschaftlicher Sicht dazu, dass der prozentuale Ausschüttungssatz in Richtung 45 Prozent tendiert - gleichzeitig steigt aber auch der Umsatz pro Therapeut*in.
    • Wie hoch ist die Miete? Eine hohe Miete muss berücksichtigt werden und kann dazu führen, dass der prozentuale Ausschüttungssatz in Richtung 45 Prozent tendiert.
    • Die Wettbewerbssituation in Bezug auf den Fachkräftemangel. Dieser führt zu steigenden Löhnen und damit  dazu, dass der prozentuale Ausschüttungssatz in Richtung 55 Prozent tendieren kann.
    • Hat die Praxis hohe "sonstige Kosten"? Unabhängig von der Bewertung, ob diese notwendig sind, oder nicht, muss der Inhaber diese berücksichtigen. Sie führen aus betriebswirtschaftlicher Sicht wieder dazu, dass der prozentuale Ausschüttungssatz in Richtung 45 Prozent tendiert.

     

    Sie haben mit diesem Ansatz die Möglichkeit, mit einer einzigen Kennzahl, dem eigenen Umsatz des Therapeuten, eine sehr gute Orientierung für eine Lohnhöhe zu bekommen. Sie gibt Ihnen eine hohe Sicherheit, dass Ihre Löhne auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht in Ordnung sind.

     


     

    Über den Autor

    Mathias Gans ist Praxisinhaber und Unternehmensberater. Sein Wissen gibt der gelernte Therapeut außerdem in Fachbüchern und in Seminaren weiter. Er ist auch für Sie persönlich erreichbar – entweder per E-Mail an mathias.gansgansplan.de oder telefonisch unter 0176 24138671.

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    Ansgar Winkelmann, Geschäftsführer des Ergotherapeutischen Fortbildungszentrums (EFZ) in Bergen

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