Planungssicherheit in der Krise – Drei Tipps für Therapeuten

Von den Auswirkungen der Corona-Pandemie waren und sind auch die Therapiepraxen ernsthaft betroffen. Wie geht man mit einer solchen unerwarteten Krise um, ohne daran zu verzweifeln? Barbara Freitag-Herse erklärt wie.

Seit dem Auftreten der Corona-Krise und den damit einhergehenden Maßnahmen, Vorschriften und Empfehlungen steht unser Leben als Therapeuten und erst recht als Chefs vollkommen auf dem Kopf. Wir wissen nicht, welche Änderungen es in 14 Tagen geben wird. Schulen offen, Schulen geschlossen? Gruppen ja, Gruppen nein? Pflegeheime? Wenn ja, wie?

Es ist unfassbar anstrengend, zermürbend und auch beängstigend, so wenig Planungssicherheit zu haben wie im Augenblick. Auf was können wir also zurückgreifen? Welche Führungskompetenzen sind genau jetzt wichtig und erforderlich?

Wir sind in der großartigen Situation, dass wir uns auf das besinnen können, was wir Therapeuten gelernt haben: Unterstützung in Krisen und kreative Lösungen finden. So dürfen wir uns gerade jetzt einmal sehr liebevoll selbst als Klienten annehmen und uns in den Fokus nehmen. Tun wir das nicht, kann es schnell geschehen, dass wir hin- und hergeworfen werden zwischen wissenschaftlich widersprüchlichen Aussagen und dem politischen Newsticker, ähnlich einer Nussschale auf hoher See.

Stellen Sie sich nun einen „Captain Therapist“ vor, der diese Krise bravourös meistert und auch noch das Optimale an Erfahrungen aus dieser Situation herausholt. Dabei geht er nach folgenden Schritten vor:

1. Bestandsaufnahme

  • Wie ist der aktuelle Status quo? (Finanzencheck; Rücklagen; Fördermittel)
  • Welche Therapien sind durchführbar und wie?
  • Was kann weiterlaufen?
  • Was geht nicht?
  • Was geht stattdessen?
  • In welchem Bereich kann ich Flexibilität aufbauen oder erweitern? 

2. Analyse

  • Welche „Lecks“ hat das „Schiff“? 
  • Sind diese Lecks kurzfristig überbrückbar oder laden wir uns mit dem Aufrechterhalten von bestimmten Kostenpunkten eine ganze Ladung Holzwürmer an Bord, die nicht lange brauchen, um die ganze Seereise zunichte zu machen?
  • Können wir mit bestimmten Bereichen pausieren? Also können die Mitarbeiter, die in den Heimen therapiert haben, nun recht kurzfristig andere Bereiche erweitern?

3. Entscheidungen treffen und umsetzen

So vage unser Weitblick gerade ist: Wir stehen in der Verantwortung für unser  Unternehmen. Leider müssen da auch hin und wieder Entscheidungen getroffen werden, zu denen gerade wir empathischen Therapeutenwesen oft keinerlei Muße haben: rein faktische Vernunftentscheidungen, die unangenehm sind und die wir am liebsten vermeiden würden. Unter Umständen kann es sein, dass wir nach der genauen Analyse feststellen, dass ein bestimmter Bereich, und sei er uns auch noch so lieb und teuer, eben nur noch das ist: teuer! Wie lange Sie sich persönlich dies dann erlauben können und wollen, müssen Sie mit den Beratern Ihres Vertrauens besprechen. Um die Entscheidung kommen Sie schlussendlich nicht herum.

Und wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, müssen Sie sie nur noch in die Tat umsetzen.
Außerdem hilft es, auf eine Situation, ein Ereignis, eine Krise oder auch den Alltag noch mal von einer anderen Seite zu schauen. Was haben Sie Tolles, Berührendes erlebt, welche cleveren Entscheidungen haben Sie getroffen, was hat sich wunderbar ergeben und entwickelt? Fragen Sie sich: Wofür war diese ganze Sache eigentlich gut? Was habe ich daraus gelernt? Was habe ich gewonnen? Was will ich beibehalten? Und teilen Sie diese Geschichten mit Ihren Mitarbeitern und Kollegen!

In einer Krise zu stecken, ist schon schlimm genug, aber damit auch noch gefühlt allein in der Verantwortung zu sein, ist grauenhaft. Stärken wir Therapeuten uns also gegenseitig, auch wenn viele Kilometer und auch Heilmittelbranchen zwischen uns liegen. Durch diesen Sturm mit all seinen Nachwehen kommen wir nur gemeinsam!

Sie wollen mehr zu dem Thema erfahren? Dann lesen Sie auf der Seite von Thieme weiter:

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