Praxisgemeinschaft – das spricht dafür und das dagegen

Die Vor- und Nachteile einer Gemeinschaftspraxis hat Rechtsanwalt Dr. Dr. Thomas Ruppel bereits in einem vorherigen Gastbeitrag zusammengefasst. In diesem Beitrag geht es um die Praxisgemeinschaft.

Anders, als die bereits besprochene Gemeinschaftspraxis, ist die Zusammenarbeit in der Praxisgemeinschaft nicht ganz so eng. Bei der Gemeinschaftspraxis sind die zusammen genutzten Ressourcen wie Räume und Mitarbeiter vergesellschaftet, zugleich jedoch auch die Berufsausübung. Diese erfolgt rechtlich gemeinsam, d. h. die Praxis tritt nach außen als Einheit auf, die Behandlungsverträge werden mit der Gemeinschaftspraxis geschlossen (und nicht etwa mit den einzelnen Therapeuten) und auch die Abrechnung erfolgt gemeinsam durch die Gemeinschaftspraxis – dass die Patienten nicht jeweils zu zweit behandelt werden, ändert daran nichts.

Auch bei der Praxisgemeinschaft werden Ressourcen gemeinsam genutzt, wie etwa Räume, Mobiliar, Personal oder Internetanschlüsse. Jedoch erfolgt die Berufsausübung – die Behandlung – nicht nur tatsächlich sondern auch rechtlich getrennt. Behandlungsverträge kommen deshalb mit den einzelnen Therapeuten zustande, nicht etwa mit der Praxisgemeinschaft. Auch erfolgt die Abrechnung stets getrennt. Die Praxisgemeinschaft hat daher den großen Vorteil, dass letztlich Geld gespart werden kann, weil man Räume effektiver nutzt, wenn man sich Personal teilt, dieses besser auslastet und Urlaubs- und Krankheitsvertretungen hat.

Jedoch birgt die Praxisgemeinschaft, wie jede Form der Zusammenarbeit, die Gefahr von Streitigkeiten und fordert ein gewisses Maß an gegenseitiger Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft. Diese ist jedoch auf die nur geringeren vergesellschafteten Aspekte beschränkt, etwa auf die Einstellung oder die Entlassung von Mitarbeitern oder die Ausgestaltung der Räume und damit letztlich über die gemeinsam getragene Kostenstruktur. Anders als bei der Gemeinschaftspraxis können keinerlei Streitigkeiten über die Einnahme- und Gewinnverteilung entstehen, können keine Probleme entstehen, wenn ein Therapeut mehr arbeitet als der andere oder man sich über die Behandlungsmethoden nicht einig ist. Denn jeder wirtschaftet hinsichtlich der Einnahmen für sich, jeder erhält nur das, was er selbst erarbeitet.

Bei der Praxisgemeinschaft ist es unbedingt wichtig, dass die Patientenbehandlung getrennt erfolgt. D. h. es darf nur getrennt abgerechnet werden. Auch die Dokumentation muss zwingend getrennt erfolgen. Der Praxispartner darf in keinem Fall Zugang zur eigenen Dokumentation haben, insbesondere ist auch eine elektronische Dokumentation zwingend in getrennten Datenbanken anzulegen. Da die Behandlungsverträge jeweils mit dem einzelnen Therapeuten und nicht mit der Praxisgemeinschaft zustande kommen, besteht die therapeutische Schweigepflicht, die strafrechtlich und auch datenschutzrechtlich geschützt ist, auch gegenüber dem Praxispartner. Eine gemeinsame Dokumentation wäre daher illegal. Die Einzigen, die in die Karteien beider Therapeuten hineinschauen dürfen, sind die gemeinsam in der Praxisgemeinschaft, nicht bei einzelnen Gesellschaftern, angestellten Mitarbeiter.

Noch ein wichtiger Tipp

Es ist unbedingt anzuraten, dass für die gemeinsam genutzten Räume die Mietverträge auf die Praxisgemeinschaft und nicht auf die einzelnen Gesellschafter abgeschlossen werden. So ist es ein häufiges Problem, dass etwa der Praxismietvertrag fälschlich nicht auf die Praxisgemeinschaft lautet sondern auf die einzelnen Gesellschafter: Bei einem Wechsel in der Praxisgemeinschaft muss nun erneut und aufwendig der Mietvertrag geändert werden, der vorherige Gesellschafter aus dem Mietvertrag genommen und der neue Gesellschafter in den Mietvertrag aufgenommen werden. Damit wird letztlich ein neuer Mietvertrag geschlossen, wobei es dem Vermieter hier möglich ist etwa auch Mieterhöhungen durchzusetzen. Hätte hingegen der Praxismietvertrag von vornherein auf die Praxisgemeinschaft gelautet, so würde, da diese auch durch Wechsel des Therapeuten fortbesteht, der Mietvertrag nicht angepasst werden müssen. Noch problematischer wird die Situation, wenn man die Umschreibung des Mietvertrages oder anderer Verträge vergisst, und der längst ausgeschiedene Gesellschafter überhaupt nicht mehr greifbar ist, weil er etwa verzogen oder verstorben ist. Ähnliche Probleme entstehen, wenn die Arbeitsverträge für das gemeinsame Praxispersonal nicht auf die Praxisgemeinschaft, sondern auf die einzelnen Gesellschafter lauten.

Für die Praxisgemeinschaft steht die Rechtsform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts zur Verfügung, wie sie auch für die Gemeinschaftspraxis offensteht. 
 

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