PRAXISnah: "Bei uns spielt die aktive Mitarbeit unserer Patienten eine sehr große Rolle"

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: unter diesem Motto geben wir Einblicke in Besonderheiten anderer Praxen. Diesmal mit Claus Melzer, Physiotherapeut und Praxisinhaber in Hamburg und Wedel.

Das erste, was Sie morgens machen?
Zuerst bekommt meine Frau einen Kuss (lacht). Und dann stehe ich auf und gehe sehr früh in die Praxis, um erst einmal die Bürokratie etwas abzuarbeiten.

Was ist in Ihrer Praxis anders als in anderen Praxen?
Bei uns spielt die aktive Mitarbeit unserer Patienten eine sehr große Rolle, passive Maßnahmen werden bei uns nur durchgeführt, wenn sie unbedingt erforderlich sind. Im Zweifelsfall bedeutet das auch, dass wir dem Patienten empfehlen, sich lieber eine andere Praxis zu suchen, wenn er zum Beispiel meint, seine Hausaufgaben nicht machen zu müssen.

Wie wird Ihr Team zum „Dreamteam“?
Wir haben in Hamburg und Wedel vier Standorte – und damit vier Dreamteams. Das Wesentliche ist, dass man bei der Zusammensetzung des Teams darauf achtet, dass die Chemie zwischen den Leuten stimmt. Das ist fast wichtiger als die Qualifikation der Einzelnen. Wenn man einen Querschießer dabei hat, kann der das ganze Team kaputtmachen.

Praxis-Outfit oder Freestyle?
Alle Therapeuten tragen bei uns ein rotes Shirt mit der eigenen Nummer darauf. Das erinnert ein bisschen an eine Sportmannschaft – und soll es auch.

Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?
Damit haben wir überhaupt kein Problem. Dadurch, dass ich viel unterrichte, habe ich auch viel Kontakt zum Nachwuchs und kann dann schon mal gezielt junge Menschen ansprechen, die mir einen guten Eindruck machen.

Karteikarte oder Praxis-EDV – wie digital ist Ihre Praxis?
Einiges ist bei uns schon digital, wir arbeiten aber auch noch mit Karteikarten und einem Kalender, in dem wir ganz oldschool mit Bleistift und Radiergummi die Termine eintragen. Das Thema ist zwar immer mal wieder bei uns auf dem Tisch, aber ich habe in viele digitale Lösungen einfach nicht ausreichend Vertrauen.

Wie machen Sie Ihre Praxis regional bekannt?
Gar nicht. Ich bin seit mehr als 30 Jahren selbstständig, man kennt die Praxis hier in Hamburg und wir sind auch ohne Werbung und Marketing immer voll. Früher, als wir das schon mal probiert haben, hatte ich auch nie das Gefühl, dass es sich unter dem Strich rechnen würde.

Wie redselig sind Sie während der Behandlung?
Ich selbst bin eher zurückhaltend, aber das hängt selbstverständlich sehr von der Situation und von dem jeweiligen Patienten ab.

Wie gestalten Sie die Mittagspause?
In der Regel habe ich keine Mittagspause. Ich fange morgens früh an und arbeite den ganzen Tag durch. Pause habe ich nur dann, wenn mal ein Patient kurzfristig ausfällt.

Wie bleiben Sie fachlich up-to-date?
Fachzeitschriften, Fachbücher, Fortbildungen. Allerdings bin ich auch schon lange genug im Geschäft, sodass es jetzt auch nicht ständig neue Sachen für mich gibt, von denen ich noch nie etwas gehört habe.

Wie wichtig sind Fortbildungen für Sie?
Auf der einen Seite sind mir Fortbildungen sehr wichtig, auf der anderen Seite ist aber auch viel, was im Markt angeboten wird, einfach Unsinn. Da muss man schon sehr genau hinschauen, wo man seine Leute hinschickt. Das fängt mit Wellness-Anwendungen wie Hot-Stone-Massage an und hört bei der Rückenschule leider noch lange nicht auf. Oft geht es dabei nur um Geldmacherei und nicht um Therapien zum Wohle der Patienten.

Facebook, Twitter oder Instagram?
Unser letzter Eintrag bei Facebook ist wahrscheinlich vier oder fünf Jahre her. Das ist mir den Aufwand nicht wert.

Gesundheitsminister für einen Tag: Was würden Sie machen?
Um all das zu machen, was sinnvoll wäre, würde sicher nicht ein Tag ausreichen. Aber auch manches, was die Verbände wollen, halte ich nicht für sinnvoll – zum Beispiel ist für mich der Direktzugang absoluter Unsinn und auch die Vollakademisierung lehne ich ab. Für mich ist und bleibt die Physiotherapie ein Handwerksberuf. Wenn ich allerdings nur einen Tag Zeit hätte, würde ich vermutlich erst einmal nur die vereinheitlichten Preise zurücknehmen, die gerade so gefeiert wurden: Denn die Kostenstruktur für eine Praxis in einer Stadt wie Hamburg ist ja auch eine ganz andere als beispielsweise für eine Praxis in einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern.

Noch einmal auf Start: Würden Sie alles nochmal genauso machen?
Ja, auf jeden Fall. Ich würde allenfalls früher damit beginnen, weitere Filialen aufzumachen. Da habe ich vielleicht zu lange gezögert.

Therapeut auch nach Feierabend?
Nein, eher nicht. Ich stehe mehr als 14 Stunden am Tag in der Praxis. Das reicht!

Das Letzte, was Sie abends machen:
Irgendetwas zur Entspannung. Aber dann gehe ich auch spätestens um 21.30 Uhr ins Bett, denn um 6 Uhr stehe ich ja dann auch wieder mit dem ersten Patienten an der Bank.


Physiotherapiepraxen Claus Melzer
in Hamburg und Wedel

https://www.praxis-melzer.de/


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