PRAXISnah: "Bis spätestens nächstes Jahr wollen wir alle Therapeuten mit Tablets ausstatten"

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: unter diesem Motto geben wir Einblicke in Besonderheiten anderer Praxen. Diesmal mit Gerhard Jeske, Physiotherapeut und Inhaber eines Gesundheitszentrums.

Was ist an Ihrer Praxis anders als an anderen Praxen?
Zunächst einmal die Größe. Unser Gesundheitszentrum ist über 3000 Quadratmeter groß, täglich gehen im Schnitt 700 bis 800 Kunden bei uns ein und aus. Der größte Teil ist dabei der Fitnessclub Life mit rund 3500 Mitgliedern. Dann haben wir noch den Rehasportverein Medifit. Und last but not least das Physiotherapie- und Rehazentrum Medikus mit rund 3000 Patienten im Jahr.

Was spricht Ihrer Ansicht nach dafür, Fitness und Physiotherapie unter einem Dach anzubieten?
Die Möglichkeit, die Menschen ganzheitlich zu behandeln. Wir wurden immer wieder nach der Therapie von den Patienten gefragt, wohin sie gehen sollen, um weiter aktiv und in Bewegung zu bleiben. Denn das ist das A und O, um dauerhaft gesund zu werden. Doch wir konnten kein Fitnessstudio mit gutem Gewissen empfehlen. Deshalb haben wir einfach selbst einen gesundheitsorientierten Fitnessclub aufgemacht.

Wie wird Ihr Team zum „Dreamteam“?
Mitarbeiterführung spielt eine ganz zentrale Rolle. Denn Ausstattung kann man beliebig ersetzen, nicht aber die Mitarbeiter. Bei einem Unternehmen mit rund hundert Mitarbeitern braucht man dafür jedoch vor allem gute Leitungskräfte, die ihre Abteilungen im Griff haben. Das sind die wichtigsten Personen im ganzen Zentrum. Wenn die in der Lage sind, die Mitarbeiter fair, empathisch und wertschätzend zu behandeln und dabei die Philosophie des Unternehmens hundertprozentig mitzutragen, bekommen Sie auch ein Dreamteam.

Ich glaube, dass wir mit Roy Kühne einen Physiotherapeuten im Bundestag haben, ist viel wichtiger als die Arbeit unserer Verbände.
Gerhard Jeske, Inhaber des Gesundheitszentrums Ludwigsburg

Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?
Da wir Ausbildungsbetrieb sind und von vielen Schulen immer die Schüler bei uns haben, sind wir in der Lage, uns frühzeitig die Talente herauszupicken. Und dann haben wir den Vorteil, dass wir in so einem großen Gesundheitszentrum die Möglichkeit haben, unseren Mitarbeitern einen sehr abwechslungsreichen Job zu bieten, sodass die meisten gar nicht mehr wegwollen. Das hilft auch beim Fachkräftemangel.

Wie machen Sie Ihre Praxis regional bekannt?
Eigentlich könnte man sagen, dass wir als großes Zentrum schon ausreichend bekannt sind. Aber wie heißt es so treffend: Wer nicht wirbt, der stirbt. Deshalb haben wir einen Mitarbeiter, der nur für Marketing da ist und dafür auch ein festes Budget hat. Ziel ist, permanent in der Stadt präsent zu sein, um wahrgenommen zu werden.

Workoholic auf einer Skala von 1 bis 10?
Mal sieben, mal aber auch zwölf. Wenn es sein muss, kann ich Tag und Nacht Gas geben. Als Unternehmer mit so einem großen Laden muss man aber wahrscheinlich auch ein bisschen Workoholic sein.

Wie digital ist Ihre Praxis?
Noch arbeiten wir mit Karteikarten. Aber bis spätestens nächstes Jahr wollen wir umstellen und auch alle Therapeuten mit Tablets ausstatten.

Facebook, Twitter oder Instagram?
Twitter nicht, dafür neben Facebook und Instagram aber noch YouTube. Unsere ganzen Marketinganstrengungen verschieben sich gerade zunehmend in Richtung Social Media.


Social Media Kanäle des Gesundheitszentrums Ludwigsburg

Facebook
https://www.facebook.com/Life.medikus.medifit/

Youtube
https://www.youtube.com/channel/UCrc3pUalD6WSOaFgCzJqdrA


 

Wie wichtig sind Fortbildungen?
Sehr! Wir bezahlen die Fortbildungen in aller Regel. Auf jeden Fall lohnt es sich für den Mitarbeiter eher, wenn er sich von uns eine Ausbildung bezahlen lässt und dafür vielleicht auf ein bisschen Gehalt verzichtet, als dass er die Ausbildung direkt bezahlt.

Gesundheitsminister für einen Tag - Was würden Sie machen?
Ich würde das Thema Gesundheitszentren auf die Agenda setzen wollen. Denn in Deutschland sollte es noch viel mehr solcher Zentren geben. Selbst wenn es nämlich manch ein Inhaber einer kleinen Praxis nicht gerne liest: Ich glaube, dass wir durch unsere Größe und dem ganzheitlichen Ansatz bessere Ergebnisse erzielen und effizienter sind.

Sind Sie in einem Verband organisiert, und wenn ja: Sind Sie mit seiner Arbeit zufrieden?
Ja, im Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK). Aber ehrlich gesagt nehme ich von denen nichts groß wahr, mit dem ich zufrieden sein könnte. Insgesamt ist unsere Interessensvertretung viel zu schwach. Ich glaube, dass wir mit Roy Kühne einen Physiotherapeuten im Bundestag haben, ist viel wichtiger als die Arbeit unserer Verbände.

Noch einmal auf Start – würden Sie alles noch mal genauso machen?
Ich habe damals mein Hobby zum Beruf gemacht und würde daher alles auch wieder so machen. Allerdings würde ich mir vielleicht etwas mehr Zeit für die Selbstständigkeit lassen. Denn angestellt arbeiten und noch etwas länger zu lernen ist auch ganz schön – und hinterher macht man nicht so viele Fehler. Da war ich damals vielleicht ein bisschen zu selbstbewusst.


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