PRAXISnah: "Ich fände eine elektronische Heilmittelverordnung gut"

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: unter diesem Motto geben wir Einblicke in Besonderheiten anderer Praxen. Diesmal mit Dolores Weber, Ergotherapeutin mit Praxis im thüringischen Mühlhausen.

Was ist in Ihrer Praxis anders als in anderen Praxen?
Wir sind ein großes Team, das eine große Bandbreite an ergotherapeutischen Leistungen abdeckt. Jeder arbeitet nach Neigung, Interesse und Fähigkeit – ganz nach seinem Gusto.

Was ist Ihr persönliches Steckenpferd?
Die Psychiatrie. Ich habe nach meiner ergotherapeutischen Ausbildung noch eine weitere zur Systemischen Therapeutin gemacht, und im Moment besuche ich Fortbildungen zur Kunsttherapeutin. Das passt auch sehr gut, denn wir haben hier im Ort eine große Psychiatrie und damit auch das entsprechende Klientel.

Haben Sie ein Dreamteam? Wenn ja, wie ist Ihnen das gelungen?
Mein Team ist in der Tat sehr toll. Meine ältesten Mitarbeiterinnen sind schon von Anfang an dabei – seit 1997. Das wichtigste ist, dass im Team eine gute Atmosphäre herrscht und man eine ehrliche und transparente Kommunikation pflegt.

Keine Mitarbeiterevents oder Ähnliches?
Doch, das auch. Wir haben erst kürzlich eine Drei-Tage-Auszeit gemacht und waren gemeinsam zur natürlichen Stressprävention im Nationalpark Hainich. Gerade nach der ersten harten Corona-Zeit war es für uns ganz wichtig, nicht immer nur diejenigen zu sein, die die ganze Zeit nur geben und machen.

Sie sind ein reines Frauenteam. Ist das Absicht, oder mangelt es an Männern?
So ganz stimmt das nicht: Wir haben eine männliche Bürokraft, die dreimal die Woche kommt (lacht). Tatsächlich ist das aber eher Zufall. Ich hätte gar nichts dagegen, auch einen männlichen Ergotherapeuten im Team zu haben. Aber irgendwie hat sich das nie ergeben.

Wie machen Sie Ihre Praxis regional bekannt?
Zum Beispiel, indem wir einen Tag der offenen Tür machen oder auch schon mal Selbsthilfegruppen zu uns in die Praxis einladen.

Aber keine klassische Werbung?
Ich habe neulich mal zwei neue Therapiegeräte in einem bezahlten Zeitungsartikel – einem Advertorial – in der „Thüringer Allgemeinen“ vorgestellt. Zuerst hat mich zwar der hohe Preis abgeschreckt, aber schon bald hatte sich die Investition amortisiert. Das würde ich auf jeden Fall noch einmal wiederholen.

Workoholic auf einer Skala von 1 bis 10?
Ich kann von 1 bis 10. Aber am wohlsten fühle ich mich bei 6.

Karteikarte oder Praxis-EDV?
Die Terminplanung und die Abrechnung sind digital. Die Patientenakten sind allerdings noch in Papierform. Das hat für mich den Vorteil, dass eine solche Akte kein Update und keinen Strom braucht. Vor allem habe ich aber noch nicht die ideale digitale Akte für mich gefunden. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

Wie stehen Sie zur elektronischen Heilmittelverordnung?
Ich fände sie zum Abbau der Bürokratie gut – aber ich sehe sie in naher Zukunft noch nicht. Dafür sind einfach noch zu viele Fragen zu klären. Aber die Pilotprojekte, die es derzeit gibt, begrüße ich sehr – um genau diese Fragen zu klären.

Wir haben mit der Videotherapie in der Corona-Zeit gute Erfahrungen gemacht.
Dolores Weber, Ergotherapeutin

Facebook, Twitter oder Instagram?
Weder beruflich noch privat. Vielleicht bin ich da etwas altmodisch, aber für mich ist das in erster Linie ein Zeitfresser.

Wie bleiben Sie fachlich up-to-date?
Internet, vor allem die dve- und die Optica-Website. Daneben viel Austausch mit anderen Therapeuten und natürlich Fortbildungen.

Wie halten Sie es mit den Fortbildungen für Ihre Mitarbeiterinnen?
Sie bekommen im Jahr fünf Bildungstage und einen Zuschuss von 500 Euro. Hinzu kommen die größeren, kostenintensiveren Fortbildungen, die individuell geregelt werden. Da finden wir eigentlich immer eine Lösung.

Gesundheitsminister für einen Tag: Was würden Sie machen?
Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich schon ziemlich zufrieden bin, was unser derzeitiger Minister für uns erreicht hat. Aber es gibt natürlich auch noch viel zu tun – zum Beispiel, wenn ich an die Versorgung im ländlichen Bereich denke.

Könnte da die Videotherapie helfen?
Im Prinzip schon – damit haben wir jetzt in der Corona-Zeit gute Erfahrungen gemacht. Allerdings müsste man sich Gedanken machen, wie man die Patienten mit dem dafür nötigen Equipment ausstattet. Denn gerade bei älteren Patienten fehlt das häufig.

Noch einmal auf Start: Würden Sie alles noch mal genauso machen?
Dieser Beruf vereint eigentlich all meine Stärken und Interessen. Von daher stellt sich für mich eher die Frage, ob ich mir meinen Umweg hätte sparen sollen – ich habe nämlich erst einmal eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht, bevor ich Ergotherapeutin wurde. Allerdings würde ich auch das eher verneinen, denn auch diese Zeit habe ich als sehr wertvoll empfunden. Ich will diesen Umweg gar nicht missen.


Ergotherapiepraxis Dolores Weber und Team
in Mühlhausen

http://www.ergotherapie-muehlhausen.de/index.html


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