PRAXISnah: "Ich würde als Gesundheitsministerin die Bürokratie abbauen"

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: unter diesem Motto geben wir Einblicke in Besonderheiten anderer Praxen. Diesmal mit Cornelia Dietzel, Ergotherapeutin mit acht Mitarbeiterinnen in der Pfalz.

Was ist an Ihrer Praxis anders als in anderen Praxen?
Wir zeichnen uns durch ein interdisziplinäres Team mit unterschiedlichen Schwerpunkten aus. Neben klassischen ergotherapeutischen Behandlungen haben wir uns auf die Handtherapie spezialisiert. Besonders sind auch die Räumlichkeiten: So befindet sich die Praxis in einem wunderschönen und großzügigen alten Haus mit themenspezifischen Behandlungsräumlichkeiten, in denen wir gezielt auf die einzelnen Patienten jeden Alters eingehen können.

Warum „Handtherapie“?
Ich habe meine Ausbildung in den 1970er Jahren gemacht, damals hieß Ergotherapie noch Beschäftigungstherapie und die Handtherapie war Teil der Ausbildung. Heute sind wir eine von rund 70 Praxen, die von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Handtherapie (DAHTH) zertifiziert wurden.

Wie wird Ihr Team zum „Dreamteam“?
Ein Dreamteam entsteht nicht über Nacht. Es erfordert neben fachlichen Weiterbildungen insbesondere auch viel Kommunikation, Feedback und Mitarbeiterentwicklungsgespräche sowie -maßnahmen. Ein offener Dialog und konstruktive Kritik sind meiner Meinung nach wichtig, um den Spirit im Team positiv zu gestalten. Und das nicht einmalig, sondern stetig.

Praxis-Outfit oder Freestyle?
Jeder kann bei uns anziehen, was er möchte. Das war der Wunsch meiner Mitarbeiterinnen. Ich selbst finde es aber auch so besser.

Wie machen Sie Ihre Praxis regional bekannt?
Zur Steigerung der Bekanntheit der Praxis in der Region nutze ich neben klassischen Print-Werbungen, Telefonbucheinträgen oder Anzeigen in Zeitungen auch die neuen Medien. Beispielsweise habe ich erst kürzlich meine Website neu überarbeiten lassen. Ich nutze hierzu auch moderne Analytics, um den Traffic auf meiner Website zu überwachen und da nachzuarbeiten, wo es sinnvoll und nötig ist. Ein weiterhin sehr wichtiger Kanal zur Steigerung und Erhaltung der regionalen Bekanntheit ist und bleibt aber die Mund-zu-Mund-Propaganda und der enge Kontakt zu Ärzten in der Umgebung. Denn nichts ist vertrauensvoller als eine Empfehlung eines Bekannten oder eines Arztes. Das klappt seit mittlerweile 34 Jahren bei uns auch ganz hervorragend.

Facebook, Twitter oder Instagram?
Um die sozialen Medien kommt man heutzutage weder privat noch geschäftlich drum herum. Ich selbst nutze privat sowohl Instagram als auch Facebook. Meine Praxis ist allerdings bislang leider noch etwas inaktiv auf Social Media, das soll sich aber in Zukunft etwas ändern.

Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?
Fachkräftemangel ist ein omnipräsentes Thema. Auch bei uns. Ich gehe damit so um, dass ich versuche, meine Mitarbeiterinnen durch gute Führung und Wertschätzung zu motivieren und damit auch zu halten, anstelle permanent auf dem Arbeitsmarkt nach neuen Mitarbeitern suchen zu müssen.

Karteikarte oder Praxis-EDV?
Wir arbeiten seit 1992 mit Theorg, das heißt Patientenakten, Terminkalender und die Dokumentation sind digital.

Wie stehen Sie zur elektronischen Verordnung?
Ich bin eher etwas skeptisch. Meine Befürchtung ist, dass die Ärzte damit nicht zurechtkommen und es dann noch schwieriger wird.

Wie bleiben Sie fachlich up to date?
Ich beziehe alle Fachzeitschriften und lese regelmäßig in wichtigen Datenbanken.

Wie wichtig sind Fortbildungen für Sie und ihr Team?
Ich gehe regelmäßig zu den Kongressen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie (DAHTH). Meine Mitarbeiter bekommen für die Fortbildungen frei, und zum großen Teil finanziere ich die Fortbildungen.

Gesundheitsminister für einen Tag:
Ich würde vor allem die Bürokratie abbauen. Die Langatmigkeit bei Anträgen, Änderungen und generell bei den Prozessen könnte deutlich entschlackt und effizienter werden.

Noch einmal auf Start – würden Sie alles noch mal genauso machen?
Ich hatte nie einen Plan B. Ich wollte immer schon Ergotherapeutin werden. Vor vielen Jahren hat mir mal ein Grieche erklärt, was Ergon eigentlich genau bedeutet, nämlich „mit der Erde verbunden sein“. Und genau diese Erdverbundenheit, dieses „geerdet sein“ und auch mal auf sein Baugefühl zu vertrauen, fehlt vielen Menschen heute.

Workaholic auf einer Skala von 1 bis 10?
Wahrscheinlich 10. Auf der anderen Seite würde ich mich selbst nicht als Workaholic bezeichnen, da ich in der Arbeit meine Leidenschaft verwirkliche und ich somit jederzeit gerne arbeite.


 

Praxis für Ergotherapie und Handtherapie
Cornelia Dietzel

https://dietzel-ergotherapie.de/


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