PRAXISnah: "Ich würde die Physio-Ausbildung akademisieren"

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: Unter diesem Motto geben wir Einblicke in Besonderheiten anderer Praxen – diesmal mit Louise Kassing, Physiotherapeutin aus dem Schwarzwald.

Das erste, was Sie morgens machen?
Da ich ja in der Praxis alleine bin, muss ich erst einmal alles vorbereiten, bevor die ersten Patienten kommen. Auch die ganze Bürokratie erledige ich dann schon einmal, damit das dann nicht die Behandlung unterbricht. 

Was ist an Ihrer Praxis anders als in anderen Praxen?
Ich betreibe die Praxis so, wie ich es in meiner Heimat Holland gelernt habe und wie es da ganz normal ist. Das heißt, in meine Praxis kommen die Patienten ganz oft ohne Rezept. Und ich mache dann gegen eine kleine Gebühr einen Befund, mit dem sie dann erst zu ihren Hausärzten gehen. Dort bekommen sie dann eine Verordnung ausgestellt – entweder ein Privatrezept, das mich zumindest rechtlich absichert, oder auch ein Kassenrezept.

Wie wird Ihr Team zum Dream-Team?
Als Einzelkämpferin ist mein Dream-Team außerhalb der Praxis, denn ich arbeite auch in Heimen mit Behinderten und Wachkomapatienten. Und da ist es natürlich ebenfalls ganz wichtig, dass die Ärzte, das Pflegepersonal und alle Therapeuten – Ergo, Logo, Physio – zusammen an einem Strang ziehen. Das geht nicht ohne ganz viel Kommunikation.

Praxis-Outfit oder Freestyle?
Ich halte nichts von Praxis-Uniformen – nicht zuletzt, um auf Augenhöhe mit meinen Patienten zu sein.

Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?
Gar nicht mehr, denn ich habe mittlerweile aufgegeben, nach Mitarbeitern zu suchen. Das bringt nichts!

Smalltalk, intensive Gespräche oder Schweigen im Walde: Wie redselig sind Sie während der Behandlung?
Beim ersten Termin rede ich sehr viel – um gemeinsam zu besprechen, was es für ein Problem gibt und wie wir es anpacken können. Aber bei den folgenden Terminen halte ich eher meinen Mund und lasse den Patienten reden, sofern er möchte.

Wie machen Sie Ihre Praxis regional bekannt?
Ab und zu mache ich eine Aktion in einem örtlichen Mitteilungsblatt. Zum Beispiel, dass man für 25 Euro eine Fitnesskarte für einen Monat kaufen kann oder, dass ich einen Fit-und-Gesund-Tag anbiete, an dem die Leute einfach mal hereinschnuppern können. Außerdem haben wir hier alle zwei Jahre einen Fit-und-Gesund-Messe, auf der ich mich immer präsentiere und Massagen anbiete. Aber die Werbung, die am meisten bringt, ist natürlich die persönliche Empfehlung.

Wie gestalten Sie die Mittagspause?
In dieser Zeit erledige ich das, was sonst noch so zu tun ist – also Einkaufen, Behördengänge und all so etwas.

Karteikarte oder Praxis-EDV – wie digital ist Ihre Praxis?
Dank meiner Praxissoftware ist alles sehr digital. Nur in der Kommunikation mit den Ärzten muss dann eben doch wieder ausgedruckt und gefaxt werden.

Mein ganzes Leben ist geprägt von Fort- und Weiterbildung.
Louise Kassing, Physiotherapeutin

Facebook, Twitter oder Instagram?
Alles nur privat. Was die Praxis angeht, habe ich da datenschutzrechtliche Bedenken.

Wie bleiben Sie fachlich up-to-date?
Vor allem durch Fachzeitschriften – zum Beispiel „Manuelle Therapie“ von Thieme.

Wie wichtig sind Fortbildungen für Sie?
Mein ganzes Leben ist geprägt von Fort- und Weiterbildung. Zum Beispiel habe ich in Neuseeland studiert und in der Schweiz eine Bobath-Ausbildung gemacht.

Gesundheitsministerin für einen Tag? Was würden Sie machen?
Ich würde die Physio-Ausbildung akademisieren und eine Therapeutenkammer durchsetzen. Nur so kann man erreichen, dass man uns ernst nimmt und nicht nur als Co-Personal der Ärzte betrachtet.

Noch einmal auf Start – würden Sie alles noch mal genauso machen?
Manchmal denke ich, ich hätte mich früher selbstständig machen sollen. Aber dann hätte ich nicht so viel im Ausland sein können – zum Beispiel habe ich in Südafrika in einem großen Krankenhaus mit 20 Therapeuten gearbeitet und dabei natürlich sehr viel gelernt. Von daher ist wahrscheinlich alles gut so, wie es gelaufen ist.

Therapeut auch nach Feierabend?
Gelegentlich werde ich von Freunden privat um Rat gefragt, aber das ist kein Problem für mich. Wenn sie mehr von mir wollen, müssen sie allerdings in die Praxis kommen.

Das letzte, was Sie abends machen?
Ich gehe abends gerne noch reiten und ich spiele Saxophon.

 


Physiotherapie-Praxis Kassing

https://physio-kassing.de/


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