PRAXISnah: "Ich würde die Prüfpflicht abschaffen"

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: Unter diesem Motto geben wir Einblicke in Besonderheiten anderer Praxen – diesmal mit der Logopädin Tanja Weskamp-Nimmergut, Inhaberin von Theralingua.

Das erste, was Sie morgens machen:
Ich kuschele erst einmal ein bisschen mit meinem Sohn. Dann frühstücken wir. Und nachdem ich ihn dann in den Kindergarten gebracht habe, beginnt so gegen 8.30 Uhr die Arbeit.

Was ist an Ihrer Praxis anders als in anderen Praxen?
Das Besondere an uns ist, dass wir insgesamt sieben logopädische Praxen in Hamburg und Schleswig-Holstein haben – mit einer Zentrale, die die ganze Verwaltung für die verschiede-nen Standorte übernimmt. Ich selber bin gar nicht mehr therapeutisch tätig, sondern arbeite nur noch in der Zentrale in Norderstedt.

Wie wird Ihr Team zum Dreamteam?
Ich habe solche Dreamteams an allen meinen Standorten, und das liegt im Wesentlichen an den vielen tollen Leuten, die dort arbeiten. Wir selbst versuchen dabei einen möglichst engen Kontakt zu den Teams vor Ort zu pflegen und machen auch regelmäßig Events wie Sommerfeste oder Weihnachtsfeiern.

Praxis-Outfit oder Freestyle?
Wir haben es mal mit einem einheitlichen Praxis-Shirt versucht. Das konnte sich aber nicht durchsetzen, weil die eine Hälfte das zwar toll fand, die andere Hälfte aber nicht. Von daher haben wir uns entschieden, es den Kolleginnen und Kollegen zu überlassen, ob sie die Shirts anziehen wollen oder nicht.

Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?
Das ist glücklicherweise kein großes Problem für uns – auch deshalb, weil ein Kollege aus dem Team sich diesem Thema gezielt annimmt. In erster Linie geht es dabei darum, uns als Marke aufzubauen und bei potentiellen Bewerberinnen und Bewerbern bekannt zu machen. Darüber hinaus können wir als großes Unternehmen einiges mehr bieten als manch eine kleine Praxis, also zum Beispiel interne Fortbildungen, Stipendien, betriebliche Altersvorsorge und faire Gehälter.

Wie machen Sie Ihre Praxis regional oder überregional bekannt?
Wir bringen zum Beispiel jeden Monat eine Postkarte mit einem lustigen Logopädiespruch heraus, die dann über die sozialen Medien verbreitet, aber auch an Multiplikatoren verteilt wird. So verschicken wir immer je einen Packen an alle 98 Logopädieschulen mit der Bitte, sie aufzuhängen oder zu verteilen.

Wie gestalten Sie die Mittagspause?
Ich hole um 12.30 Uhr meinen Sohn im Kindergarten ab und dann essen wir gemeinsam etwas. Bei der Nachmittagsbetreuung wechsle ich mich mit meinem Mann ab – der praktischerweise mit mir zusammen im gleichen Unternehmen arbeitet. Auch hier haben wir also ein Dreamteam.

Wir versuchen einen möglichst engen Kontakt zu den Teams vor Ort zu pflegen und machen auch regelmäßig Events.
Tanja Weskamp-Nimmergut, Logopädin

Karteikarte oder Praxis-EDV – wie digital ist Ihre Praxis?
Alle Praxen sind bei uns gleich organisiert – inklusive Qualitätsmanagementsystem. Und das meiste ist natürlich auch digital. Nur die Dokumentation leider noch nicht, aber das steht für Ende des Jahres auf der Agenda.

Facebook, Twitter oder Instagram?
Privat nur Facebook, aber für die Praxis auch Instagram.


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Wie bleiben Sie fachlich up to date?
Zum einen bekomme ich natürlich allein schon durch meine Tätigkeit als Landesvorsitzende für Schleswig- Holstein im Deutschen Bundesverband für Logopädie viel mit. Zum anderen lese ich das Forum Logopädie, besuche diverse Fortbildungen und pflege enge Kontakte zu den Schulen und Hochschulen der Gegend.

Wie wichtig sind Fortbildungen für Sie?
Wir haben dafür sogar unsere eigene kleine Theralingua-Akademie. Die Seminare sind vor allem für unsere eigenen Mitarbeiter, stehen aber auch für Externe offen.

Gesundheitsminister für einen Tag? Was würden Sie machen?
Wir sind ja schon auf einem recht gutem Weg, was die Vergütung und das Blankorezept an-belangt. Leider wird jedoch der Direktzugang vermutlich noch etwas länger dauern. Von daher würde ich jetzt sofort erst einmal die Prüfpflicht abschaffen. Denn das ist wirklich ein immenser Aufwand. Ich schätze, dass rund 60 Prozent aller Verordnungen geändert werden müssen.

Noch einmal auf Start – würden Sie alles nochmal genauso machen?
Eigentlich wollte ich ja „nur“ Logopädin werden und nicht so ein großes Unternehmen führen. Das hat sich alles irgendwie so ergeben – und das ist auch gut so.

Therapeut auch nach Feierabend?
Gerade weil ich ja selbst gar nicht mehr als Therapeutin arbeite, habe ich gar kein Problem damit, wenn ich mal nach Feierabend von Freunden um Rat gefragt werde. Das mache ich ja andersherum, wenn also ich Rat brauche, genauso.

Das Letzte, was Sie abends machen:
Ich lese ein Buch, am liebsten sogenannte „Cosy Crime“. Das sind so Wohlfühlkrimis für Frauen, bei denen ich wunderbar einschlafen kann.


Theralingua
Logopädische Praxen in Hamburg, Berlin und Norderstedt
https://theralingua.de/


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