PRAXISnah: "Ich würde die Vergütungen für alle Heilmittelerbringer erhöhen"

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: unter diesem Motto geben wir Einblicke in Besonderheiten anderer Praxen. Diesmal mit Esther Pelzer, Logopädin mit Praxis im saarländischen Losheim am See.

Das erste, was Sie morgens machen:
Ich fahre mit dem Auto in die Praxis. Gerne würde ich die Hausbesuche mit dem Fahrrad anfahren, aber wir sind hier im ländlichen Raum und es geht zu viel Zeit verloren. Dem Team steht ein E-Bike zur Verfügung, das gerne für kurze Entfernungen genutzt werden kann.

Was ist an Ihrer Praxis anders als in anderen Praxen?
Ich habe für die Praxis ein Wohnhaus mit großem Garten gekauft und umgebaut – sehr gemütlich mit privatem, einladendem Charakter und nicht so steril, wie es viele andere Praxen sind. Das ist gerade für die Kinder, die zu uns kommen, sehr schön.

Arbeiten Sie schwerpunktmäßig mit Kindern?
Ich selbst nicht. Mein Schwerpunkt sind Patienten mit neurologischen Störungen, die Kinder mit anderen Störungsbildern sind eher bei meinen drei Mitarbeiterinnen.

Wie wird Ihr Team zum „Dream-Team“?
Wir arbeiten als große Familie zusammen. Ich bin zwar verantwortlich, aber im Team sind wir alle auf Augenhöhe und jeder arbeitet auch sehr selbständig und eigenverantwortlich.

Praxis-Outfit oder Freestyle?
Wir tragen Berufsbekleidung, also Polohemden mit unserem Logo. Das hat etwas mit Identifikation mit dem Beruf und mit der Praxis zu tun. Aber auch aus Hygienegründen finde ich das besser gegenüber dem Tragen von Privatkleidung.

Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?
Das ist für uns tatsächlich ein großes Problem, für das ich auch keine Patentlösung zu bieten habe. Das eher ländliche Einzugsgebiet trägt nicht dazu bei, dass hier freie ausgebildete Logopädinnen und Logopäden auf dem Arbeitsmarkt sind. Manchmal hilft es, Praktikanten frühzeitig an die Praxis zu binden, aber das gelingt natürlich auch nicht immer.

Warum?
Weil die Arbeit in einer größeren Einrichtung für viele Logopäden einfach attraktiver erscheint, allein schon wegen den Arbeitszeiten. Wenn hier abends ein Patient auf der Matte steht, können wir ihn nicht einfach wegschicken. Da muss man seinen Beruf schon sehr lieben, um sich darauf einzulassen. Auf der anderen Seite: eigentlich will ich auch nur solche Mitarbeiter haben, die ihren Beruf richtig lieben.

Wie machen Sie Ihre Praxis regional bekannt?
Die Praxis gibt es seit 2003 mit ihrem Standort in Losheim am See. Dadurch haben wir uns bereits einen hohen Bekanntheitsgrad erworben.

Wie gestalten Sie Ihre Mittagspause?
Wenn es möglich ist, treffen wir uns, um gemeinsam eine Pause zu machen. Das kommt allerdings nicht so häufig vor, weil ja jeder so seine Termine hat.

Workoholic auf einer Skala von 1-10?
Man kann mich schon als Workoholic bezeichnen, also mindestens 8. Aber das ist einfach mein Naturell – kombiniert mit einem gewissen Helfersyndrom, das dazu führt, dass ich immer wieder einen Patienten in den Kalender reinschiebe, wenn er mich braucht, selbst wenn der Kalender eigentlich schon voll ist.

Kartei-Karte oder Praxis-EDV – wie digital ist Ihre Praxis?
Ich bin da wohl eher so ein alter Hase. Von der Abrechnung bis zur Dokumentation ist bei uns alles noch sehr analog.

Wie stehen Sie dann zur elektronischen Verordnung?
Wenn sie käme, würde ich mich natürlich umstellen. Ich gehöre einfach zu den Menschen, die so etwas erst machen, wenn sie es müssen. Aber dann würde ich es bestimmt irgendwann sehr zu schätzen wissen. Nur vor der Umstellung graut es mir immer...

Facebook, Twitter oder Instagram?
Die nutze ich gar nicht.

Wie bleiben Sie fachlich up-to-date?
Vor allem durch Fortbildungen – die hoffentlich dann auch bald wieder starten werden. Denn mit diesen digitalen Formaten konnten wir alle im Team nicht so viel anfangen.

Gesundheitsminister für einen Tag? Was würden Sie machen?
Ich würde die Vergütungen für alle Heilmittelerbringer erhöhen, aber auch anders gestalten – nämlich nach Schweregrad staffeln. Wenn ich sehe, was beispielsweise ein Logopäde bekommt, der einen Schluckpatienten betreut – mit all den damit verbundenen Risiken und der Verantwortung –, dann ist das einfach nicht in Ordnung. Auch im Vergleich zu anderen Berufen, wie dem des Physiotherapeuten und Ergotherapeuten.

Noch einmal auf Start – würden Sie alles nochmal genauso machen?
Ja, auf jeden Fall, weil ich diesen Beruf sehr lieben gelernt habe. Zudem kommt mir mein erster Beruf als Zahnarzthelferin fachlich sehr zu gute.

Therapeut auch nach Feierabend?
Ja. Ich bin auch noch abends, wenn ich zuhause bin, für gewisse Patienten da. Manchmal lege ich meine Telefontermine sogar ganz bewusst auf die Zeit nach 20 Uhr, weil ich da etwas mehr Zeit und Ruhe habe. Eigentlich gehört nur der Sonntag mir und meinem Mann.


Logopädie Esther Pelzer
in Losheim / Saarland

https://www.logopaedie-losheim.de/


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