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PRAXISnah: Schuster bleib bei deinen Leisten

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: Unter diesem Motto geben wir Einblicke in die Besonderheiten anderer Praxen – diesmal mit Raymond Binder, der ein großes Physiotherapie- und Rehazentrum hat.

Das erste, was Sie morgens machen:
Ich mache mir einen Kaffee und lese meine Tageszeitung

Was ist an Ihrer Praxis anders als in anderen Praxen?
Das offensichtlichste sind vielleicht unsere Wechselausstellungen. Wir haben nämlich eine, mit mehr als 700 Quadratmetern ziemlich große Praxis mit langen und breiten Gängen. Und da haben wir uns überlegt, dass wir Künstler einladen, die ein Jahr lang bei uns ihre Kunstwerke ausstellen können. Weniger offensichtlich – aber sicherlich wichtiger – ist, dass die Praxis streng nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt wird.

Wir bekommen ein bis zwei Bewerbungen pro Woche auf den Tisch, von Leuten, die ganz offenbar gehört haben, dass man hier gut arbeiten und auch sehr gut verdienen kann.
Raymond Binder, Physiotherapeut

Wie wird Ihr Team zum „Dream-Team“?  
Wir haben viele langjährige Mitarbeiter und kaum Wechsel, von daher kann ich wohl wirklich von einem Dreamteam reden. Wir versuchen unseren Mitarbeitern gerecht zu werden. Sie können zum Beispiel selbst bestimmen, wann, wie lange und in welchem Schwerpunktgebiet sie arbeiten möchten. Wir machen eigentlich nur Vorgaben hinsichtlich Anamese und Befundung. Aber wie derjenige dann therapiert, überlassen wir den Therapeuten; denn das ist einfach sehr individuell und man kann nicht sagen, dass nur der eine Weg der richtige ist.

Praxis-Outfit oder Freestyle?
Wir tragen alle die gleichen, weißen Klamotten mit Praxis-Emblem. Ich halte das auch für wichtig zur Außendarstellung, zur Stärkung des Teamgedankens und auch, um uns etwas von den Patienten zu unterscheiden. Ich weiß, das kann man auch anders sehen. Aber ich habe einfach beobachtet, dass die Patienten einem Therapeuten mit einer weißen „Uniform“ manchmal etwas respektvoller behandeln. Ganz abgesehen davon, dass man aus Hygienegründen Praxiskleidung separat und bei 60 Grad waschen muss. Das ist bei bunten Shirts etwas schwierig.

Was machen Sie, um dem Fachkräftemangel zu begegnen?
Ehrlich gesagt haben wir damit keinerlei Probleme. Wir bekommen ein bis zwei Bewerbungen pro Woche auf den Tisch, von Leuten, die ganz offenbar gehört haben, dass man hier gut arbeiten und auch sehr gut verdienen kann.

Wie redselig sind Sie während der Behandlung: Smalltalk, intensive Gespräche oder Schweigen im Walde?
Das kommt sehr darauf an und hängt von der Situation, dem Patienten und der Erkrankung ab. Smalltalk aber eher nicht.

Wie machen Sie Ihre Praxen regional bekannt?
Wir machen da relativ viel und haben dafür auch ein festes Budget, das wir jedes Jahr neu festlegen. Ich halte das für wichtig, auch wenn wir eigentlich ausgebucht sind und gar keine Termine mehr frei haben. Und ich halte übrigens auch für wichtig, dass man das Profis machen lässt – egal ob das die Website, ein Flyer und jetzt gerade aktuell ein neuer Praxisfilm ist. Ich sage da immer: Schuster bleib bei deinen Leisten. 

Wie gestalten Sie Ihre Mittagspause?
Ich fahre grundsätzlich nach Hause und bin für eine gute Stunde für niemanden erreichbar. Das ist eine Zeit, die gehört nur mir! Ich habe mir diesen Freiraum damals, als meine Kinder kleiner waren, erarbeitet, damit ich überhaupt etwas Zeit mit ihnen verbringen kann. Und das habe ich beibehalten, weil ich gemerkt habe, dass mir das sehr gut tut. 

Wir schreiben nichts mehr auf Papier. Anamnesen und Befunde werden zum Beispiel sofort beim Patienten im Tablet eingegeben und digital gespeichert
Raymond Binder auch beim Verband Physikalische Therapie aktiv

Kartei-Karte oder Praxis-EDV – wie digital ist Ihre Praxis?
Voll digitalisiert. Alles. Wir schreiben nichts mehr auf Papier. Anamnesen und Befunde werden zum Beispiel sofort beim Patienten im Tablet eingegeben und digital gespeichert. Im Unterschied zu manch anderer Praxis nutzen wir das aber nicht, um administrative Arbeiten auf die Therapeuten abzuwälzen. Die werden alle von unseren vier Rezeptionsfachkräften erledigt.

Facebook, Twitter oder Instagram?
Ich nutze für die Arbeit nur ein bisschen Facebook. Was ich privat mache, geht meines Erachtens niemanden etwas an, das will ich nicht teilen.

Wie bleiben Sie fachlich up-to-date?
Wir haben für die Praxis rund zehn Fachzeitschriften abonniert. Und ich habe Online-Zugang zu diversen wissenschaftlichen Quellen.

Wie wichtig sind Fortbildungen für Sie?
Die sind bei mir hochangesagt. Wir fördern und fordern auch von unseren Mitarbeitern, dass sie Fortbildungen machen. Meine eigene letzte Fortbildung war die psychosomatische Schmerzphysiotherapie. Der chronische Schmerz ist ein Steckenpferd von mir.

Gesundheitsminister für einen Tag. Was würden Sie machen?
Das TSVG geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich aber noch etwas weitergehen. Zum Beispiel noch mehr Geld zur Verfügung stellen, Schulgeld komplett abschaffen, mehr Behandlungszeit ermöglichen, die Blankoverordnung sofort einführen – oder noch besser: gleich den Direktzugang. Allerdings: ich bin schon ziemlich zufrieden mit dem, was mit dem TSVG angepackt wurde. Das ist mehr als das, was in den 20 Jahren davor erreicht wurde. 

Noch einmal auf Start – würden Sie alles nochmal genauso machen?
Ich würde alles genauso noch einmal machen.

Therapeut auch nach Feierabend?
Ja und Nein. Als Therapeut habe ich nach Praxisschluss absolut Feierabend. Da bin ich auch für Freunde und Bekannte nicht mehr ansprechbar; die sollen, wenn sie etwas haben, in die Praxis kommen.  Allerdings so ganz Feierabend habe ich natürlich doch nicht. Denn als Landesvorsitzender des Verbands Physikalische Therapie (VPT) in Baden-Württemberg habe ich jeden Abend noch zwei bis drei Stunden Verbandsarbeit zu machen. Aber ich will gar nicht klagen. Auch diese Arbeit macht mir großen Spaß.

Das letzte, was sie abends machen:
Ich gehe nicht vor 24 Uhr ins Bett, meistens später. Und wenn ich dann nicht sofort einschlafe, schaue ich mir noch eine Reportage oder eine naturwissenschaftliche Sendung an.

Physiotherapie & Rehazentrum Raymond Binder M.Sc. 
Binder Physiotherapie
www.physiozentrum-binder.de

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