PRAXISnah: "Wir betrachten die Menschen ganzheitlich"

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: unter diesem Motto geben wir Einblicke in Besonderheiten anderer Praxen. Diesmal mit Logopädin Susanne Gutekunst, Inhaberin von "Gutekunst Therapien & Seminare".

Wodurch unterscheidet sich Ihre Praxis von anderen?
Wir sind ein interdisziplinäres Therapiezentrum mit den Bereichen Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie. Und das Besondere an unserer Praxis ist sicherlich, dass wir nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander – interdisziplinär – arbeiten.

Worin liegt der Vorteil?
Es geht bei uns zum einen, was unsere Patient*innen betrifft, nicht nur um das Abarbeiten irgendeines Rezepts, sondern wir betrachten die Menschen tatsächlich ganzheitlich. Zum anderen lernen wir Therapeuten von- und miteinander und das ist sehr befruchtend und beflügelnd.

Wie funktioniert das konkret? Eine Verordnung und ihre Bezahlung gilt ja nicht für ein interdisziplinäres Team.
Das heißt konkret, dass ich mich zum Beispiel bei einer Frage an den oder die entsprechenden Kolleg*in wende. Manchmal reicht nur ein Tipp, worauf der oder die Patient*in künftig achten sollte. Dafür ist übrigens von Vorteil, dass wir die Praxis als GmbH organisiert haben. Denn wären wir Einzelpraxen unter einem gemeinsamen Dach, könnte es in solchen Fällen ungeklärte Haftungsfragen geben.

Ihr Mann ist auch Geschäftsführer, Chef der Physiotherapie und Therapeut in der Praxis. Was war zuerst: Die private oder die berufliche Fusion?
Die Private. Ich hatte damals schon eine logopädische Praxis und mein Mann war Schauspieler. Erst später hat er die Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht und noch viel später haben wir die Praxen zusammengelegt und unsere GmbH gegründet.

Vom Schauspieler zum Physiotherapeuten, auch ein spannender Werdegang ...
Schauspieler bleibt man ja sein Leben lang – einmal Gaukler, immer Gaukler (lacht). Tatsächlich kommt ihm aber die Ausbildung auch in seinem jetzigen Beruf sehr zu Gute, weil ja beides sehr körperorientiert ist. Auch die ausgebildete Empathiefähigkeit hilft beim Verständnis für die jeweiligen Beeinträchtigungen – körperliche und seelische – der Patient*innen.

Der Name der Praxis „Gutekunst“ ist nicht erfunden, sondern Ihr Familienname. Müssen Sie das oft erklären?
Sehr oft. Einem Arzt habe ich sogar meine Eheurkunde gezeigt, damit er mir das endlich glaubt. Auf der anderen Seite: Der Name ist ziemlich treffend, von daher hätte es mich deutlich schlechter erwischen können.

Haben Sie auch ein Problem mit dem Fachkräftemangel? Wie gehen Sie damit um?
Wir sind ein stabiles Team, sodass wir glücklicherweise nicht oft suchen müssen. Aber wenn, muss man natürlich kreativ sein. So habe ich vor zwei Jahre unsere damalige Bürokraft dazu gebracht, eine Logopädie-Ausbildung zu machen – die wir auch als Firma bezahlen. Denn bei uns in Thüringen gibt es leider noch das Schulgeld. So haben wir dann ab nächsten Sommer eine neue Kollegin.

Karteikarte oder Praxis-EDV: Wie digital ist Ihre Praxis?
Wir sind quasi noch zwischen den Welten. Das heißt, wir haben zwar noch Karteikarten, stellen aber gerade um, sodass wir jetzt schon die ganze Dokumentation auf unseren neuen iPads machen können. Gerade für Hausbesuche ist das sehr hilfreich. Durch die ganze Videotherapie in der Corona-Zeit haben wir ja alle an Medienkompetenz dazugewonnen. Und Dinge, die zuvor in der Kategorie „Wir-müssten-mal“ waren, sind plötzlich beschleunigt worden.

Wie stehen Sie zur elektronischen Verordnung?
Wenn es funktioniert, kann es für alle Beteiligten sicherlich gut sein. Allerdings werden wir jetzt ohnehin erst einmal abwarten müssen. Denn ab Sommer können ja erst einmal nur die Physiotherapeut*innen mitmachen – und das ist für eine Praxis wie die unsrige natürlich nicht sonderlich attraktiv.

Gesundheitsminister für einen Tag? Was würden Sie machen?
Also jetzt zu Corona-Zeiten würde ich den Job auf jeden Fall ablehnen (lacht). Aber im Ernst: Ich würde mich nach dem Prinzip des „Best cases“ am schwedischen Gesundheitssystem orientieren – inklusive Direktzugang.

Sind Sie zufrieden, wie Ihre Verbände Sie in der Politik vertreten?
Gemeckert wird ja immer gerne. Aber ich finde es erst einmal toll, wenn Menschen ihre freie Zeit für die Verbandsarbeit opfern und sich engagieren. Respekt für alle, die sich das antun! Da ich das selbst nicht mache, will ich mir eigentlich auch nicht das Recht herausnehmen, diese Arbeit zu kritisieren – zumal man ja wirklich sagen muss, dass sich die Rahmenbedingungen für uns Heilmittelerbringer*innen in den vergangenen Jahren durchaus verbessert haben.

Noch einmal auf Start – würden Sie alles nochmal genauso machen?
Unbedingt. Ich und mein Beruf sind eine echte Liebesbeziehung!


Gutekunst Therapien & Seminare
im thüringischen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

https://www.gutekunst-ts.de/


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