PRAXISnah: "Wir nutzen vermehrt die Online-Beratung und -Behandlung"

Kollegen über die Schulter schauen und voneinander lernen: Unter diesem Motto geben wir Einblicke in Besonderheiten anderer Praxen - diesmal mit Jutta Gärtner-Schiebold und Dustin Sippel in Ihrer Kinderphysiopraxis.

Das erste, was Sie morgens machen:
Der erste, der in die Praxis kommt, spricht sich erst einmal mit der Bürokraft ab, um den Tag zu planen. Ansonsten sind wir flexibel in unseren Praxiszeiten, da wir auch in Kitas, Schulen und Beratungsstellen arbeiten.

Was ist an Ihrer Praxis anders als in anderen Praxen?
Unsere Praxis ist eine kleine Villa Kunterbunt auf einem alten Krankenhausgelände in Hamburg-Barmbek. Dort behandeln wir ausschließlich Kinder und Jugendliche, vom Frühchen bis zum 18-Jährigen. Die Arbeit ist dabei ziemlich interdisziplinär und am besten mit dem Begriff Entwicklungsförderung zu umschreiben. Auch die Familienarbeit und -begleitung ist zum Beispiel ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit.

Wie wird Ihr Team zum „Dream-Team“?
Wir alle im Team bringen unterschiedliche Stärken und Fähigkeiten mit ein und wir haben viel Wertschätzung und gegenseitige Toleranz füreinander. Das ist am allerwichtigsten. Hinzu kommt der Humor, den wir alle allein schon durch unsere Arbeit mit den Kindern mitbringen. Der hilft in allen Lebenslagen.

Praxis-Outfit oder Freestyle?
Jeder kann bei uns anziehen was er will. Das ist für uns selbst wichtig, weil man mit seiner Kleidung auch die eigene Individualität zum Ausdruck bringen kann. Aber auch die Kinder sollen ja nicht denken, sie wären hier in einer sterilen Umgebung.

Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?
Wer bei uns arbeitet, fühlt sich in der Regel so wohl, dass er nicht wieder weggeht. Deshalb müssen wir selten jemanden suchen. Außerdem haben wir sehr viele Praktikanten, sodass sich dadurch auch mal öfter ein guter Kontakt ergibt.

Wie redselig sind Sie während der Behandlung: Smalltalk, intensive Gespräche oder Schweigen im Walde?
Nur weil man mit Kindern arbeitet, heißt es nicht, dass man die ganze Zeit miteinander reden müsste. Manchmal ist auch das sehr bewusste und stille Fühlen ganz wichtig, um den eigenen Körper wahrzunehmen. Das heißt, es kommt sehr auf die jeweilige Situation und den Patienten an.

Wie machen Sie Ihre Praxis regional bekannt?
Die Praxis ist sehr bekannt und beliebt und gut vernetzt. Sie hat eine schöne und informative Website. Andere Werbemaßnahmen nutzen wir nicht und brauchen es eigentlich auch nicht.

Wie gestalten Sie Ihre Mittagspause?
Das macht jeder bei uns nach Gusto. Ich gehe zum Beispiel gerne zwischendurch im Park spazieren.

Kartei-Karte oder Praxis-EDV – wie digital ist Ihre Praxis?
Wir sind da eher oldschool und machen noch viel mit Karteikarte und Bleistift-Eintrag im Kalender. Allerdings hat mein junger Kollege es sich zum Ziel gesetzt, dies in nächster Zeit zu ändern. Im Moment nutzen wir auch vermehrt die Möglichkeit der Online-Beratung und -Behandlung unserer Patienten, die zu Hause sind.

Facebook, Twitter oder Instagram?
Wir haben einen Facebook-Account, nutzen ihn aber kaum. Zum einen, weil wir – gerade mit Kindern – Datenschutzbedenken haben, zum anderen aber auch, weil uns dafür schlicht die Zeit fehlt.

Wie bleiben Sie fachlich up-to-date?
Jeder hält sich bei uns entsprechend der eigenen Interessen und Schwerpunkte selbst auf dem Laufenden – mit Fachzeitschriften und natürlich auch mit Fortbildungen.

Wie wichtig sind Fortbildungen für Sie?
Die sind natürlich wichtig. Letztes Jahr war zum Beispiel das Team zusammen in Berlin, um dort einen gemeinsamen Fortbildungstag zu machen. Das war sehr schön! Außerdem bilden wir selber fort, auch mit externen Dozenten, die wir zu unseren Team-Meetings einladen, oder durch Lehrgänge, wie den Bobath-Kurs.

Gesundheitsminister für einen Tag? Was würden Sie machen?
Uns ärgert am meisten, dass die entwicklungsbegleitende Arbeit mit Kindern und ihren Eltern so wenig bekannt ist. Das ist ein blinder Fleck in der Gesundheitslandschaft. Das würden wir natürlich gerne ändern, denn das Thema ist – gerade auch bildungspolitisch – wichtiger denn je.

Noch einmal auf Start – würden Sie alles nochmal genauso machen?
Ja, ich würde diesen Beruf wiederwählen. Er hat mich immer inspiriert. Ich habe aber während meiner 30 Berufsjahre noch parallel zwei Studiengänge absolviert – Sonderpädagogik und Gesundheitsmanagment –, und das ist eine sehr schöne Ergänzung.

Therapeut auch nach Feierabend?
Sobald man mit Kindern und Eltern zu tun hat, wird man natürlich um Rat gefragt. Allein mit meinen fünf Enkelkinder habe ich da einiges zu tun. Aber ich trenne auch nicht zwischen Beruf und Privatleben, beides gehört für mich zusammen.

Das letzte, was sie abends machen:
Irgendetwas zum Abschalten. Da hat ja jeder seine eigene Strategie. Dustin kocht zum Beispiel gerne und ich mache Yoga und Sport.

Die entwicklungsbegleitende Arbeit mit Kindern und ihren Eltern ist ein blinder Fleck in der Gesundheitslandschaft.
Jutta Gärtner-Schiebold, Physiotherapeutin in Hamburg

Kinderphysiotherapie Praxis Schiebold & Sippel
in Hamburg Barmbek

https://www.kinderphysio-barmbek.de/


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