Psychische Gefährdungsbeurteilung

Überstunden, fehlende Mittagspausen, Unterbezahlung, Einschränkungen in der Urlaubsplanung – all das kann unsere Mitarbeiter psychisch stark belasten. Wie können wir diese Belastungen erkennen, beurteilen und beseitigen?

Was belastet Ihre Mitarbeiter?

Durch den Fachkräftemangel in unseren therapeutischen Berufsgruppen ist Überlastung seit Langem ein großes Thema. Nicht nachbesetzte Stellen, Mittagspausen, die nicht genommen werden können, keine Lücken im Therapieplan, Überstunden ohne Aussicht auf Abbau, Urlaubseinschränkungen – die Liste ist lang. Zudem kämpfen unsere Berufsgruppen schon lange mit Taktung, Zeitmangel, Unterbezahlung, mangelnder Wertschätzung – alles Themen, die psychisch ebenfalls sehr belastend sein können. 

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber dazu, auf Basis einer Beurteilung die innerbetrieblich belastenden physischen (vgl. § 5 ArbSchG) und psychischen (vgl. § 5 ArbSchG, Ziffer 6) Arbeitsbedingungen zu ermitteln und zu beurteilen, welche Arbeitsschutzmaßnahmen zur umfassenden und ganzheitlichen Gesunderhaltung der Mitarbeiter erforderlich sind. Zudem steigt die Zahl der Arbeitnehmer, die wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben werden, die längerfristig arbeitsunfähig sind oder auch wegen einer psychischen Erkrankung in Frührente gehen müssen, seit einigen Jahren kontinuierlich. Diese Arbeitsunfähigkeitszeiten kosten Unternehmen viel Geld. Und nicht zuletzt ist Ihre sorgfältige Beschäftigung mit der psychischen Stabilität und Gesundheit Ihrer Mitarbeiter ein wichtiges Personalbindungsinstrument. 

Im Mitarbeitergespräch oder anonym

Psychische Belastung bei der Arbeit umfasst Arbeitsdichte, soziale Kontakte am Arbeitsplatz oder Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit. Aber auch Führungsverhalten, innerbetriebliche Information und Kommunikation, Arbeitsabläufe sowie Über- oder Unterforderung können individuell krankmachende Faktoren sein. 

Wie es Ihren Mitarbeitern geht, könnten Sie in den regelmäßigen Mitarbeitergesprächen herausfinden und Lösungen erarbeiten. Welche Grundbelastungen in Ihrem Betrieb prozentual relevant bestehen, lässt sich anonym mittels der psychischen Gefährdungsbeurteilung evaluieren. Sie ist auch ein Instrument der Prävention, denn Sie können durch frühzeitiges Handeln hoffentlich Erkrankungen Ihrer Mitarbeiter vermeiden, weil Sie bereits im Vorfeld geeignete Maßnahmen aus der Evaluation ableiten konnten. Sie zeigt dabei nicht nur bestehende Risiken, sondern auch Faktoren auf, die dazu beitragen, dass Beschäftigte auf Dauer gesund und motiviert bleiben. 

Wenn Sie sich die psychische Belastung anzusehen, ist dies kein Top-down-Prozess, denn alle Mitarbeiter müssen mitwirken und eingebunden sein. Anders als die physische lässt sich die psychische Belastung nicht objektiv messen, es existieren auch keine Grenzwerte. Ihre Beschäftigten sind hier Experten für ihre eigene subjektive Arbeitssituation. 

Im Internet finden Sie jede Menge Material, Leitfäden, Checklisten und Praxisbeispiele. 

Finden Sie heraus, ob Ihre Mitarbeiter psychisch belastet sind und wenn ja, wie hoch. Ist die Zufriedenheit groß, hält das alle gesund.

Gut planen – und dann dranbleiben

Sie können auch eigene schriftliche Befragungen erarbeiten, Beobachtungen und Interviews durchführen oder einen moderierten Workshop als Methode wählen: Immer sind gute Planung, Vorbereitung, interne Kommunikation und die Folgemaßnahmen entscheidend. Wenn Sie die psychische Belastung erfragen, wecken Sie Erwartungen, dass Sie auch bereit sind, bestehende Belastungen zu verringern. Bleiben später Ergebnisse und Verbesserungen aus, führt die Enttäuschung darüber zu einer neuen psychischen Frustration. 


Bereiche, die Sie als Praxisinhaber interessieren sollten:

•    Arbeitsinhalte und -aufgaben – z. B.: Haben Ihre Mitarbeiter Handlungsspielräume hinsichtlich der Entscheidung für Arbeitsmethoden und -verfahren?
•    Verantwortung – z. B.: Sind Kompetenzen und Verantwortlichkeiten klar geregelt?
•    Qualifikation – z. B.: Passen die Tätigkeiten zu den Qualifikationen der Mitarbeiter? 
•    Arbeitszeit – z. B.: Können die Mitarbeiter ihre Pausen tatsächlich wahrnehmen?
•    Arbeitsabläufe – z. B.: Sind Arbeitstempo und -intensität häufig hoch, herrscht Zeit- und Leistungsdruck?
•    Kommunikation und Kooperation – z. B.: Werden in Ihrem Betrieb regelmäßig Teambesprechungen durchgeführt?
•    Soziale Beziehungen – z. B.: Wird die gegenseitige Wertschätzung innerhalb des Teams gefördert?
•    Führung – z. B.: Werden Entscheidungen transparent gemacht?
•    Arbeitsumgebung – z. B.: Ist die Raumtemperatur individuell regelbar?

 

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