Ratgeber Wirtschaft - Praxisanalyse

Teil zwei der Serie „Ratgeber Wirtschaft“ mit Praxisinhaber und Diplom-Kaufmann Rainer Klaeren. Diesmal: Was ist eine Praxisanalyse? Und was bringt sie mir?

Fast ein Viertel aller Physiotherapeuten in Deutschland sind in einer eigenen Praxis selbstständig. Plötzlich sind sie nicht nur Therapeut, sondern auch Inhaber und Unternehmer. Neben der Therapie stehen dann auch Themen wie Betriebswirtschaft, Personal- und Praxisführung auf der Agenda. In einer Serie beschreibt Praxisinhaber und Diplom-Kaufmann Rainer Klaeren, wie Sie Ihre Therapiepraxis unter Einbezug wirtschaftlicher Faktoren führen.

Im zweiten Artikel steht die Praxisanalyse im Mittelpunkt. Anhand von Kernfragen wird beschrieben, wie Sie ungenutztes Potential erkennen und so Ihre Praxis nach vorne bringen. Die Fragen können sich auch schon Existenzgründer stellen. Denn je genauer man seine Ziele kennt, desto einfacher wird deren Umsetzung am Ende sein.

Ratgeber Wirtschaft

Die Serie und die Themen im Überblick: 

  • Teil 1: Wirtschaftliche Grundlagen einer Praxisgründung
  • Teil 2: Praxisanalyse
  • Teil 3: Differenzierung
  • Teil 4: Fünf Tipps für höhere Wirtschaftlichkeit
  • Teil 5: Liquidität
  • Teil 6: Gehalt
  • Teil 7: Externe Experten
  • Teil 8: Investitionen
 

Steigen wir mit der Frage ein, was eine Praxisanalyse beinhaltet. Im Grunde gibt es drei Bausteine, die jede Praxisanalyse umfasst:

  • Status Quo – Wo stehe ich mit meiner Praxis?
  • Zieldefinition – Wohin möchte ich mit meiner Praxis?
  • Instrumente – Wie kann ich meine Ziele erreichen?

Diese drei Fragen bilden die Grundlage jeder Praxisanalyse. Denn auch, wenn Sie denken, dass Sie den Status Quo Ihrer Praxis kennen, kann dieser Eindruck täuschen.

Das Ziel der Praxisanalyse

Sie haben die drei Fragen beantwortet, aber wissen noch nicht so recht, was Ihnen das bringen dann? Dann lassen Sie uns genauer beleuchten, was das Ziel der Analyse ist. Das lässt sich in einer Kernfrage zusammenfassen:

Was ist meine Praxis und die Arbeit für andere wert?

Das Ziel ist also, zu ermitteln, inwieweit Ihre Arbeit einen Mehrwert für andere bietet. Denn erst, wenn Sie sich in die Situation Ihrer PatientInnen hineinversetzen, können Sie das gesamte Potential erkennen und ausschöpfen. Dabei hilft der heutige Artikel, indem wir aufzeigen, welche Faktoren in einer Praxisanalyse wichtig sind.

Praxistipp
Denken Sie weiter! Ermitteln Sie alle Antworten und Werte immer so, dass sie auch für Dritte (Banken, Steuerberater, Mitarbeiter, potentielle Bewerber etc.) nachvollziehbar sind. Das wird Ihnen auf lange Sicht helfen, eine Praxis aufzubauen, die ihr Potential ausschöpft.

Um das Ziel der Praxisanalyse zu erreichen, helfen belastbare Angaben und Zahlen. Sammeln Sie also alle Kennzahlen, die Ihnen dabei helfen.

Praxistipp
Kennen Sie die Anteile PKV und GKV in Ihrem Patientenstamm? Als Optica-Kunde erhalten Sie diese Statistiken mit jeder Abrechnung. Optica nimmt Ihnen also nicht nur die Abrechnung ab, sondern hilft Ihnen mit Analysedaten auch langfristig dabei, Ihre Potentiale auszuschöpfen. Alle Informationen finden Sie hier.

Bestandteile der Praxisanalyse

Geklärt haben wir also schon, worauf die Praxisanalyse zielt und welche Grundfragen Sie sich stellen sollten. Jetzt geht es darum, sich alle Bereiche der Analyse anzuschauen. Denn nur mit den Grundfragen ist eine detaillierte Analyse nicht möglich.

Alle Bestandteile:

  • Räumlich (Standort, Größe, Zulassung, Vorschriften, Behinderte)
  • Personal (Fachbereiche: Physio, Masseur, Ergo, Logo, Sportlehrer, andere, Verwaltung)
  • Inhaltlich (Zulassungen, Kurse, Igelleistungen)
  • Zuweiser (Ärzte, Kliniken, Heilpraktiker, …)
  • Administrativ (EDV, Banken, Abrechnungszentrum, Steuerberater, Rechtsanwalt, Leasing, Versicherung, Verträge)
  • Fakultativ (Reinigung, Wäscherei, Fahrdienst, IT, …)

Und so analysieren Sie diese Bereiche. Erstellen Sie dazu eine Prioritätenliste und schreiben Sie genau auf, was Sie haben und was Ihnen in Ihrer Praxis fehlt. Prioritätenliste heißt auch, dass Sie als ersten Punkt listen, was für Sie am wichtigsten ist.

So kann eine Prioritätenliste aussehen:

  • Berufsqualifikation …
  • (Pot.) Mitarbeiter/innen
  • Räumlichkeiten
  • Zulassungen
  • Zuweiser / Patientenstamm
  • Finanzen
  • Verwaltungs-/Abrechnungs Know How
  • Timetable
  • Businessplan
  • Standortanalyse / Konkurrenzanalyse
  • ….
Praxistipp
Ergänzen Sie die Liste! Jeder Praxis ist individuell. Deswegen ergänzen Sie alle Punkte, die Ihnen relevant erscheinen.

Prioritätenliste erstellt? Toll, dann folgt jetzt die Auswertung der Antworten. Wenn Sie Ihre Prioritätenliste durchgehen, sollten Ihnen Punkte auffallen, die Sie nicht oder nur unzureichend beantworten konnten. An diesen Stellen haben Sie also Handlungsbedarf. Es ist also an der Zeit, geeignete Instrumente zu definieren, wie Sie diese Aspekte verbessern können. Gerne würden wir an dieser Stelle eine Liste mit Instrumenten vorstellen, aber diese ist so individuell wie jede Praxis.

Deswegen helfen vielleicht folgende Praxisbeispiele:

Beispiel 1:

Meine Räumlichkeiten sind schön und günstig in der Miete, aber es gibt im Umfeld keine Zuweiser und Patienten.

Mögliche Instrumente:

  • Werbung für meine Praxis
  • Neue Räumlichkeiten suchen
  • Eigene Rezepte (Heilpraktiker o.ä.)
Beispiel 2:

Um meine Kosten zu decken und meine Praxis weiterzuentwickeln benötige ich einen Mindestumsatz von XX,- €. Zudem möchte ich gerne im Monat XX Euro verdienen.

Mögliche Instrumente:

  • Analysieren Sie Ihre Kosten
  • Analysieren Sie Ihren Umsatz, um zu erfahren, wie viele Behandlungen am Tag nötig sind.
  • Nutzen Sie den Service einen Abrechnungszentrums, um monatlich eine Aufstellung über die Einnahmen und Statistiken zu erhalten.

Sie merken, die Praxisanalyse ist ein Werkzeugkoffer, der für jeden Inhaber/Gründer/Therapeuten individuell bestückt ist. Gehen Sie also in sich und seien Sie ehrlich. So trägt die Analyse am Ende die gewünschten „Früchte“.

Zusammenfassung
 
  • Eine Praxisanalyse besteht aus drei Bausteinen:
    - Status Quo
    - Ziele
    - Instrumente
  • Definieren Sie eine Prioritätenliste
  • Leiten Sie geeignete Instrumente ab
  • Setzten Sie die Instrumente gezielt ein und überprüfen Sie deren Auswirkung regelmäßig
 
Sie haben Fragen?

Rainer Klaeren ist Diplom-Kaufmann, Unternehmensberater, Inhaber eines ambulanten Rehabilitationszentrums und Autor. Viele Dispziplinen möchte man meinen, aber damit kennt er sich als ehemaliger deutscher Meister im Triathlon bestens aus. Von seiner fachlichen Beratung profitierte auch schon Henry Maske. Anfragen gerne per Mail an RKlaeren@web.de 


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