„Roboter können den Therapeuten helfen“

Der Ergotherapeut Michael Laborn ist einer der Pioniere der robotergestützten Therapie. In vielerlei Hinsicht sei sie der konventionellen haushoch überlegen.

Was für Patienten kommen zu Ihnen?
Vor allem Patienten, bei denen einzelne Bereiche des Gehirns – zum Beispiel durch einen Schlaganfall oder durch eine Hirnblutung – geschädigt wurden und die deshalb ihre Arme und Hände nicht mehr oder nur eingeschränkt bewegen können. Heute weiß man nämlich, dass Nervenzellen und auch die Verbindungen zwischen den Nervenzellen in der Lage sind, ihren Aufbau zu verändern, um Funktionen von anderen Bereichen zu übernehmen. Die Voraussetzung hierfür ist jedoch ein für das Gehirn ausreichend hoher Input. Durch eine konventionelle Therapie ist dieser Input jedoch kaum möglich.

Deshalb setzen Sie auf eine robotergestützte Therapie?
Genau, wir müssen einfach akzeptieren, dass Roboter manches besser können als wir Menschen. Deshalb haben wir zehn Roboter-Assistenzsystem zum Training der oberen Extremitäten bei uns im Einsatz. Mit ihnen kann man die Neuroplastizität des Gehirns wieder anregen. Das Entscheidende dabei ist, dass die Roboter eine extrem hohe Anzahl an wiederholenden Übungen ausführen. Mit unserem Handroboter macht der Patient zum Beispiel in einer halben Stunde rund tausend.

Handelt es sich bei den Übungen nur um einfache Bewegungsabläufe, wie man sie von einem normalen Gerätetraining kennt?
Nein, die Roboter sind im Vergleich dazu Hightech. Sie bieten alle unterschiedliche Programme, die nicht nur verschiedene Übungen ermöglichen, sondern sich auch individuell auf jeden Patienten einstellen. Allerdings haben solche Roboter natürlich auch ihren Preis: Pro Roboter-System müssen Sie mit rund 70.000 Euro rechnen.

Apropos: Muss der Patient für die Kosten der Behandlung selbst aufkommen?
Die privaten Krankenkassen, die Unfallversicherungen und die Berufsgenossenschaften zahlen die Behandlung in der Regel. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt nur eine normale ergotherapeutische Behandlung, eine Stunde am Tag. Eine Intensivtherapie mit Robotern, wie sie besonders sinnvoll ist, bezahlen sie nur im Einzelfall. Dabei gibt es unzählige Studien, die belegen, dass eine robotergestützte Therapie sinnvoll ist.

Werden (menschliche) Therapeuten durch die Roboter arbeitslos?
Ganz und gar nicht. Ein Therapeut ist bei der Behandlung immer dabei.


Mehr zum Thema Roboter im Praxisalltag lesen Sie hier.


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