„Social Media rechnet sich“

Die Physiotherapeutin Paula Thomson verdient ihr Geld als Influencerin, Bloggerin und Autorin. Ein lohnendes Geschäftsmodell?

In Ihren kurzen Instagram-Videos zeigen Sie unter anderem Fitnessübungen – kostenlos. Ein Trainer bekommt normalerweise dafür Geld. Wie ist Ihr Geschäftsmodell?
Ich finanziere mich im Wesentlichen über Werbung aus dem Sport-, Ernährungs- und Gesundheitsbereich, zum Beispiel für Produkte von Arzt. Daneben biete ich aber auch für Privatkunden Trainings- und Ernährungspläne sowie Personal Coachings an.

Sie sind ausgebildete Physiotherapeutin; ein Beruf, mit dem man bekanntlich nicht ganz so leicht reich werden kann. Ist der Beruf einer Fitness-Influencerin in dieser Hinsicht erfolgversprechender?
Das kann man schwer verallgemeinern, weil das von extrem vielen Faktoren abhängig ist – von der Strategie und Zielgruppenorientierung, aber auch von den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Auf jeden Fall ist aber der Unterschied, dass Erfolg und Verdienst nach oben hin nicht von vorneherein durch irgendwelche Krankenkassensätze und Vergütungsordnungen limitiert sind.

Sie haben mehr als 30.000 Abonnenten auf Instagram. Das ist eine Menge. Internationale Fitness-Stars wie Michelle Lewin oder Tammy Hembrow werden aber von mehr als 10 Millionen Menschen abonniert. Sind das für Sie Vorbilder?
Nein. Für mich persönlich wäre das Ziel, so viele Abonnenten zu bekommen, völlig unrealistisch. Dafür bräuchte ich eine viel breitere Zielgruppe. Ich bediene nämlich vor allem die Nische der Frauen mit schwierigem Essverhalten, denen ich mit einfachen Trainings- und Ernährungstipps helfen kann. Damit spreche ich viele Menschen an, aber keine solchen Massen.

Sie nutzen als Plattformen Instagram und Pinterest, weniger Facebook und Twitter. Wieso?
Das hat auch was mit der Zielgruppe zu tun. Auf Pinterest sind viele Frauen zwischen 25 und 40 Jahre unterwegs und Instagram hat vor allem ein junges Publikum im Gegensatz zu Facebook. Beide sind zudem zwei sehr visuelle Plattformen, was mir sehr entgegenkommt, von denen man dann aber auch gut auf meinen Blog verweisen kann.

Die meisten Praxisinhaber sind in den sozialen Netzwerken eher inaktiv – weil es sich für sie nicht direkt auszahlt. Nachvollziehbar?
Social Media ist definitiv inzwischen eine riesige Chance, um neue Kunden zu gewinnen. Insbesondere dann, wenn man sich als Therapeut spezialisiert hat und gezielt bestimmte Gruppen ansprechen will. Oder auch, wenn man sich ein zweites Standbein aufbauen und vielleicht auch mehr an die Zielgruppe der Privatzahler heran möchte. Auf der anderen Seite will ich aber auch nicht leugnen, dass es ein sehr großer Zeitaufwand ist, wenn man es gut machen will. Ich kann allerdings jeden nur dazu ermuntern: Langfristig zahlt sich das auf jeden Fall aus und es macht sehr viel Spaß.

Was war Ihr persönlicher Beweggrund, diesen Weg einzuschlagen?
Ich habe das anfangs nur als Hobby neben meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich aus meiner Leidenschaft auch einen Beruf machen kann. Es hat funktioniert.


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