Umgang mit Angst

Die Corona-Pandemie ist für viele Menschen eine Herausforderung, denn plötzlich ist alles anders. Und diese Situation macht Angst. Sei es Angst vor der Krankheit oder Existenzangst. Doch was können Sie dagegen tun?

Ruheinseln schaffen

Die Corona-Pandemie ist für die meisten Menschen eine echte Herausforderung. Von heute auf morgen war alles anders, und seither müssen in einem regelmäßigen Rhythmus immer wieder neue Regelungen angepasst werden: Pädiatrie vormittags, weil die Kinder zu Hause sind, dann wegen des Homeschoolings  doch wieder zu anderen Zeiten, möglichst nicht parallel zu Risikopatienten in der Praxis. Dann gehen die Kinder wieder in die Schule, also wieder ältere Patienten auf den Vormittag legen, um die Kontakte so gering wie möglich zu halten. Inzwischen sind wir erfahrene Hygienefachkräfte, planen Zeiten für Desinfektion und Durchlüftung und hören bereits am Telefonklingeln, ob es bei dem Anrufer womöglich schon wieder um eine kurzfristige Absage wegen Quarantäne oder zumindest Erkältungssymptomen ist. 

In den vergangenen Wochen sind natürlich auch meine Coachings und Begleitungen der Praxisinhaber in die virtuelle Welt der Begegnung verlegt worden. So hatte ich trotz allem mit vielen von Ihnen Kontakt. Jeden von Ihnen habe ich gefragt, was das augenblicklich am meisten Belastende ist. Diese Umfrage ist natürlich nicht repräsentativ, jedoch haben mir viele berichtet, dass sie sich große Sorgen machen. Manche von Ihnen benennen es ganz offen: Angst. 

Angst hindert uns daran, überlegte Entscheidungen zu treffen. Unsere sozialen Fähigkeiten leiden unter dem Einfluss von Angst, auch unsere Führungskompetenzen. Dabei hat nicht jeder die gleiche Angst. Viele Konflikte entstehen gerade dadurch, dass die eigene Angst wichtiger und bedrohlicher erscheint als die Ängste des Gegenübers. Viele Sorgen meiner Klienten bezogen sich auf die geringe Möglichkeit, längerfristig zu planen. Ebenso natürlich die wirtschaftlichen Sorgen, wenn man betrachtet, wie viele Behandlungen ausfallen, selbst wenn wir sehr gut planen und strukturieren. Eine leitende Logopädin in einer Praxis aus Bonn berichtet, dass es immer wieder vorkommt, dass Eltern vormittags den Termin des Kindes am Nachmittag absagen müssen, da es in der Klasse einen positiv Getesteten gegeben habe, weshalb sie nun in Quarantäne sind. Solche Situationen machen Ängste, finanzielle Ängste! Andere berichteten davon, dass Sie sich sorgen, alle Hygieneregeln einzuhalten und trotzdem einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt zu sein. Oder es besteht die Sorge, dass sich ein Mitarbeiter nicht ausreichend an die Vorgaben hält und so die Ansteckungsgefahr mit allen möglichen Konsequenzen erhöht. Zwischen diesen beiden Polen der Emotion Angst – der Angst vor Krankheit und der Existenzangst – ließen sich im Verlauf der Gespräche alle irgendwo einsortieren, je nachdem, welcher Faktor stärker ausgeprägt war. Was können wir nun tun? 
 

Auf Ihrer ganz persönlichen Insel der Ruhe können Sie abschalten und durchatmen, die belastenden Dinge des Alltags ausblenden, sich auf alles Positive konzentrieren und so die Kraft schöpfen, die Sie brauchen, um Ihren Ängsten zu begegnen.


Schritt 1: Wahrnehmen und skalieren
Ängste können unterschiedlich ausgeprägt sein. Was macht Ihnen Angst? Wo liegen Ihre Sorgen? Was spielt sich in Ihrem Kopfkino ab? Welche Horrorszenarien finden dort ihre Bühne? Welche Bilder haben dort die Führung übernommen? Sind es finanziell existenzielle Ängste? Wie skalieren Sie diese mit Werten zwischen 1 und 5? Sind es gesundheitliche Ängste geprägt von Ängsten vor Ansteckung, Beatmung, Leid? Und wie hoch bewerten Sie diese Ängste auf einer Skala von 1 bis 5? Vermutlich können Sie jetzt schon wahrnehmen, dass sich die zwei Werte unterscheiden. Beide haben ihre Berechtigung und zeigen zunächst einmal den Ist-Zustand. 

Schritt 2: Ruhe finden
Niemand hat die ganze Zeit die gleiche Angststärke. Wir müssen etwas tun, um Angst zu haben. Wir müssen uns darüber Sorgen „machen“. Durch Bilder, Nachrichten zum jeweiligen Thema, also durch Fokussierung sorgen wir dafür, die Angst auf einem möglichst hohen Level zu halten. 
Schaffen Sie kleine und kleinste Inseln der Ruhe und des Atmens für sich und Ihre Mitarbeiter. Warum nicht mal eine Teamsitzung in einen Spaziergang verwandeln? Einfach mal gemeinsam gehen, ohne zu sprechen. Die Zeit nutzen und darüber nachdenken, was alles gut funktioniert. Nach dem Gang alles auf ein großes Papier schreiben und im Gemeinschaftsraum aufhängen. Tut gut!
Zu sehen und wahrzunehmen, was genau meine Ängste sind, die Verantwortung dafür zu übernehmen und sich ihnen nicht ausgeliefert zu fühlen und kopflos zu agieren, ist zurzeit erste Führungspflicht. Nehmen wir dann auch noch all unsere Empathie und Kompetenz zusammen, um die Ängste der anderen zu sehen, auch wenn sie nicht die eigenen sind, können wir uns gegenseitig tatsächlich unterstützen. Schließlich sind Ängste nicht nur evolutiv wichtig, sondern erst die Ängste schaffen die Gelegenheit für Mut. 


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