Videotherapie: „Das ist eine extrem sinnvolle Ergänzung“

Die Sprechtherapeutin und Logopädin Ariane Willikonsky setzt sich schon lange für die Videotherapie ein. Jetzt hofft sie auf ein Umdenken bei den Kassen.

Seit 1. Juli können Sie die Videotherapie nicht mehr abrechnen. Ihre Reaktion?
Das ist wirklich sehr, sehr schade. Das hatte sich gerade sehr gut eingespielt und wir konnten damit zumindest ein wenig unsere Einnahmeausfälle kompensieren. Und jetzt stehen wir wieder vor dem gleichen Problem. Vor allem haben wir aber auch viele Patienten, die das gerne weitermachen würden. Und sehr viele Patienten, die das eigentlich auch weitermachen müssten! Denn die Corona-Pandemie ist ja nicht vorbei und wenn man zur Risikogruppe gehört, ist es ja nach wie vor nicht unbedingt sinnvoll, in die Praxis zu kommen.

Das heißt, man kann jetzt nur hoffen, dass der Corona-Spuk möglichst schnell vorbei ist?
Ja. Allerdings haben uns die drei Monate, in denen die Videotherapie möglich waren, ja auch gezeigt, dass sie völlig unabhängig von Corona eine extrem sinnvolle Ergänzung ist. Übrigens auch für die Kassen! Denn ich bin fest davon überzeugt, dass sie mit ihr sogar Geld sparen könnten, weil die Therapie dann viel kontinuierlicher stattfinden könnte. Sonst haben wir ja immer wieder die Situation, dass ein Patient krankheitsbedingt für eine längere Zeit nicht kommen kann und wir danach wieder quasi von vorne anfangen müssen.

Apropos Geld sparen: Manch ein Therapeut war anfangs auch skeptisch, weil er Angst hatte, die Kassen könnten die Videotherapie schlechter vergüten wollen.
Aber warum sollten sie das tun? Eine Videotherapie ist ja nicht weniger aufwendig. Im Gegenteil: Man muss sie sogar eher noch besser vorbereiten und die Therapie selbst ist auch eher intensiver. Trotzdem gab es diese Ängste bei manch einem Kollegen, genauso wie die Befürchtung, eine solche Therapie könnte gar nicht richtig funktionieren. Ich finde es schade, wenn man sich den neuen technischen Möglichkeiten verschließt, ohne sie ausprobiert zu haben.

Sie selbst haben schon recht früh die Möglichkeit zur Videotherapie gefordert. Wie waren die Reaktionen?
Anfang März – also noch kurz vor dem Lockdown – habe ich in der Facebook-Gruppe der logopädischen Praxisinhaber ein Video gepostet habe, in dem ich meine Kollegen aufforderte, sich gemeinsam für die Videotherapie stark zu machen. Die Reaktionen waren überwiegend negativ und der Umgangston nicht wertschätzend, sodass ich aus der Gruppe ausgetreten bin. Positive Reaktionen bekam ich jedoch von einer Verbandsvorsitzenden, die sich dann letztlich auch dafür stark gemacht hat.

Und wie waren die Reaktionen in Ihrer eigenen Praxis?
Auch bei uns gibt es Mitarbeiter, die überhaupt nichts damit anfangen können und dann auch nicht damit klar kamen. Das ist aber völlig in Ordnung, schließlich wird ja niemand gezwungen, so zu arbeiten. Die meisten Kollegen sind von der Videotherapie aber ziemlich begeistert, zumindest nachdem sie sie ausprobiert haben. Sie sehen, was alles online möglich ist – selbst die Behandlung von Störungsbildern, die man vorher nicht für möglich gehalten hat. Und sie sehen die spezifischen Vorteile der Videotherapie: Zum Beispiel, dass man durch sie ja plötzlich einen viel intensiveren Einblick in das Umfeld und den Alltag der Patienten bekommt, weil man ja quasi direkt in das Wohnzimmer hineinschaut.

Das heißt, auch Ihre Mitarbeiter würden gerne so weiterarbeiten?
Einige auf jeden Fall! Eine Mitarbeiterin hatte am Ende drei volle Homeoffice-Tage, an denen sie von morgens bis abends nur Videotherapie gemacht hat. Das ist übrigens eine Sache, die in der ganzen Diskussion noch völlig außeracht gelassen wird: Auch für uns Therapeuten und für unser ganzes Berufsbild wäre die Möglichkeit zur Videotherapie eine sinnvolle und praktische Ergänzung. Denn schließlich haben viele von uns zuhause kleine Kinder oder zu pflegende Angehörige. Für sie alle wäre die Möglichkeit, ab und zu im Homeoffice arbeiten zu können, ebenfalls äußerst attraktiv.

Dann heißt es jetzt also für Sie Daumendrücken, dass die Verhandlungen zur Videotherapie zu einem positiven Abschluss kommen?
Auf jeden Fall! Dann würden bei uns die Sektkorken knallen.


Mehr zur Fortsetzung der Videotherapie lesen Sie hier.


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