Was Mitarbeitern Freude macht

Gehälter in der Therapiebranche sind an die Zuwendungen der Krankenkassen gebunden, daher lassen sie sich nicht beliebig erhöhen. Doch Zusatzleistungen sind möglich. Und davon gibt es mehr, als viele Praxisinhaber denken

Wenn es darum geht, abseits einer Gehaltserhöhung die Leistungen ihrer Mitarbeiter zu honorieren, werden manche Praxisinhaber kreativ. Möglichkeiten gibt es viele: „Wir bieten unseren Mitarbeitern einen Gesundheitszuschuss von 500 Euro pro Jahr an“, berichtet Lars Hermes, einer der Geschäftsführer von Theralingua. Mit ihren acht Standorten in Hamburg, Norderstedt und Berlin gehört die Praxis für Logopädie zu den größeren ihrer Branche. „Unsere Mitarbeiter können den Gesundheitszuschuss nutzen, um einen Yogakurs, eine Rückenschule, Raucherentwöhnung oder Ähnliches zu besuchen.“ Die Anbieter der Kurse müssen zertifiziert sein, dann ist der Zuschuss für den Mitarbeiter steuerfrei.

Allerdings sei der Zuspruch bisher zurückhaltend. „Vielleicht ist es den Mitarbeitern zu kompliziert, einen Kurs herauszusuchen und zu absolvieren“, mutmaßt Hermes. Er hat eigens einen Workshop besucht, um sich über mögliche zusätzliche Gehaltsbestandteile zu informieren. Denn er wollte die Leistung seiner Angestellten besser honorieren, aber dabei innerhalb der Möglichkeiten einer logopädischen Praxis bleiben. „Wir zahlen einen Fahrtkostenzuschuss für jeden“, erklärt Lars Hermes. 50 Euro erhält jeder Mitarbeiter, unabhängig davon, ob er mit dem Rad oder dem Auto kommt und ob er in der Nähe der Praxis oder weit entfernt lebt. „Der Fahrtkostenzuschuss ist für den Empfänger teilweise steuerfrei“, betont Hermes. Der zu versteuernde Anteil hängt von der jeweiligen Entfernung zum Arbeitsplatz ab. Einen weiteren Bonus, den Hermes seinen Mitarbeitern einräumt, ist ein Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge. „Davon merken die Mitarbeiter im Moment nichts, aber später im Leben wird das wichtiger“, erklärt der Theralingus-Geschäftsführer. Er möchte, dass seine Therapeuten gut abgesichert sind.

Gutscheine als steuerfreie Zuwendungen

Kurzzeitig hatte Hermes erwogen, Essensgutscheine einzuführen. Doch die Anbieter der Gutscheine behielten eine Provision für sich, sodass nicht das gesamte Geld, das Theralingua dafür aufwendet hätte, bei den Mitarbeitern auch angekommen wäre. Gutscheine für ein Essen im Wert von 3,30 Euro täglich gelten als Sachwerte, die der Mitarbeiter steuerfrei erhalten kann. Der Arbeitgeber versteuert pauschal 25 Prozent des Werts – dies kommt oft günstiger als eine entsprechende Gehaltserhöhung. Neben Essensgutscheinen sind auch Einkaufsgutscheine in einer Höhe bis zu 44 Euro pro Monat steuerfrei. Diese kann man in vielen Onlineshops einlösen.

Weitgehend unbekannt scheint noch die Möglichkeit, dass der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine Erholungsbeihilfe zahlt. Pro Kalenderjahr können 156 Euro pro Arbeitnehmer sowie weitere Beträge für dessen Ehepartner und Kinder gewährt werden, ohne dass darauf Steuern anfallen. Fortbildungen können ebenfalls bezuschusst werden, sofern der Inhalt der Qualifizierung in einem Zusammenhang mit der aktuellen Tätigkeit steht.

Neben Zuschüssen sind auch Sachleistungen möglich: So können Arbeitgeber ihren Angestellten E-Bikes, E-Scooter oder E-Autos sowie Hybridmodelle, die für die Arbeit benötigt werden, auch in ihrer Freizeit überlassen. Die E-Mobilität wird derzeit mit üppigen staatlichen Zuschüssen gefördert. Achtung, hier muss ein Überlassungsvertrag die Grundlage der Vereinbarung sein. Gleiches gilt für die private Nutzung von Dienst-Handys und Laptops.

Angesichts der Einkommenssteuersätze ist für viele Angestellte eine Zusatzleistung günstiger als eine Gehaltserhöhung, von der netto nicht viel übrig bleibt. „Wenn ich zum Beispiel 100 Euro brutto mehr an Lohn zahle, kommt bei vielen Mitarbeiterinnen nur 50 Euro an – je nach Steuerklasse“, rechnet Lars Hermes vor. Er ist froh, für Theralingua andere Lösungen gefunden zu haben, und sieht auch ein positives Feedback der Angestellten. Allerdings geht er davon aus, dass er damit niemanden überzeugen kann, sich bei ihm zu bewerben. „Für die Gewinnung geeigneter Kandidaten setze ich lieber auf eine gute Atmosphäre in der Praxis – das spricht sich herum“, betont Hermes.

Kinderbetreuung bezuschussen

In vielen Gemeinden ist die Kinderbetreuung sehr kostspielig. Arbeitgeber können einen Zuschuss zahlen, egal ob die Kinder in eine Kita oder zu einer Tagesmutter gehen. Eine Betreuung durch Familienmitglieder zu Hause kann jedoch nicht bezuschusst werden. Der Arbeitgeberzuschuss ist nicht gedeckelt. Die Kinder müssen jünger als sechs Jahre sein. Ein Arbeitgeberzuschuss zu den Kosten für die Kinderbetreuung kann es Angestellten erleichtern, wieder ins Berufsleben zurückzukehren.

Lesen Sie mehr zum Thema im Online-Interview mit der Logopädin und Fachwirtin im Sozial und Gesundheitswesen Ann-Kathrin Schäfer unter www.optica.de/schaefer


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