WAT-Gutachten: GKV-Preise müssen um bis zu 92 % steigen

Die Ergebnisse des WAT-Gutachtens liegen vor: Eine wirtschaftliche Praxisführung ist demnach nur mit einer deutlich höheren Vergütung möglich. Der teils erhebliche Verwaltungsaufwand muss Berücksichtigung finden.

Das Institut für Wirtschaftsökonomik (IfG) hat gemeinsam mit den beteiligten Heilmittelverbänden die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsanalyse ambulanter Therapiepraxen (WAT-Gutachten) vorgestellt. Das Gutachten wurde vom IfG im Auftrag von elf maßgeblichen Verbänden der Heilmittelbereiche Ergotherapie, Physiotherapie, Podologie und Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie im Oktober und November 2019 durchgeführt. Ziel war die Schaffung einer betriebswirtschaftlichen Grundlage für die Verhandlung einer leistungsgerechten und wirtschaftlichen Heilmittelversorgung, wie sie das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vorgibt. Dazu wurden insgesamt 3294 Fragebögen ausgewertet. Das entspricht 6,5 % der Grundgesamtheit aller registrierten 61.881 Heilmittelpraxen. Damit können die erhobenen Daten über die betriebswirtschaftlichen Zahlen aus dem Jahr 2018 laut IfG als „repräsentativ für die in der Befragung relevanten Merkmale“ angesehen werden. Sie vermitteln also ein typisches Bild der Vergütungssituation. 

Die wichtigsten Ergebnisse des WAT-Gutachtens im Überblick: 

  • In allen Heilmittelbereichen ist ein deutlicher Fachkräftemangel zu verzeichnen.
  • Für Verwaltungstätigkeiten fällt ein enormer Arbeitsaufwand an, der in der Vergütung Berücksichtigung finden muss.
  • Derzeit bleibt der erzielbare Überschuss mit der Behandlung von GKV-PatientInnen deutlich hinter einem angemessenen Einkommen für PraxisinhaberInnen zurück. (Der Berechnung eines angemessenen Gehalts wurde ein ArbeitnehmerInnen-Entgelt gemäß Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst in der Entgeltgruppe 10, Stufe 6 zugrunde gelegt.)
  • Um die Lücke zwischen derzeitigem Überschuss und einem angemessenen Einkommen zu schließen, müssen die GKV-Preise in der Ergotherapie um 22% erhöht werden, in der Physiotherapie um 24%, in der Logopädie und Sprachtherapie um 49% und in der Podologie gar um 72%. 
  • Eine langfristig wettbewerbsfähige Vergütung der angestellten TherapeutInnen bedeutet eine weitere Anhebung der GKV-Preise zwischen 13 % und 39 %.
  • Insgesamt müssen die GKV-Preise also für ein angemessenes InhaberInneneinkommen und eine konkurrenzfähige MitarbeiterInnenvergütung je nach Heilmittelbereich zwischen 42 % und 92 % steigen.

Flächendeckende Versorgung bei derzeitigem Preisniveau nicht haltbar
Die beteiligten Verbände kommen im Rahmen des WAT-Gutachtens und mit Blick auf die anstehenden Vergütungsverhandlungen zu dem Schluss, dass eine flächendeckende Versorgung nicht aufrechterhalten werden kann, wenn die derzeitige Vergütungsstruktur beibehalten wird. Dann würden Zentralisierung und Kommerzialisierung drohen: Vor allem kleinere Praxen würden durch Ketten ersetzt und es drohe Monopolbildung. Praxen in ländlichen Regionen könnten nicht länger wirtschaftlich betrieben werden und würden zugunsten von Großpraxen in den Städten verdrängt. 

TSVG gibt leistungsgerechte und wirtschaftliche Vergütung vor
Den gesetzlichen Ramen für die Vergütungsverhandlungen gibt § 125 Abs. 3 des TSVG vor: Demnach soll im Ergebnis langfristig eine flächendeckende Heilmittelversorgung in Deutschland sichergestellt werden. Die Ergebnisse des WAT-Gutachtens erlauben einen validen Einblick in die derzeitige wirtschaftliche Situation der Heilmittelpraxen und bilden nun die Basis für die Argumente, mit denen die Verbände in den Verhandlungen zum Bundesrahmenvertrag an den GKV-Spitzenverband herantreten werden. Die Verhandlungen beginnen ab August 2020.
 


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