Willkommen in der digitalen Welt

Auf den ersten Blick scheint die Digitalisierung des Gesundheitswesens die Therapeuten noch nicht zu tangieren. Dem ist aber nicht so.

Gut möglich, dass der 7. November im Kalender von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rot markiert war. An diesem Tag passierte das Digitale-Versorgung- Gesetz (DVG) den Bundestag und hat damit die entscheidende Hürde genommen, um ab Anfang nächsten Jahres in die Tat umgesetzt zu werden. Denn das Gesundheitswesen auf digitale Füße zu stellen ist eines der zentralen Anliegen des Ministers. Der komplette Name des Regelwerks lautet übrigens „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“, und der Name ist Programm. „Wenn jeder selbst erleben kann, wie digitale Lösungen den Alltag konkret verbessern“, so der Gesundheitsminister kürzlich in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, „wird das Vertrauen in eine digitale Versorgung wachsen. Darum müssen wir die Chancen der Digitalisierung jetzt nutzen und dafür sorgen, dass Innovationen schnell vom Messestand in den Versorgungsalltag kommen.“ Ziel sei es, dass sich in den nächsten Jahren „alle, die an der Behandlung von Patienten beteiligt sind“, an das derzeit aufgebaute sichere Datennetz für das Gesundheitswesen anschließen. Explizit erwähnt der Minister in dem Zusammenhang auch Physiotherapeuten,die wie andere Akteure des Gesundheitswesens die Möglichkeit erhalten sollen, „Teil dieser Telematikinfrastruktur zu werden“.

Da das DVG einige grundlegende Aspekte des Gesundheitswesens aufgreift, sind Heilmittelerbringer auch von anderen Regelungen nicht unberührt. Bis Januar 2021 – also praktisch binnen Jahresfrist – sollen sich Ärzte, Apotheken und Krankenhäuser in die Telematik- Infrastruktur eingeklinkt haben.

Kassen sind verpflichtet, Versicherten spätestens ab 2021 eine elektronische Patientenakte anzubieten. Das betrifft Heilmittelerbringer nur indirekt – aber es wird der Digitalisierung einen Schub geben. Ohnehin ist die Kundschaft, wie die Erfolge von Gesundheits- und Fitness- Apps, aber auch Umfragen zeigen, überwiegend höchst interessiert und den neuen Technologien gegenüber positiv eingestellt. Der Praxisalltag wird sich erheblich wandeln, nicht zuletzt auf Wunsch der Patienten.

Wenn jeder selbst erleben kann, wie digitale Lösungen den Alltag konkret verbessern, wird das Vertrauen in eine digitale Versorgung wachsen.
Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister
Modellprojekte starten

Die Digitalisierung voranbringen und Erfahrungen für die weitere Entwicklung beisteuern sollen mehrere Modellprojekte, die am Start sind oder seit Kurzem laufen. Apotheken beispielsweise arbeiten auf verschiedenen Ebenen an der Entwicklung des elektronischen Rezepts, etwa im Rahmen des Pilotprojekts GERDA (Geschützter E-Rezept-Dienst der Apotheken) in Baden-Württemberg, auch der Deutsche Apothekerverband (DAV) setzt eine Plattform auf. In Hessen bereitet Optica unter Federführung der KV Hessen und in Zusammenarbeit mit der AOK und DAK-Gesundheit in Hessen ein Modellprojekt vor, das nicht nur das Apothekenrezept digital macht, sondern auch die elektronische Verordnung für Heilmittelerbringer.

Im Gesetzestext selbst sind aus der Berufsgruppe der Heilmittelerbringer nur die Physiotherapeuten konkret erwähnt, mittelbar betroffen sind aber auch Gesundheitsfachberufe, die – noch – nicht explizit im Gesetz genannt sind.

Ziel ist es nach eigenen Angaben des schwedischen Unternehmens, bis 2020 auch hierzulande die Rahmenbedingungen zu schaffen, um allen Patienten – egal ob Kassen- oder Privatversicherte – digitale Arztbesuche erstattungsfähig zugänglich zu machen. Derzeit zahlen Patienten eine Gebühr von 30 bis 40 Euro, die aber nur von den privaten Krankenkassen erstattet wird. Für das Digital-Health-Unternehmen KRY arbeiten europaweit mehr als 600 Ärzte, die bislang über eine halbe Million Patienten in Skandinavien, Frankreich und Großbritannien behandelt haben. Als Kooperationspartner hat KRY die Online-Versandapotheke Doc Morris im Boot. „Momentan wird das Angebot vorwiegend von Digital Natives und Menschen mit einem eng getakteten Tag genutzt“, so die Ärztliche Leiterin bei KRY Deutschland, Monika Gratzke. Perspektivisch sei geplant, dass rund die Hälfte der Arztbesuche digital verlaufen können.

Seit Dezember hat auch der europäische Marktführer für digitale Sprechstunden KRY ein Projekt in Deutschland gestartet. Ziel ist es nach eigenen Angaben des schwedischen Unternehmens, bis 2020 auch hierzulande die Rahmenbedingungen zu schaffen, um allen Patienten – egal ob Kassen- oder Privatversicherte – digitale Arztbesuche erstattungsfähig zugänglich zu machen. Derzeit zahlen Patienten eine Gebühr von 30 bis 40 Euro, die aber nur von den privaten Krankenkassen erstattet wird. Für das Digital-Health-Unternehmen KRY arbeiten europaweit mehr als 600 Ärzte, die bislang über eine halbe Million Patienten in Skandinavien, Frankreich und Großbritannien behandelt haben. Als Kooperationspartner hat KRY die Online-Versandapotheke Doc Morris im Boot. „Momentan wird das Angebot vorwiegend von Digital Natives und Menschen mit einem eng getakteten Tag genutzt“, so die Ärztliche Leiterin bei KRY Deutschland, Monika Gratzke. Perspektivisch sei geplant, dass rund die Hälfte der Arztbesuche digital verlaufen können.

Was ändert sich für Heilmittelerbringer?

Die elektronische Verordnung (eVerordnung) von Heilmitteln kommt und wird nach und nach das Papierrezept ersetzen. Bereits bis 31. März nächsten Jahres sollen Einzelheiten etwa in der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses geregelt sein.

Im Jahr darauf steht das nächste große Thema an: Ab 1. Juli 2021 können sich Physiotherapie-Praxen freiwillig an die Telematikinfrastruktur anschließen, um digitale Informationen austauschen zu können. In der Begründung zum Gesetz heißt es: „Perspektivisch soll der Anschluss verpflichtend werden.“ Anfallende Kosten erhalten die Praxen von den Krankenversicherungen erstattet, und zwar in gleicher Höhe wie Ärzte.

Ein zentraler Aspekt des neuen Gesetzes: Ärzte können künftig auch zugelassene Apps verschreiben, die wie Medikamente, Hilfsmittel oder eine Physiotherapie von den Krankenkassen erstattet werden. Das Bundesgesundheitsministerium nennt als konkretes Beispiel Apps zur Unterstützung der Physiotherapie. Somit ist es sicherlich von Vorteil, das einschlägige Angebot im Auge zu haben. Oder selbst aktiv zu werden: Das Ministerium hat die Laufzeit seines Innovationsfonds um fünf Jahre verlängert, ausgestattet ist er mit jährlich 200 Millionen Euro.


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