FAQ: Die neue Heilmittelrichtlinie 2021

Die neue Heilmittelrichtlinie ist da. Doch was ändert sich? Und wie wird zukünftig taxiert? Das alles haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Stand 01.03.2020

Der GKV-Spitzenverband hat bestätigt, dass auf der Rückseite der Verordnung keine Angaben zur Taxierung gemacht werden sollen. Das könnte zu Absetzungen führen. Optica hat bereits vorab in eine neue Technik investiert und eine aufwendige Umstellung im IT-Bereich durchgeführt. Alle für die Taxierung relevanten Daten werden nun automatisch erfasst. Optica-Kunden haben also einen klaren Vorteil: Keine Begleitzettel und keine Taxierung per Hand oder Software! Falls Sie bereits bedruckte Rezepte eingereicht haben, ist das natürlich kein Problem. Wir rechnen diese wie gewohnt für Sie ab.

Allgemeine Änderungen
  • Was ändert sich bei der Verordnungslogik?

    Es gibt nur noch eine Verordnung: Erst- und Folgeverordnung sowie Verordnungen außerhalb des Regelfalls entfallen. Die Rezepte sind dann weniger fehleranfällig. Für Therapeuten bedeutet dies weniger Aufwand bei der Prüfung der Verordnung. 

  • Was ändert sich beim Genehmigungsverfahren?

    Das Genehmigungsverfahren wird es nicht mehr geben. Bisher unterlagen Verordnungen außerhalb des Regelfalls einer Genehmigungspflicht. Mit Wegfall der Verordnung außerhalb des Regefalls entfällt auch das Genehmigungsverfahren.

  • Was muss ich zur orientierenden Behandlungsmenge wissen?

    Die orientierende Behandlungsmenge entspricht der bisherigen Höchstverordnungsmenge im Regelfall. Künftig wird es nur noch einen Versorgungsfall und daran angeknüpft die orientierende Behandlungsmenge geben. Sie kann je nach medizinischem Bedarf des Patienten abweichen. Damit wird es keine fehlerhaften Verordnungen mehr geben, weil der Regelfall überschritten ist. Eine Besonderheit stellt lediglich eine Therapiepause von über sechs Monaten dar: Wenn zwischen der Ausstellung der letzten Verordnung und Inanspruchnahme der nächsten mehr als sechs Monate liegen, entsteht einer neuer Verordnungsfall.

  • Welche Fristen muss ich nun beachten?

    Der Therapiebeginn muss innerhalb von 28 Tagen (statt bisher 14 Tage) ab Ausstellung der Verordnung erfolgen. Bei einem dringlichen Behandlungsbedarf beträgt die Frist 14 Tage. Zudem entsteht nach einer behandlungsfreien Zeit von sechs Monaten ein neuer Verordnungsfall. 

  • Was ändert sich hinsichtlich der Prüfpflichten?

    Mit der neuen Heilmittelrichtlinie entfallen viele Prüfpflichten, weil die entsprechenden Kriterien wegfallen. So müssen Therapeuten in Zukunft nicht mehr prüfen, ob das verordnete Heilmittel zur Leitsymptomatik passt. Es ist nur noch zu prüfen, ob das Heilmittel in der jeweiligen Diagnosegruppe verordnungsfähig ist. Weiterhin entfällt die Prüfung hinsichtlich Erst- und Folgeverordnung, weil es nur noch eine Verordnung gibt. Prüfen müssen Therapeuten weiterhin beispielsweise die Behandlungsmenge sowie die Verordnungsart. 

  • Ist die Verordnung mehrerer Heilmittel möglich?

    Ja! Im Bereich der Ergotherapie konnten auch bisher schon mehrere vorrangige Heilmittel gleichzeitig verordnet werden. In den folgenden Heilmittelbereichen kann dies nun künftig auch angewendet werden (konkret: bis zu drei):

    • Physiotherapie 
    • Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie 
    • Während der Laufzeit einer Verordnung können dann beispielsweise passive und aktive Maßnahmen der Physiotherapie kombiniert werden
  • Was geschieht mit den Diagnosegruppen?

    Die Diagnosegruppen im Heilmittel-Katalog werden vor allem im Bereich Physiotherapie zusammengefasst (von 22 auf 13) und insgesamt übersichtlicher: 

    • Es wird nicht mehr zwischen kurz-, mittel- und längerfristigem Behandlungsbedarf unterschieden.
    • Die sogenannte Aufrechnung der Verordnungsmengen von Vor-Verordnungen für verwandte Diagnosegruppen entfällt.
    • Ein Wechsel zwischen verwandten Diagnosegruppen ist nicht mehr nötig (z. B. von WS1 zu WS2).
    • Es muss künftig nur noch zwischen „vorrangigen“ und „ergänzenden“ Heilmitteln unterschieden werden, da die optionalen in die vorrangigen Heilmittel integriert wurden.
       

Die Verordnung
  • Wie kann ich zukünftig Rezepte taxieren?

    Die Taxierung von Rezepten ist gemäß des neuen Heilmittel-Rezeptformulares nicht mehr notwendig – dafür ist auch kein Feld mehr vorgesehen. Die Preisberechnung richtet sich konkret an den Vorgaben des Arztes auf dem Verordnungsformular.

    Dabei gilt folgendes:

    •    Wenn Sie bereits ergänzend elektronische Daten über Ihre Praxissoftware an uns liefern ist eine Taxierung (Beschriftung / Bedruckung) der neuen Rezepte generell nicht mehr notwendig. 
    •    Sollten Sie bereits die Preisermittlung/Taxierung als Zusatzleistung gebucht haben, werden wir für Sie – wie gewohnt - die vollständige und komplette Preisermittlung vornehmen.

  • Können nach Ausschöpfung der orientierenden Behandlungsmenge weitere Verordnungen ausgestellt werden?

    Ja. Konnte das angestrebte Therapieziel mit der orientierenden Behandlungsmenge nicht erreicht werden, sind weitere darüberhinausgehende Verordnungen möglich, die demselben Verordnungsfall zuzuordnen sind. Neu ist: Weitere Verordnungen sind ebenfalls nur zu der im Heilmittelkatalog angegebenen Höchstmenge pro Verordnung möglich. Ausnahme: Es handelt sich um einen besonderen Verordnungsbedarf oder eine langfristig genehmigte Diagnose. Dann gilt weiterhin der maximale Verordnungszeitraum von 12 Wochen.

  • Kann ein zweiter Arzt bei gleicher Diagnose weitere Massageeinheiten bzw. Einheiten D1 verordnen?

    Ja, da es sich hier um 2 voneinander unabhängige Verordnungsfälle handelt, die sich immer auf den verordnenden Arzt beziehen, und nicht wie bisher auf die Erkrankung. Um eine
    „Doppelversorgung“ zu vermeiden, wird in der neuen HeilM-RL der Patient um Mithilfe gebeten: Dieser soll im Lichte dessen den zweitausstellenden Arzt im Rahmen seiner Möglichkeiten über vorherige Verordnungen informieren. Wichtig: Eine Prüfpflicht besteht in diesem Fall für Sie nicht!

  • Können Verordnungen mit identischer Diagnose, die von unterschiedlichen Ärzten ausgestellt wurden, parallel in einer physiotherapeutischen Praxis behandelt werden?

    Nach der neuen Systematik der Heilmittelrichtlinie ab Januar 2021, löst eine neue Verordnung eines neuen Arztes auch bei identischer Diagnose einen neuen Verordnungsfall aus. Die parallele Behandlungvon zwei Verordnungen aufgrund derselben Diagnose ist aber – schon alleine aus dem Wirtschaftlichkeitsgebot heraus (Doppelversorgung) – nicht erlaubt, sofern Ihnen beide Verordnungen bekannt sind. Das ist regelmäßig der Fall, wenn beide Verordnungen in einer Physiotherapie-Praxis angenommen werden. Sie müssten in diesem Fall entweder den Patienten bitten, seinen (neuen) Arzt auf die vorherige Verordnung und die unzulässige Parallelbehandlung bei derselben Diagnose hinzuweisen oder aber Sie brechen die vorherige Verordnung direkt ab und starten mit dem neuen Rezept einen neuen Verordnungsfall. 

  • Wer muss auf der Rückseite des Formulars unterschreiben?

    Zum einen selbstverständlich die Patienten, daran hat sich nichts geändert. Zum anderen gibt es noch das Feld für Leistungserbringer, welches aktuell nicht ausgefüllt werden muss, da es bisher keine vertragliche Vereinbarung zwischen den Krankenkassen und den Physioverbänden gibt. Dies könnte sich mit dem neuen Rahmenvertrag ändern, wir werden berichten.


Abrechnung mit Optica
  • Bis wann kann ich das alte Verordnungsformular einreichen?

    Prinzipiell gibt es keine festgelegte Deadline für das alte Rezeptformular. Sie können dieses wie gewohnt abrechnen. Jedoch müssen Ärzte ab dem 01.01.2021 das neue Muster 13 verwenden, sodass Sie ab Januar automatisch nur noch neue Verordnungsformulare vorgelegt bekommen. 

    Um Kürzungen durch die Kostenträger zu vermeiden, sollte aber geprüft werden, ob das jeweils gültige Formular vom Arzt genutzt wird. Wenn z.B. ein Arzt für Verordnungen ab 01.01.2021 noch das alte Formular benutzen, ist davon auszugehen, dass diese Rezepte nicht bezahlt werden.

  • Ab wann verarbeitet Optica die neuen Verordnungsformulare?

    Die Verarbeitung der neuen Rezeptformulare wird aufgrund der technischen Umstellung erst ab Posteingangseingangsdatum 22.01.2021 möglich sein. Sollten Sie uns vorher schon vereinzelt neue Verordnungsformulare zusenden, dann werden wir diese bis zum 22.01.2021 verwahren und ab dann verarbeiten. Für zuvor eingereichte neue Verordnungsformulare werden wir selbstverständlich den Vorauszahlungsbetrag mit berücksichtigen.
     

  • Wie muss ich in der Übergangsphase Rezepte einreichen?

    Da in der Übergangsphase „alte“ und „neue“ Rezepte abgerechnet werden müssen, freuen wir uns, wenn Sie uns die Rezepte zukünftig in folgender Reihenfolge anliefern:

    •    Ein separater Stapel mit Rezeptbegleitbeleg (für alte Rezept-Vordrucke)
    •    Original-Heilmittelverordnungen: „altes Muster“ 
    •    Heilmittelverordnungen blanko (rosa, i.d.R. mehrseitig)*
    •    Ein separater Stapel (für neue Rezept-Vordrucke und Sonstiges)
    •    Heilmittelverordnungen: neues Muster 13 
    •    Heilmittelverordnungen blanko (rosa, i.d.R. mehrseitig)*
    •    Rezepte mit Anhang, z. B. Genehmigungen bei Kuren, zweites Unterschriftblatt
    •    BG-Rezepte, Privatrezepte, Zahnarztrezepte und sonstige Rezepte

    * Für die aus zwei Seiten bestehende DinA5 Blankoformulare (rosa) gilt: Bitte die Schriftseiten nach oben legen und die Blätter nicht  heften, klammern oder kleben.
     

 

Weitere Informationen zur neuen Heilmittelrichtlinie finden Sie hier.

Alle Änderungen haben wir in einem übersichtlichen Download-Dokument für Sie zusammengefasst.

Zum Download 

Eine Ausfüllhilfe für das neue Verordnungsformular finden Sie hier:
Ausfüllhilfe


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