Ratgeber Wirtschaft - Fünf Tipps für mehr Wirtschaftlichkeit

Teil vier der Serie „Ratgeber Wirtschaft“ mit Praxisinhaber und Diplom-Kaufmann Rainer Klaeren. Diesmal: So wird Ihre Praxis wirtschaftlicher.

Wirtschaftlichkeit und Therapie. Wirtschaftlichkeit in der Therapie – das schreckt viele ab. Muss es aber nicht. Deswegen werfen wir heute einen Blick auf eben dieses Thema, denn nur eine wirtschaftlich gesunde Praxis garantiert auch deren Fortbestand.

Ratgeber Wirtschaft

Die Serie und die Themen im Überblick: 

 


Eigentlich geht es doch darum, seinen Patienten die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen – denken viele. Aber Wirtschaftlichkeit sichert eben auch den Fortbestand der eigenen Praxis. Hinter dem sperrigen Wort versteckt sich eine sehr simple Gewinn- und Verlustrechnung: 

Erträge / Aufwendungen = W-Faktor

Oder in Form eines Praxisbeispiels: 

Wenn ich mit meiner Praxis einen Jahresumsatz von 250.000 Euro erwirtschafte und im gleichen Zeitraum Kosten in von 210.000 Euro habe, liegt der Wirtschaftlichkeitsfaktor bei 1,19.
Wenn die Kennziffer über 1,0 liegt, übersteigen die Erträge die Aufwendungen. Es ist also alles gut.

Fünf Tipps für einen höheren Wirtschaftlichkeitsfaktor

1.    Kosten senken

Auch wenn es inzwischen ein wenig „abgedroschen“ klingen mag: die Kostenstruktur der Praxis zu kennen, ist das A und O, um Optimierungspotentiale zu erkennen. Wie Sie Ihre Kosten berechnen können, habe ich in meinem letzten Artikel zusammengefasst.

Viele denken bei Kosten(senkung) direkt und ausschließlich an die Personalkosten, weil diese in der Regel den größten Posten ausmachen – hiervon rate ich in diesem allgemeinen Zusammenhang jedoch ab. Im Therapiebereich sind es die Therapeutinnen und Therapeuten die neben den Therapien auch den Umsatz machen.

2.    Verwaltungsaufgaben delegieren

Ich erlebe es immer wieder: Statt sich auf die Therapie konzentrieren zu können, erledigen viele Therapeuten auch Verwaltungsaufgaben wie beispielsweise die Terminvergabe oder die Abrechnungsvorbereitung. Das mindert den Qualität und Umsatz, denn in der eigentlichen Therapiezeit werden andere Leistungen erbracht – und: es kann auch die Qualität im Verwaltungsbereich mindern. Deswegen empfehle ich, einen Mitarbeiter einzustellen, der sich um die Verwaltungsaufgaben kümmert.

3.    Aufgaben extern vergeben

Nicht alles muss direkt in der Praxis gemacht werden. Sie können Aufgaben, gerade in der Verwaltung, outsourcen. In der Regel zahlen Sie nur für die geleistete Arbeit und können das jederzeit anpassen. Möglicher Partner ist zum Beispiel ein Abrechnungszentrum, das die Rezeptabrechnung übernimmt – und bei Liquiditätsengpässen mit einer Sofortauszahlung helfen kann. Gleiches gilt für Steuerberater oder auch IT-Spezialisten für die Praxis-EDV.

Praxistipp:

Bei der Abrechnung unterstützt Optica. Als Existenzgründer profitieren Sie dabei von unserem Startklar-Paket. Hier können Sie ein Angebot anfordern.

 

4.    Umsatz steigern

Klingt toll! Aber wie erreiche ich einen höheren Umsatz? Ein Praxisbeispiel erklärt das: 

20 Minuten KG bei einem Kassenpatienten generieren einen Umsatz von 21,11 Euro, also in einer vollen Stunde von maximal 63,33 Euro. Nun haben Sie alternativ die Möglichkeit beispielsweise für eine einstündige Behandlung eines Privatpatienten 75,00 € abzurechnen. 
Auf den ersten Blick also 11,67 € mehr Umsatz bei gleicher Arbeitsleistung (zeitlich). Klingt erstmal einfach. Aber ist es das wirklich?

Nicht ganz. Zwar generiert man mit Privatpatienten auf den ersten Blick mehr Umsatz. Auf den zweiten Blick muss man das differenzierter betrachten, denn bei Privatpatienten können auch längere Unterbrechungen sowie Zahlungsverzögerungen passieren. Bei einer kurzfristigen Terminabsage schlagen dann gleich 75 Euro zu Buche – bei gesetzlich Versicherten ist es entsprechend weniger.

Deshalb empfehle ich einen Mix in der Patientenstruktur. So kann der Umsatz am besten gesteigert werden und gleichzeitig Absagen kompensiert werden.

Praxistipp
Werfen Sie für den optimalen Mix aus Therapieangebot und Patientenstruktur einen Blick in Ihre Statistiken. Ein Abrechnungszentrum sendet Ihnen diese automatisch zu. Als Optica-Kunde können Sie die Statistiken in unserem Kundenportal MeinOptica nachschauen.

 

5.    Angebot anpassen

Mein letzter Tipp: Angebot anpassen. Wir haben mithilfe der von unserem Abrechnungszentrum gelieferten Durchschnittszahlen festgestellt, dass der Umsatz mit verordneten Massagen immer rückläufiger ist. Daraus haben sich zwei Möglichkeiten ergeben: 

  • Das Massageangebot senken zugunsten anderer (lukrativerer) Therapien oder
  • Das Massageangebot auszuweiten und somit eine „Nische“ auszufüllen.

Es ist zu erahnen, die zweite Variante hat den gewünschten Erfolg gebracht. Wir haben gezielt die zuweisenden Ärzte angesprochen und auf die Möglichkeiten hingewiesen, denn Masseure/med. Bademeister sind oftmals in manueller Lymphdrainage fortgebildet (unabdingbar nach vielen Operationen) und der Arbeitsmarkt ist nicht so angespannt wie bei den Physiotherapeuten. Nicht zuletzt muss angemerkt werden, dass Masseure in der Regel etwas weniger verdienen als Physiotherapeuten.

Zusammenfassung

Wie Sie sehen, auch beim Thema mehr Wirtschaftlichkeit gibt es viele verschiedene Ansatzpunkte. Wir möchten Sie als Praxisbetreiber nicht verunsichern, falls Sie sich in dem ein oder anderen Punkt angesprochen fühlen. Vielmehr geht es darum, Sie als Praxisbetreiber für Wirtschaftliche Themen zu sensibilisieren. Niemand kennt Ihre Praxis so gut wie Sie – deshalb rate ich Ihnen, solche Themen mit einer Spur Gelassenheit zu betrachten. Was in einer Praxis gut funktioniert, kann in einer anderen Praxis kontraproduktiv sein.

Praxistipp
Fragen Sie Ihren Steuerberater nach dem Wirtschaftlichkeitsfaktor der letzten X-Jahre. Zum einen können Sie daran ablesen, wie sich Ihre Praxis entwickelt zum anderen zeigen Sie Ihrem Berater auf, dass Sie ihn nicht nur für die Buchhaltung engagiert haben – konfrontieren Sie Ihn ruhig mit der Frage „Was denken Sie, wie ich die Wirtschaftlichkeit meiner Praxis steigern kann?“
Sie haben Fragen?

Rainer Klaeren ist Diplom-Kaufmann, Unternehmensberater, Inhaber eines ambulanten Rehabilitationszentrums und Autor. Viele Dispziplinen möchte man meinen, aber damit kennt er sich als ehemaliger deutscher Meister im Triathlon bestens aus. Von seiner fachlichen Beratung profitierte auch schon Henry Maske. Anfragen gerne per Mail an RKlaeren@web.de 


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