Telemedizin: „Die Heilmittelerbringer sollten sich aktiver positionieren“

Telemedizin und Gesundheitstelematik betreffen im Gesundheitswesen – meint Prof. Dr. Gernot Marx, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed). Allerdings müssten sie auch etwas dafür tun.

In Ihrem Verband scheinen Heilmittelerbringer eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Täuscht dieser Eindruck?
Die DGTelemed bearbeitet als medizinische Fachgesellschaft für Telemedizin tatsächlich im Schwerpunkt Themen der Versorgung durch Ärzte – also in Krankenhäusern und durch niedergelassene Ärzte. Wir sind aber durch aus offen für nichtärztliche Themen im Umfeld der therapeutischen Versorgung durch Telemedizin. Uns ist es dabei ein wichtiges Anliegen, dass die unterschiedlichen und teils unflexiblen Rahmenbedingungen beim Einsatz von Telemedizin-Lösungen überwunden werden, damit eine flächendeckende Verbreitung der Telemedizin geebnet werden kann und alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen davon profitieren können.

Sehen Sie die derzeitigen Entwicklungen positiv? Zumindest werden mit Gesetzen wie das Digitale-Versorgung-Gesetz schon Schritte in diese Richtung gemacht.
Ja, gegenwärtig sind in der Tat einige gesetzgeberische Entwicklungen im Bereich der Telemedizin zu erkennen, deren Ziel es ist, die Rahmenbedingungen des Einsatzes digitaler Anwendungen insgesamt zu flexibilisieren. Allerdings gibt es aus unserer Sicht hier auch noch Handlungs- und Nachholbedarf. Das gilt insbesondere für die Verwendung einheitlicher und international anerkannter Standards, welche die Interoperabilität der Systeme – also ihre Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren und Daten auszutauschen – gewährleisten und die Anwendung telemedizinischer Lösungen um ein Vielfaches erleichtern würden.

Was wäre zu tun, damit bei den Themen Digitalisierung und Telemedizin die Interessen der Heilmittelerbringer mehr berücksichtigt werden?
Aus unserer Sicht sollten gezielt Projekte im Bereich der Heilmittelerbringer initiiert werden. Erste Projekte gibt es da ja, die auch von Innovationsfonds des G-BA gefördert werden. Zudem wäre es hilfreich, wenn sich die Heilmittelerbringer bei diesem Thema aktiver positionieren und deutlicher zum Ausdruck bringen würden, was sie wollen – auch hinsichtlich ihrer Erwartungen an andere medizinische Professionen. Wenn wir als Fachgesellschaft dabei unterstützen können, sind wir dazu gerne bereit.

Welches Potential sehen Sie dabei für die Heilmittelerbringer?
Grundsätzlich tragen telemedizinische Dienste dazu bei, medizinisches Personal bei der Versorgung von Patienten zu unterstützen und damit gleichzeitig das Gesundheitswesen zu entlasten. Auch für Heilmittelerbringer sehe ich hier ein großes Potenzial, da dadurch eine ortsunabhängige Therapie ermöglicht werden kann. Während des Lockdowns in der ersten Jahreshälfte hatten die Therapeuten ja schon die Gelegenheit, erste Erfahrungen mit der Videotherapie zu machen. Dabei sind solche Behandlungswege nicht nur vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie sinnvoll: immobile Patienten können mithilfe von Video natürlich auch unabhängig von irgendwelchen Kontaktbeschränkungen sehr gut behandelt werden.


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