Contra Therapeutenkammer: "Könnte die Erwartungen nicht erfüllen"

"Eine Kammer könnte die Erwartungen nicht erfüllen und wäre für die Lösung der dringendsten Probleme nicht zuständig", sagt Marcus Troidl, der Bundesvorsitzender vom VDB-Physiotherapieverband e.V.

Die Missstände in den Therapieberufen sind mit der Einführung einer Kammer nicht zu beseitigen. Die Unzufriedenheit vieler Therapeuten liegt in einer unzureichenden Vergütung ihrer Leistungen, geringer gesellschaftlicher Anerkennung und Aufstiegsmöglichkeiten begründet. Doch auf die Vergütung therapeutischer Leistungen haben Kammern keinen Einfluss. Nach Sozialgesetzbuch (SGB V) sind die Vertragspartner der gesetzlichen Krankenkassen die Verbände, deren Vereinbarungsbefugnisse nach Inhalt und Umfang durch Bundesgesetzgebung und die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) begrenzt werden. Gesellschaftliche Anerkennung erfährt ein Therapeut dann, wenn seine Leistung angemessen finanziell entlohnt wird. Eine unangemessene Bezahlung, wie sie derzeit vorliegt, wertet den Beruf und die Leistung ab. Das oberste Ziel für bessere Rahmenbedingungen in den Therapieberufen und damit gegen eine Berufsflucht muss eine deutliche Vergütungssteigerung sein. Eine Kammer kann dies nicht erreichen.

Im Gegenteil kostet eine Kammer Geld – und zwar für jeden Therapeuten. Eine Kammer beinhaltet eine Zwangsmitgliedschaft mit entsprechenden Beiträgen. Mit ihr wird das Grundrecht der individuellen Freiheit des Einzelnen erheblich eingeschränkt. Erfahrungen anderer Berufsgruppen mit ihren Kammern zeigen eine hohe Unzufriedenheit gegen den Kammerzwang, die Beiträge und einen zu geringen Einsatz für den Berufsstand. Obwohl sich Kammerbefürworter gerade diesen Einfluss wünschen, zeigt die Realität: Eine Kammer hat eine geringere politische Schlagkraft als Verbände.

Die Errichtung einer Kammer bedeutet nicht automatisch einen Anstieg des Ansehens, Kommunikation „auf Augenhöhe“ oder Gleichberechtigung der Berufsgruppen. Mit ihr würde zudem nicht die Autonomie der Therapeuten steigen, sondern die Fremdbestimmung durch Zwangsbeiträge und neue bürokratische Anforderungen. Überregulierungen und Schikanierungen durch „disziplinarische Maßnahmen“ sind möglich. Last, but not least: Kammern sind nicht die Interessensvertretung der Therapeuten. Erfolgt die Errichtung nach dem Vorbild bestehender Kammern, ist eine Kammer eine vom Gesetzgeber einzurichtende Körperschaft öffentlichen Rechts und damit eine mittelbare Staatsverwaltung. 


Was Frank Thilo Niemann, 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Therapeutenkammer NRW e.V., zu diesem Thema sagt? Seine Argumente lesen Sie hier.

Pro Therapeutenkammer



Branchen-News automatisch in Ihr Postfach

Geänderte gesetzliche Vorgaben, aktuelle Absetzungen, spannende Events: Wir bringen Wissenswertes per E-Mail für Sie auf den Punkt – immer Mitte des Monats und bei besonderen Ereignissen auch ganz aktuell.  

Jetzt anmelden



Funktionalität eingeschränkt! Bitte aktivieren Sie JavaScript.