Klimaschutz: Praxen for Future

Wenn die Klimaerwärmung gestoppt werden soll, müssen alle klimaneutral werden. Auch die Praxen. Aber wie kann das gelingen?

Frau steht mir ausgebreiteten Armen im Wald

Die Zahl ist besorgniserregend: Nach Angaben der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) und der NGO „Health Care Without Harm“ ist der Gesundheitssektor hierzulande für 5,2 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. Selbstverständlich ist das nur ein Durchschnittswert. Und gerade Heilmittelerbringer:innen drücken diesen Durchschnitt ziemlich nach unten. Denn jedes Medikament, das durch sie nicht verschrieben werden muss, und jede Operation (besonders die Anästhesie) die durch sie verhindert wird, reduziert den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen erheblich. Denn das sind die eigentlichen Klimakiller im Gesundheitssystem.

Wären alle Gesundheitssysteme der Welt ein Land, wäre dieses Land der fünftgrößte Treibhausgasemittent.

 Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG)

Aber ist das beruhigend, dass andere „schlimmer“ sind? „Nicht, wenn man das Ziel ernst nimmt, bis 2035 auch im Gesundheitssektor klimaneutral werden zu wollen“, so Annegret Dickhoff, Projektleiterin beim Naturschutzverband BUND und Mitbegründerin der KLUG-Allianz. Auch Praxisinhaber:innen sollten deshalb ihren Beitrag leisten, sei er auch noch so klein. Und das ist gar nicht so schwer, wie viele glauben: Am Beginn des Weges zur nachhaltigen, klimaneutralen Praxis steht dabei am besten die Analyse des eigenen ökologischen Fußabdrucks – also des Ist-Zustands der jeweiligen Praxis. Denn nur ausgehend von diesem Befund können Einsparpotenziale identifiziert und sinnvolle Maßnahmen abgleitet werden. Für die Berechnung des CO2-Äquivalent-Fußabdrucks gibt es verschiedene Online-Plattformen, beispielsweise den CO2 Rechner von KlimAktiv.de.

Danach geht es an die Umsetzung, und diese ist schon auf den ersten Metern hin zum gewünschten Soll-Zustand oft sehr befriedigend. Die empfohlenen Stellschrauben sind nämlich häufig leicht zu drehen und führen schnell zu einem verblüffenden Ergebnis. Wie in dem vielleicht wichtigsten Handlungsfeld, dem Einsparen von Energie. Hier bedarf es nur kleiner Verhaltensänderungen, wenn man beispielsweise Geräte ganz ausschaltet, anstatt sie im Stand-by zu belassen, oder wenn man nur stoßlüftet, anstatt die Fenster den ganzen Tag zu Kippen. Hinzu kommt, dass diese Maßnahmen nicht nur gut für das Klima sind, sondern ebenso für das eigene Portemonnaie. Angesichts explodierender Energiekosten macht schließlich auch die Politik Druck für sinkenden Verbrauch und ermöglicht es Mieter:innen etwa aktuell per Verordnung, weniger zu heizen, auch wenn das laut Mietvertrag nicht gestattet ist. Und für Inhaber:innen großer Praxen und Therapiezentren (ab 1.000 m2) wird, ebenfalls mittels Verordnung, ein sogenannter hydraulischer Abgleich verpflichtend, um den Gasverbrauch zu senken.

Wer wirklich klimaneutral werden möchte, muss indes in Sachen Energie weitere Schritte gehen und in Effizienz investieren. Wenn es dann um energieeffizientere Geräte oder gar ein neues Energie- oder Heizungssystem geht, wird die Kosten-Nutzen-Rechnung ungleich komplizierter. Doch sie lohnt sich – wie im Therapiezentrum von Erich Blöchinger im niederbayerischen Vilsbiburg. Dort steht jetzt eine große 100-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, die nicht nur das ganze Zentrum sondern obendrein den komplett auf Elektrofahrzeuge umgestellten Fuhrpark mit Energie versorgt. „Das Schöne ist: Die Sache ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll“, betont Blöchinger.

50 % der Deutschen sehen bei der Klimawende in der Senkung des Energieverbrauchs höchste Priorität.

PwC Healthcare-Barometer 2022

Ohnehin ist die Mobilität ein weiteres wichtiges Handlungsfeld. Schließlich trägt der Verkehrssektor mit rund 20 Prozent zu den Treibhausgasemissionen in Deutschland bei – nicht zuletzt weil 57 Prozent der Wege hierzulande mit dem Auto zurückgelegt werden. Deshalb ist es natürlich gut für das Klima, wenn die Therapeut:innen für ihre Hausbesuche Elektrofahrzeuge oder besser noch das Fahrrad oder Busse und Bahnen nutzen. Aber was ist mit all den Patient:innen, die Tag für Tag in die Praxen kommen? Darüber machte sich Michael Streicher viele Gedanken. Und dann entwickelte der Physiotherapeut aus Konstanz ein Bonussystem: „Jede:r, die oder der nicht mit dem Auto zur Therapie fährt, bekommt vor mir einen Stempel in ein Bonusheft. Und wenn eine bestimmte Anzahl von Stempeln erreicht wurden, erhält man eine kleine Prämie“, erklärt der Praxisinhaber seine Idee. Und wie kommt sie bei der Zielgruppe an? „Sehr gut. Den Leuten macht es richtig Spaß, da mitzumachen und Stempel zu sammeln.“

Doch wer etwas für das Klima tun möchte, sollte nicht nur beim Thema Energie sparen. Es gibt weitere Ressourcen, die viel zu wertvoll sind, um sie ohne Not zu verschwenden, erklärt Tanja Weskamp-Nimmergut aus Norderstedt. „Natürlich kann man auf Einmal-Handschuhe oder Spatel nicht verzichten, aber vom Pappbecher bis zum Papierhandtuch gibt es viele Dinge, die problemlos ersetzt werden können“ so die Logopädin, die sich die Klimaneutralität ihrer neun Praxen in Norddeutschland zum Ziel gesetzt hat. Viel wichtiger dafür sei es jedoch, all den Papierakten Adieu zu sagen. „Dank einer konsequenten Digitalisierung ist bei uns eigentlich nur noch das Rezept aus Papier – und das wird hoffentlich auch bald ein Ende haben.“

Das wird auch bei Optica so gesehen – und das Engagement für Klima- und Ressourcenschutz entsprechend noch weiter verstärkt, etwa mit der kürzlich gestarteten Initiative „papierlos glücklich“. Ziel ist es, die Abrechnungsinformationen bald nicht mehr automatisch per Post zu versenden, sondern die Unterlagen grundsätzlich digital im kostenlosen Kundenportal MeinOptica zur Verfügung zu stellen. „Mit der Initiative „papierlos glücklich“ möchten auch wir unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten und unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden“, erklärt Optica-Geschäftsführer Markus Kinkel. „In den noch immer extrem papierlastigen Abrechnungsprozessen sollte uns allen daran gelegen sein, überall dort ressourcenschonende Verfahren zu etablieren, wo auf den Ausdruck und Versand von papierhaften Unterlagen verzichtet werden kann.“

„Mit der Initiative ‚papierlos glücklich‘ möchten auch wir unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten und unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden.“

Markus Kinkel, Geschäftsführer von Optica

Und das Schöne ist: Initiativen wie diese zeigen, dass der Einsatz für den Klimaschutz nicht zwangsläufig mit Verzicht zu tun haben muss. Im Gegenteil. Denn zum einen erhalten die Kund:innen ihre Abrechnungsinformationen im Kundenportal MeinOptica schneller als auf dem Postweg und benötigen für die Aufbewahrung keinen Platz. Zum anderen bietet das Kundenportal nützliche Funktionen wie eine Rezeptsuche, die die Auswertung und Verwaltung der Abrechnungsinformationen wesentlich vereinfachen. Eine klassische Win-win-Situation also – bei der das Klima nicht das Nachsehen hat.
 

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Interview: Ergotherapeut Andreas Bohmann über klimaneutrale Praxen

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