Vergütung 2026 im Heilmittelbereich: Wer gewinnt, wer verliert – und was Praxen jetzt erwartet

Die Verhandlungsbedingungen für eine wirtschaftliche Vergütung im Heilmittelbereich sind anspruchsvoll, umso mehr seit die FinanzKommission Gesundheit am 30. März ihre Vorschläge zur Stabilisierung der GKV-Finanzen vorgelegt hat. Was wurde bereits erreicht für Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen und Logopäd:innen und was erwartet sie in diesem Jahr?

Stand: 15.04.2026

Die wirtschaftliche Situation von Heilmittelpraxen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. In zähen Verhandlungsrunden wurden etwa bundesweit einheitliche Preise für Heilmittel festgelegt und die Vergütungssätze gesteigert. So einigten sich die maßgeblichen Verbände der Physiotherapie und der GKV-Spitzenverband für dieses Jahr auf ein Plus von 2,49 %. Logopäd:innen bekommen ab dem 1. Juli 2026 eine Preissteigerung in Höhe von 6,12 % anstatt zum 1. Januar eine Erhöhung um 3,06 %. Die bestehenden Preise in der Ergotherapie hingegen wurden zum 31. März 2026 gekündigt. Die Verhandlungen sind festgefahren und dauern an. Dabei gibt Christian Schneider, Leitung des Geschäftsbereichs Kassenverhandlungen beim Verband für Physiotherapie e.V. (VPT) zu bedenken: „Man muss sich vor Augen führen, dass wir über Jahrzehnte durch die Grundlohnsummenbindung unterfinanziert wurden und erhebliche Nachholeffekte bestanden. Wir sind also von einem sehr niedrigen Niveau gestartet.“ Zudem seien die Vergütungssteigerungen der letzten Jahre auch durch hohe Inflationsraten aufgezehrt worden, so dass weiterhin enormer wirtschaftlicher Druck auf den Praxen laste. Deswegen sind sich alle Verbände darin einig, dass sich die Preisspirale für eine wirtschaftliche Praxisführung, attraktive Arbeitsbedingungen und eine sichere Patientenversorgung weiter nach oben drehen muss.

Vergütungsverhandlungen 2026

HeilmittelStatusSteigerungGültigkeit
Physiotherapieabgeschlossen2,49 %seit 01.01.2026
Ergotherapieoffen4,55 % gefordertKonflikt/Verzögerung
Logopädieabgeschlossen6,12 %ab 01.07.2026

Eingeschränkter Gestaltungspielraum für weitere Verhandlungen 

Die Preisverhandlungen der Physiotherapeut:innen sind an die von der Schiedsstelle festgelegten Parameter zur Vergütungsbemessung gebunden. Diese orientieren sich etwa am TVÖD. Aus Sicht der Verbände führen diese Parameter nicht zu einer angemessenen, wirtschaftlichen Vergütung. „Beispielsweise ist das Unternehmerrisiko nicht abgebildet“, so Christian Schneider. Zudem halte man die Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst für nicht geeignet, um die Entwicklung der Personalkosten in den freien Berufen der Physiotherapie abzubilden. Dabei seien ambulante Praxen im Fachkräftewettbewerb gegenüber dem stationären Bereich im Nachteil. Den Gestaltungsspielraum für zukünftige Vergütungsverhandlungen sieht Christian Schneider auch mit Blick auf die Vorschläge der FinanzKommission Gesundheit erheblich eingeschränkt: Für den Heilmittelbereich werden sowohl die Rückkehr zur Grundlohnsummenbindung inkl. Preisabschlag von 1 % für die Jahre 2028 und 2029 sowie ein Preismoratorium für das Jahr 2027 vorgeschlagen. Die Wiedereinführung der Grundlohnsummenbindung und damit die Entkoppelung von den realen Vergütungssteigerungen in den Praxen wäre fatal und ist deutlich zurückzuweisen“, fasst er zusammen. Die Sparmaßnahmen würden den Fachkräftemangel zuspitzen und zu längeren Wartezeiten und damit Qualitätseinbußen sowie zu Folgekosten bei anderen GKV-Ausgaben führen.

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An der Versorgung vorbei: Heilmittel politisch nicht auf Kante nähen

Für Logopäd:innen finden in diesem Jahr keine weiteren Preisverhandlungen statt: Die neuen Preise wurden bereits bis zum 31. März 2027 ausgehandelt. Nichtsdestotrotz beurteilen die Verbände die aktuellen Sparvorschläge der FinanzKommission Gesundheit kritisch. „Das wären deutlich restriktivere Rahmenbedingungen als jene, die mit dem TSVG geschaffen wurden. Sie bilden weder die tatsächlichen Kostenentwicklungen noch den Fachkräftemangel oder den steigenden Versorgungsbedarf in den Praxen angemessen ab. Kurz gesagt: Die vorgeschlagene Politik spart an der Versorgung vorbei“, so Diethild Remmert, 1. Vorsitzende von LOGO Deutschland. „Für Selbstständige bedeutet das weiterhin knappe Spielräume bei Gehältern, Personalgewinnung und Investitionen. Die FinanzKommission Gesundheit räumt selbst ein, dass dadurch der Druck auf Personalrekrutierung und -bindung steigen kann. Das heißt im Klartext: Die Praxen sollen mehr Stabilität in der Versorgung leisten, sollen aber zugleich mit engeren finanziellen Fesseln arbeiten. Das passt schlicht nicht zusammen. Aus unserer Sicht ist das ein falscher Weg.“ Sie sieht in weniger Bürokratie einen Hebel, mit dem sofort Ressourcen ganz ohne Leistungskürzungen freigesetzt werden könnten und stellt fest: „Wer Versorgung sichern und Fachkräfte im Beruf halten will, darf die Heilmittelpraxen politisch nicht auf Kante nähen.“ 

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Vergütung an politischen Sparvorgaben oder Versorgungsqualität ausrichten?

Die Folgen der Sparpolitik im Heilmittelbereich schultern nicht zuletzt die Patientinnen und Patienten. Nachwuchsgewinnung, Personalbindung, finanzielle und zeitliche Ressourcen für Weiterbildung oder die Investitionsfähigkeit der Praxen wirken sich direkt auf die Versorgungsqualität aus. „Gerade diese Innovationen könnten perspektivisch entlasten, erfordern aber zunächst Geld, Zeit und Planung; genau das fehlt in wirtschaftlich dauerhaft angespannten Strukturen“, so Christine Donner. Für Diethild Remmert geht es um eine Systemfrage: „Sollen künftige Preissteigerungen im Heilmittelbereich ausschließlich an politischen Sparvorgaben ausgerichtet werden oder spielt die Sicherstellung der Patientenversorgung weiterhin eine maßgebliche Rolle?“ Praxisinhaber:innen stehen dabei unter großem wirtschaftlichem Druck mit psychischen Folgen. Sie berichten vielfach von Zukunftsängsten, permanenter Anspannung und davon, sich über Jahre an der Grenze der Erschöpfung zu bewegen. Das bleibt in der Patientenversorgung nicht unbemerkt: „Wo Fachkräfte fehlen oder Praxen wirtschaftlich kaum Luft haben, entstehen längere Wartezeiten, weniger Spielraum für Spezialisierung, weniger Fortbildung und weniger Möglichkeit, Versorgung fachlich weiterzuentwickeln“, skizziert Christine Donner die Folgen der Sparpolitik. Sie empfiehlt Therapeut:innen, ihre Stimme einzubringen: „Wenn sichtbar wird, was auf dem Spiel steht, entsteht der nötige Druck für Veränderung.“

Häufige Fragen (FAQ)

2026 steigen die Vergütungssätze unterschiedlich: Physiotherapie erhält +2,49 % ab Januar, Logopädie +6,12 % ab Juli. In der Ergotherapie sind die Verhandlungen noch offen. Insgesamt bleibt die finanzielle Lage angespannt, da Kostensteigerungen und Fachkräftemangel den Druck erhöhen.

Die Verhandlungen sind komplex, weil steigende Kosten, Inflation und Fachkräftemangel auf begrenzte Budgets der Krankenkassen treffen. Zudem kritisieren Verbände, dass aktuelle Berechnungsmodelle – etwa auf Basis des öffentlichen Dienstes – die realen Kosten in Praxen nicht ausreichend abbilden.

Viele Praxen stehen unter wirtschaftlichem Druck. Steigende Kosten bei gleichzeitig begrenzten Einnahmen erschweren Personalgewinnung, Gehaltserhöhungen und Investitionen. Das kann langfristig die Stabilität von Praxen und die Arbeitsbedingungen für Therapeut:innen beeinträchtigen.


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