Millionärin im Gesundheitswesen? Warum Geld oft blockiert
Hand aufs Herz: Warum fühlt sich das Wort Profit für Sie manchmal falsch an?
74,4 % aller Beschäftigten im deutschen Gesundheits- und Sozialwesen sind weiblich. In der Logopädie liegt dieser Anteil bei rund 95 %, in der Ergotherapie ähnlich hoch, in der Pflege bei über 80 %. Wir sind die, die zuhören, die heilen, die halten. Wir investieren unzählige Abende in Fortbildungen, um die beste Therapie zu bieten. Aber wenn es darum geht, den Preis für diese Expertise festzulegen, werden wir oft ganz klein.
Wir besitzen ein gigantisches Experten-Wissen – ein Wissen, das Leben verändert. Doch statt die finanziellen Erfolge daraus zu ziehen, verstecken wir uns hinter Kassensätzen und dem Gefühl, einfach nur helfen zu wollen. Die unbequeme Wahrheit: Unsere Bescheidenheit ist keine Großherzigkeit. Sie ist eine Form der Selbstsabotage, die uns erschöpft und unsere Praxen klein hält.
Das Echo der Ahnen: Ihr Geldtrauma im Hier und Jetzt
Vielleicht kennen Sie das: Das ungute Gefühl im Bauch, wenn Sie eine Privatrechnung schreiben. Die Angst, einen Klienten zu verlieren, wenn Sie den Wert Ihrer Arbeit über das Minimum heben. Das ist kein persönliches Versagen. Es ist ein kollektives Geldtrauma, das tief in unseren Prägungen sitzt.
Das sogenannte 'Money-Trauma' im Gesundheitswesen ist kein individuelles Versagen, sondern es ist ein systemisch induziertes Phänomen. Es entsteht an der Schnittstelle von geschlechtsspezifischer Sozialisation und der Ethik helfender Berufe.
Jahrhundertelang waren Frauen in weiten Teilen der Welt vollständig finanziell von Männern abhängig. In vielen Kulturen durften nur männliche Nachkommen erben. Religiöse Dogmen verherrlichten Armut als Tugend – Gott liebt die Armen – während wirtschaftlicher Erfolg mit Kälte oder Gier gleichgesetzt wurde.
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Fünf Glaubenssätze, die Sie in der Stagnation halten
Wenn wir dieses Phänomen betriebswirtschaftlich und psychologisch dekonstruieren, lassen sich fünf zentrale Mangel-Glaubenssätze identifizieren, die im Gesundheitswesen besonders häufig wirken:
1. „Wenn ich mit der Not anderer Geld verdiene, bin ich gierig."
Der Altruismus-Fehlschluss
2. „Ich darf nur Geld verlangen für Zeit, in der ich physisch am Klienten arbeite."
Das Lohn-Zeit-Gefängnis
3. „Ich brauche erst noch eine Fortbildung, bevor ich meine Preise erhöhe."
Die Bescheidenheitsfalle
4. „Reiche Menschen im Gesundheitswesen sind kaltherzig."
Das soziale Profit-Stigma
5. „Die Krankenkassen/Gesetzgeber geben die Preise vor, ich habe keinen Spielraum."
Das Abhängigkeitsnarrativ
Keiner dieser Sätze ist faktisch richtig. Aber alle wirken real, weil sie tief verankert sind.
Warum das kein persönliches Versagen ist
Diese Prägungen sind nicht selbst gewählt. Sie wurden weitergegeben, durch Familiensysteme, gesellschaftliche Normen, Ausbildungskulturen. Die Frauen, die heute erschöpft an der Spitze von Praxen und Einrichtungen stehen, leiden nicht an mangelndem Einsatz. Sie leiden an einem System, das ihnen nie beigebracht hat, wie wirtschaftliches Denken und herzliches Helfen zusammenpassen.
Aber es ist jetzt endlich an der Zeit, dieses Trauma zu heilen. Für unsere Träume, für unsere Wünsche und für eine Zukunft, in der wir nicht mehr zwischen Herzlichkeit und Wohlstand wählen müssen. Denn Armut ist keine Tugend. Sie ist ein Hindernis für Sie, Ihr Team und am Ende auch für Ihre Klienten.
Über Vanessa Rummel
Vanessa Rummel ist Inhaberin mehrerer Ergotherapiepraxen – darunter eine interdisziplinär geführte Praxis. Bereits mit 23 Jahren gründete sie ihre erste Praxis und entwickelte daraus eine der etablierten Adressen in der Region. Außerdem ist sie Gründerin der RUMMEL.ACADEMY, einem Weiterbildungs- und Mentoring-Institut für Fach- und Führungskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen.
Ein besonderer Fokus ihrer Arbeit liegt auf Frauen: Sie unterstützt Frauen dabei, ihre Stimme zu stärken, klarer für sich einzustehen und ein selbstbewusstes, wirksames Mindset zu entwickeln. Dabei verbindet sie über 15 Jahre Praxiserfahrung mit fundiertem Wissen aus Neuropsychologie, Therapie und Mental Health
Mehr unter: www.rems-murrergo.de und www.rummel-academy.de