Schaufenster gematik: Schnell, sicher und kurz

Für viele Menschen sind Messenger-Dienste und Apps wie WhatsApp, Telegram oder Signal alltägliche Begleiter. Das soll auch für die Akteure des Gesundheitswesens möglich werden – nur besser abgesichert. Ab Sommer 2022 soll der Telematikinfrastruktur-Messenger, kurz TI-Messenger, starten.

Schaufenster gematik: der TI-Messenger

50 Millionen Menschen können sich nicht irren: So viele nutzen allein in Deutschland Messenger-Dienste wie WhatsApp, Skype, Telegram und andere. Noch erstaunlicher wird das Ergebnis einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom im Mai 2021 bei Betrachtung einzelner Altersgruppen. Demnach nutzen nahezu alle 16- bis 49-Jährigen Messenger-Dienste und selbst bei den 50- bis 64-Jährigen sind es noch 88 Prozent. Kurzum: Messenger sind aus dem Alltag nicht wegzudenken. Das gilt natürlich auch weltweit: Allein WhatsApp, der Facebook-Messenger oder die chinesische App WeChat kommen auf über 4 Milliarden Nutzer.

Kurze Texte, Sprachnachrichten, Bilder und Videos lassen sich in Sekundenschnelle verschicken und werden ebenso schnell beantwortet, kommentiert, „geliked“ und weitergeschickt. Gruppen organisieren sich so, verabreden sich, teilen untereinander Tipps, Unternehmen setzen die Dienste fürs Marketing ein, auch das Bundesgesundheitsministerium ist aktiv und bietet beispielsweise
Informationen zur Corona-Pandemie auf WhatsApp und Telegram an. Ärzt:innen, Therapeut:innen und Patient:innen nutzen die Dienste ebenfalls schon, „obwohl diese keinen sicheren Standard für den Schutz von Gesundheitsdaten bieten“, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung Ende vergangenen Jahres feststellte.

Mittlerweile haben zwar einige Anbieter ihre Messenger an die Anforderungen des deutschen Gesundheitswesens angepasst, doch sind die Dienste selten „interoperabel“: Wer die eine App nutzt, kann nicht mit den Nutzern anderer Apps kommunizieren und andersherum. Den Mängeln bei Sicherheit und Komfort will nun die gematik abhelfen. Das Unternehmen, das bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland eine zentrale Rolle spielt, hat im Juli ein Konzeptpapier für den TI-Messenger vorgestellt. Demnach hat die gematik mit dem Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) den Auftrag erhalten, die sicheren Übermittlungsverfahren im Gesundheitswesen um einen Sofortnachrichtendienst zu erweitern.

Der TI-Messenger soll speziell für die Akteure im Gesundheitswesen die Kommunikation „überall und jederzeit und mit (fast) jedem“ ermöglichen: Kurznachrichten können auf dem PC oder per App, vom Tablet oder dem Smartphone verschickt werden. Geplant ist, dass Daten aller Art und Größe verschickt oder ausgetauscht werden können, seien es Text-, Bild- oder Audio-Dateien. Damit ergänzt der Messenger-Dienst die Kommunikation im Medizinwesen, kurz KIM, die auf der E-Mail-Technologie basiert. Denn der TI-Messenger ermöglicht, was die Nutzer von solchen Diensten im Alltag gerne nutzen: eine digitale Ad-hoc-Kommunikation, nur dass diese per TI-Messenger eben interoperabel und sicher ist. Technisch setzt der TI-Messenger auf das frei verfügbare Kommunikationsprotokoll der Matrix Stiftung, einer britischen Initiative, die 2014 mit der Absicht gegründet wurde, einen offenen Standard für die Kommunikation im Internet zu entwickeln. Neben der gematik haben sich weitere prominente Akteure dafür entschieden, das Matrix-Protokoll zu nutzen. In Frankreich soll ein darauf basierender Messenger alle Ministerien und Behörden auf nationaler
Ebene miteinander verbinden, auch die Bundeswehr will bei ihrer Chat-Kommunikation auf die freie Software setzen.

Der geplante TI-Messenger klingt nach einem weiteren Meilenstein der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Auch die Heilmittelerbringer:innen sind vom Start weg mit dabei, vorausgesetzt, sie haben einen Heilberufeausweis oder arbeiten in einer Institution, die über eine SMC-B-Karte verfügt und die Nutzung des TI-Messengers für Mitarbeiter:innen freigibt. Der Sommer 2022 kann kommen.

Der TI-Messenger auf einen Blick:

  • Start geplant für Sommer 2022
  • Sichere Kommunikation in Echtzeit zwischen Akteuren des Gesundheitswesens
  • Macht schnelle, unkomplzierte Rückfragen möglich

Über die gematik

Seit 2005 arbeitet die gematik GmbH an der digitalen Zukunft des Gesundheitswesens. Gegründet wurde das Unternehmen, um die elektronische Gesundheitskarte einzuführen, sie weiterzuentwickeln und auch die nötige technische Infrastruktur aufzubauen. Den Auftrag dazu erhielt sie von ihren Gesellschaftern, den Spitzenorganisationen des deutschen Gesundheitswesens. 2019 hat sich das Bundesministerium für Gesundheit mehrheitlich an der gematik beteiligt. Heute entwickeln und betreuen rund 360 Mitarbeiter:innen der gematik die Telematikinfrastruktur und jene digitalen Anwendungen, die von den Akteuren im Gesundheitswesen bereits jetzt oder in naher Zukunft genutzt werden können.
www.gematik.de