BED-Analyse: Heilmittelversorgung bleibt in Berlin außen vor

Vor der Abgeordnetenhauswahl hat der Bundesverband für Ergotherapeut:innen die Parteiprogramme durchleuchtet – mit einem deutlichen Befund für die gesamte Heilmittelbranche.

Zur Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 hat der Bundesverband für Ergotherapeut:innen in Deutschland (BED) die Wahlprogramme von SPD, AfD, CDU, Die Linke, Grünen, FDP, BSW und ergänzend Volt nach Aussagen zur Heilmittelversorgung durchsucht. Das Ergebnis fällt für die Branche insgesamt ernüchternd aus.

Heilmittel kommen in keinem Programm vor

Der Begriff Heilmittel taucht in keinem der acht geprüften Programme auf, ebenso wenig wie die Begriffe Blankoverordnung oder Direktzugang. Auch die einzelnen Heilmittelberufe finden kaum Erwähnung: Ergotherapie wird nur von zwei Parteien namentlich genannt, von der Linken zweimal, von den Grünen einmal. Bei SPD, CDU, FDP, BSW, AfD und Volt liefert die Suche nach Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie keinen einzigen Treffer.

Versorgungszentren ja, Therapie meist nicht mitgedacht

Etwas differenzierter fällt der Blick auf geplante Versorgungsstrukturen aus. Vier Parteien – SPD, Linke, Grüne und BSW – wollen eigene integrierte oder multiprofessionelle Gesundheitszentren schaffen, die CDU setzt stattdessen auf eine Stärkung von Apotheken und anderen Partnern als niedrigschwellige Anlaufstellen, Volt schlägt Gesundheitszentren im Kiez vor. Therapeutische Angebote als ausdrücklichen Bestandteil dieser Zentren nennen im Hauptvergleich jedoch nur die Grünen. Volt erwähnt Therapie zumindest im Zusammenhang mit geplanten Gesundheitskiosken. Damit bleibt die Heilmittelversorgung selbst dort, wo neue Versorgungsstrukturen entstehen sollen, in den meisten Programmen unsichtbar.

Auch bei der Frage erweiterter beruflicher Verantwortung zeigt sich laut BED dasselbe Muster: Mehrere Parteien wollen die Befugnisse von Pflegefachpersonen oder medizinischen Fachangestellten ausbauen, eine vergleichbare Forderung für die Heilmittelberufe fehlt durchgängig.

Einzelne Parteien im Detail

Konkreter wird es punktuell dennoch. Die Linke fordert unter anderem den Erhalt von Modellstudiengängen in Physio- und Ergotherapie sowie bessere Arbeitsbedingungen und Tarifverträge in Therapiepraxen; zudem sollen Schulen Ergotherapeut:innen und Logopäd:innen über ein flexibles Personalbudget fest einstellen können. Die Grünen wollen einen gemeinsamen Ausbildungscampus für Pflege- und therapeutische Gesundheitsberufe schaffen. Die entsprechende Passage steht allerdings im Pflegekapitel, während vergleichbare Forderungen nach erweiterten Befugnissen für Therapieberufe fehlen. Die FDP erwähnt Gesundheitsfachberufe nur in einem Satz zu Ausbildungsangebot und Schulgeldfreiheit, die laut BED in Berlin bereits gesetzlich abgesichert ist. AfD und BSW nennen Heilmittelberufe im Gesundheitskapitel gar nicht.

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Was der Senat überhaupt regeln kann

Der BED weist zugleich auf die rechtlichen Grenzen der Landespolitik hin: Da die GKV-Heilmittelversorgung bundesrechtlich geregelt ist, kann der künftige Senat weder einen Direktzugang zu Heilmittelberufen noch die bundesweit ausgehandelte GKV-Vergütung im Alleingang ändern. Eigene Gestaltungsspielräume sieht der Verband dagegen bei Ausbildung und Hochschulen, bei der Förderung wohnortnaher Versorgungsstrukturen sowie bei Praxisräumen in landeseigenen Immobilien.

Fünf Forderungen an den nächsten Senat

Aus der Analyse leitet der BED fünf Forderungen ab: eine verlässliche Finanzierung der schulgeldfreien Ausbildung in den Heilmittelberufen, die verbindliche Einbindung von Ergotherapie und den anderen Heilmittelberufen in neue Versorgungszentren und Raumkonzepte, eine eigenständige hochschulische Perspektive für die therapeutischen Berufe statt einer reinen Anbindung an die Pflegeausbildung, klare Zuständigkeiten und Finanzierung bei der Zusammenarbeit mit Schulen und Eingliederungshilfe sowie eine eigenständige Beteiligung der Heilmittelberufe an gesundheitspolitischen Planungen und Bundesratsinitiativen.

Der Verband betont außerdem, dass fachpolitischer Kontakt zu gewählten Mandatsträger:innen unabhängig vom Wahlausgang nötig sei, um die Interessen der Heilmittelbranche zu vertreten – unabhängig von der Frage einer politischen Zusammenarbeit, die der BED für die AfD ausdrücklich ausschließt.


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