GKV-Reform: Praxisinhaber:innen zwischen Sorge und Neuausrichtung

Die Bodymedia hat fünf Praxisinhaber:innen gefragt, was das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz für ihre Betriebe bedeutet.

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wurde am 10. Juni beschlossen. Wie sich das auf den Praxisalltag auswirkt, hat die Bodymedia bei fünf Praxisinhaber:innen und Geschäftsführenden erfragt: Sebastian Münch (Activum, Blumberg), Alois Grabmair (Physiozentrum Peiting), Stefan Polzer (J+ JUST MORE group), Heiko Pfeifer (ELIXIA, Hamburg) und Eva Wermelskirchen (Physiosport Köln). Die Einschätzungen reichen von Zuversicht bis zur Warnung vor Praxisaufgaben.

Wirtschaftlichkeit als größtes Risiko

Einig sind sich die Befragten bei der Ursache der Sorgen: Steigende Personal-, Energie- und Betriebskosten treffen auf begrenzte Einnahmen. Münch erwartet weniger Spielraum für Rücklagen, neue Standorte, moderne Ausstattung und Gehaltsentwicklung. Dadurch werden aus seiner Sicht Innovationen ausgebremst, was auch die Versorgungsqualität trifft. Grabmair rechnet mit mehr Diskussionen mit Patient:innen über höhere Zuzahlungen und mit erklärungsbedürftigen Gesprächen im Team. Polzer nennt außerdem die schwierige Personalgewinnung und die Bürokratie, die zunehmend Zeit von der Behandlung abzieht.

Beim Stichwort Praxissterben gehen die Meinungen auseinander. Polzer geht davon aus, dass viele Praxen in den kommenden Jahren aufgeben, weil die Rahmenbedingungen es nicht mehr zulassen. Grabmair hält das für unwahrscheinlich, da sich Praxen zukunftsorientiert aufstellen können.

Forderungen an die Politik

Am weitesten geht Münch: Er fordert, die Reform zurückzunehmen, und will zugleich die Blankoverordnung ausweiten, die Digitalisierung konsequent umsetzen und Bürokratie abbauen. Physiotherapie solle zudem gezielter verordnet werden, weil manche Patient:innen dauerhaft behandelt werden, obwohl andere Maßnahmen sinnvoller wären. Grabmair setzt auf Gespräche zwischen Berufsverbänden und Krankenkassen, bei denen Gebührensätze und Heilmittelvergütung angepasst werden. Polzer, Pfeifer und Wermelskirchen verlangen Planungssicherheit, Vergütungen, die die tatsächliche Kostenentwicklung abbilden, und weniger Bürokratie. Pfeifer wünscht sich außerdem, dass Praxisinhaber:innen stärker als Unternehmer:innen wahrgenommen werden.

Diversifizieren und unternehmerisch denken

Als Antwort auf die Lage raten mehrere Befragte zu einer breiteren wirtschaftlichen Basis. Münch nennt medizinische Trainingstherapie, Präventionskurse, Firmenkooperationen und Mitgliedschaftsmodelle. Grabmair hat gute Erfahrungen mit Trainingsgeräten im Monatsabo, BIA-Analyse und bildgebendem Ultraschall gemacht. Pfeifer und Wermelskirchen betonen Führung, Prozesse und Investitionen in die Mitarbeitenden: Wer seine Zahlen kennt, Abläufe hinterfragt und Digitalisierung nutzt, bleibt wettbewerbsfähig. Pfeifer rät außerdem, nicht in die Opferrolle zu gehen und Veränderungen aktiv zu gestalten.

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