Schaufenster gematik: Neue Ausgabe des TI-Atlas

Zahlen, Daten und Fakten rund um die Telematikinfrastruktur liefert die gematik erneut mit der zweiten Ausgabe des TI-Atlas. Wer wissen will, wie der Stand der Digitalisierung des Gesundheitssystems ist und wohin die Reise geht, sollte einen Blick darauf werfen. Das Wichtigste in Kürze.

Illustration Telematikinfrastruktur

m TI-Atlas lässt sich laut der gematik vor allem eines ablesen: Dass die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems in eine neue Phase eingetreten ist. Das liege zum einen am bundesweiten Start des E-Rezepts, wodurch „für Versicherte der konkrete Nutzen der Digitalisierung schrittweise erfahrbar“ wird. Zum anderen sei der seit 1. Juli 2022 verbindliche Einsatz von KIM (Kommunikation im Gesundheitswesen) für den digitalen Versand von elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen an die Krankenkassen ein weiterer Treiber der Entwicklung.

Es ist aus Sicht der gematik der Start einer Nutzungsphase, „die als Beschleuniger für die weitere Digitalisierung eine wichtige Wegmarke darstellt“. Tatsächlich sind laut TI-Atlas fast alle Apotheken, Krankenhäuser und (Zahn-)Arztpraxen an die TI angeschlossen. Auch die Zahl der Einrichtungen, die als voll TI-ready gelten, ist gestiegen – beispielsweise bei den Apotheken um 33 Prozent, den Zahnarztpraxen um 27 Prozent und den Arztpraxen um 12 Prozent.

Die Befragung zeigt, dass die Bevölkerung neuen Technologien gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt ist, 89 Prozent haben dies angegeben. Viele, die über ein Smartphone verfügen, verwenden bereits digitale Gesundheitsanwendungen, beispielsweise nutzen davon 38 Prozent die Service-App ihrer Krankenkasse und 33 Prozent eine Fitness- oder Gesundheits-App.

Generell wünschen sich die Deutschen mehr Mitbestimmung bei ihrer Behandlung mehr Kontrolle über ihre eigenen Gesundheitsdaten. 69 Prozent wollen, dass alle Akteure im Gesundheitswesen im Behandlungsfall auch ohne vorherige Zustimmung auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen können, 62 Prozent wollen ihre Gesundheitsdaten digital selbst verwalten.

Standardisierte Gesundheitsdaten wie sie sie über die elektronische Patientenakte zugänglich wären, haben für die Befragten eine besonders hohe Relevanz. Gerade die Physiotherapiepraxen geben an, auf diese Daten gerne zugreifen zu können: 89 Prozent nennen Notfalldaten, 86 Prozent Arztbriefe, Befunde und Röntgenbilder und 82 Prozent hätten gerne Einsicht in den Medikationsplan.

Leider kommt die ePA nur langsam in der Praxis an. Sie ist in den Einrichtungen zwar oft installiert – zu 49 Prozent in Arztpraxen oder zu 25 Prozent in Krankenhäusern – wird aber nur selten genutzt, in beiden erwähnten Einrichtungen nur zu je 4 Prozent. Auch beim E-Rezept warten die Einrichtungen auf den Startschuss: 63 Prozent der Apotheken und 45 Prozent der Zahnarztpraxen sind E-Rezept-ready, genutzt wird es aber noch eher selten.

Auch wenn sich die Digitalisierung in der Praxis nur Schritt für Schritt durchsetzt, ist der Anschluss an die TI bei vielen geplant: Bei 51 Prozent der Physiotherapiepraxen ist das laut TI-Atlas bereits jetzt der Fall, obwohl sie erst ab 2026 dazu verpflichtet sind. 

Der TI-Atlas wird seit 2021 jährlich von der gematik veröffentlicht und basiert auf der Befragung der Bevölkerung und der medizinischen Einrichtungen über eine für Deutschland repräsentative Stichprobe. Zu den medizinischen Einrichtungen zählen im Unterschied zur vorigen Ausgabe auch Reha-Einrichtungen, stationäre Pflegeheime und ambulante Pflegedienste, Gesundheitsämter, Physiotherapiepraxen und die Geburtshilfe. Die Online-Befragungen wurden zwischen Ende Mai und Ende Juni 2022 durchgeführt.

Mehr dazu finden Sie unter www.ti-atlas.de