VPT-Tag: Wie internationale Physios in deutschen Praxen ankommen
Der Verband für Physiotherapie (VPT) hat am 14. Oktober in Berlin den “Tag der internationalen Fachkräfte in der Physiotherapie” veranstaltet. Vormittags tauschte sich der Verband im Bundesgesundheitsministerium (BMG) aus, abends folgte eine Diskussion im Haus der Physiotherapie. Zu Gast war eine kenianische Delegation unter Leitung von Botschafterin Stella Mokaya Orina und Dr. Kelly Oluoch, CEO des Kenya Medical Training College (KMTC).
Politischer Rahmen: Partnerschaft mit Kenia
Im BMG sprachen Dr. Roland Jopp (Referat Fachkräfte Ausland) und Galina Manthei (Bilaterale Gesundheitspolitik) über die Grundlagen der Zusammenarbeit. Sie beruht auf dem deutsch-kenianischen Migrations- und Mobilitätspartnerschaftsabkommen von 2024, das geregelte Wege für Arbeitsmigration und Ausbildung schaffen soll. Das KMTC ist mit rund 90.000 Ausbildungsplätzen einer der größten Ausbilder von Gesundheitsfachkräften in Kenia. Botschafterin Orina machte klar, dass Fachkräftegewinnung faire, ethische und nachhaltige Verfahren braucht.
Anerkennung und Integration in der Praxis
Am Abend ging es um den gesamten Weg von der Rekrutierung im Herkunftsland über die Anerkennung bis zur Arbeit in der Praxis. Auf dem Podium und unter den Referierenden waren Vertreter:innen der Ludwig Fresenius Schulen, von GPCare Solutions, der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) und der African Business Community, außerdem Jopp vom BMG sowie für den VPT Tobias Niklas und Steffen Gabriel.
Eine Hürde sieht der VPT in den teils uneinheitlichen Anerkennungsverfahren. Ausbildungsinhalte müssen verglichen und Kompetenzen nachvollziehbar bewertet werden. Qualifikationen sollen zügig anerkannt und nötige Anpassungen gezielt bestimmt werden, statt Unterschiede pauschal als Defizit zu werten.
Die ausländischen Kolleg:innen sind laut VPT-Vize Niklas fachlich in der Regel sehr gut ausgebildet. Schwierigkeiten bereiten ihnen vor allem die Rahmenbedingungen in ambulanten Praxen und die Kenntnisse zur Abrechnung. Die Fachkräftegewinnung dürfe deshalb nicht bei der Vermittlung enden, so Niklas. Es brauche schnellere und transparentere Verfahren und eine gut begleitete Integration.
Dazu gehören nach Angaben des Verbands sprachliche und fachliche Vorbereitung, Wissen über die Abläufe deutscher Praxen und klare Informationen zu den einzelnen Schritten. Für Praxisinhaber:innen heißt das: Internationale Rekrutierung bedeutet mehr als eine besetzte Stelle und kostet Vorbereitung, Zeit und verlässliche Partner. Gabriel spricht von einer Win-win-win-Situation für Fachkräfte, Praxen und Patient:innen, wenn die Integration gelingt und die Fachkräfte lange im Beruf bleiben.
Ein Baustein, keine alleinige Lösung
Internationale Fachkräfte können Versorgungskapazitäten sichern und ausbauen, ersetzen aber weder die Ausbildung des eigenen Nachwuchses noch die Arbeit an der Attraktivität des Berufs. Der VPT fordert deshalb schnellere und transparentere Verfahren, eine Modernisierung der Berufsgesetze und bessere Rahmenbedingungen. Die Interessen der Herkunftsländer sollen dabei berücksichtigt werden.
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