Optica OWL Wochenrückblick KW 45: Auf der langen Bank
Aufgeschoben: Die TI-Pflicht kommt vorerst nicht
Es ist nun offiziell: Die Anbindungsfrist an die Telematikinfrastruktur ist für Leistungserbringer:innen im Heilmittel- und Hilfsmittelbereich vom 1. Januar 2026 auf den 1. Oktober 2027 verschoben. Das hat der Bundestag in seiner gestrigen Sitzung beschlossen. Die Regierungsparteien hatten das in einem Änderungsantrag gefordert, weil absehbar sei, dass auch die Einführung der elektronischen Heilmittelverordnung (eVerordnung) zum 1. Januar 2027 nicht eingehalten werden könne. Nach Einschätzung der Verbände stehen Aufwand und Nutzen deswegen zum aktuellen Zeitpunkt in keinem Verhältnis. Entsprechend begrüßen sie den Schritt überwiegend und empfehlen ihren Mitgliedern, die gewonnene Zeit für den unumgänglichen Schritt in die Digitalisierung sinnvoll zu nutzen. Dass man nun auf dem Weg in die TI zunächst auf der Wartebank zurückbleibt, mag dabei zwar die digitalen Vorreiter:innen ausbremsen, die überwiegende Mehrheit der Praxen und Betriebe ist aber noch nicht dort angekommen. Sie sind noch nicht losgelaufen oder stecken mitten im Antragsverfahren rund um SMC-B-Karte und elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) fest.
Ausgebremst: Akademisierung auf der Wartebank
Auf der Wartebank sitzen seit vielen Jahren auch diejenigen, die auf die Akademisierung der Heilmittelausbildung warten. Mit dem Aufruf „Neuausrichtung durch konsequente Akademisierung!“ macht das Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen aktuell darauf aufmerksam, dass man nach mehr als 25 Jahren Stagnation endlich Perspektiven erwartet. Dabei machen andere Länder nicht nur vor, wie Akademisierung geht, internationale Verbände unterstützen auch aktiv ihre deutschen Kolleg:innen, damit sie nicht den Anschluss an internationale Standards verlieren. So bekommt etwa der Deutscher Bundesverband für Logopädie e. V. (dbl) Unterstützung von der International Association of Communication Sciences and Disorders (ialp). Der weltweite Fachverband für Logopädie, Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schlucktherapie befürwortet in einem offiziellen Schreiben die hochschulische Ausbildung für Logopädinnen und Logopäden in Deutschland und fordert die deutsche Regierung nachdrücklich auf, den rechtlichen Rahmen dafür zu schaffen.
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Unterschätzt: Primärversorgung und Direktzugang
Dass Therapeut:innen stellenweise offenbar unterschätzt werden, befürchtet in dieser Woche auch der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK). „Wir haben nicht nur eine fundierte Ausbildung, sondern auch häufiger Kontakt zum Patienten und erlangen dadurch regelmäßig ein viel umfangreicheres Bild über dessen Beschwerden als andere Gesundheitsberufe“, so Ute Repschläger, Vorsitzende des IFK, in einer aktuellen Pressemeldung. Sie erlebe oft, dass Patient:innen in die Praxis kommen, ohne dass den Therapeut:innen die für die Behandlung erforderlichen Unterlagen vorliegen. Wäre es im Rahmen des Direktzugangs und eines Primärversorgungssystems (PVS), wie es im Koalitionsvertrag ins Gespräch gebracht wurde, möglich, einen Blick in die Patientenakte zu werfen, um OP-Berichte oder Röntgenbilder anzuschauen, könnten Therapeut:innen von Behandlungsbeginn an viel zielgerichteter arbeiten und Patient:innen hätten einen schnelleren Therapierfolg. Dazu fordert der IFK, alle beteiligten Berufsgruppen in den Gesetzgebungsprozess einzubeziehen, noch bevor ein Vorentwurf für den Referentenentwurf ausgearbeitet wird. Auf diese Weise könnten Ärzt:innen entlastet und Kosten reduziert werden.
Männergesundheit: Wenn die Wartebank leer bleibt
Wenn es um Männergesundheit geht, bleiben die Wartebänke hingegen zu oft leer, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Die Sterberate der Männer in Deutschland war im vergangenen Jahr in allen Altersgruppen höher als die der Frauen. Bei den 15- bis 34-Jährigen war sie mehr als doppelt so hoch, in den Altersgruppen zwischen 35 und 84 Jahren lag sie um 50 bis 85 Prozent über der der Frauen. Um bei diesen Statistiken eine Trendumkehr einzuleiten, ist Prävention unerlässlich. Darauf machte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach anlässlich des Weltmännertages am 3. November aufmerksam. „Männer haben eine geringere Lebenserwartung als Frauen. In Bayern sind es durchschnittlich 4,4 Jahre weniger. Dabei können Männer durch mehr Vorsorge und Früherkennung sowie einen gesunden Lebensstil viel für ihre eigene Gesundheit und ein längeres, gesundes Leben bewirken.“ Sie ermuntert Männer, sich stärker zu informieren und die Chancen zu nutzen, die Vorsorge und Früherkennung bieten.
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